Bürgermeister Hans Michael Burkhardt stieß mit Michael Groh, Stephan Sawadsky, Samuel Brenner, Martina Köhnlein und Melanie Henschel (von links) auf die 25-jährige Zusammenarbeit von Gemeinde und Waldhaus an. Foto: Priestersbach

Die Jugend- und Gemeinwesenarbeit in Jettingen soll ausgeweitet werden. Die Zusammenarbeit mit dem Waldhaus besteht seit mittlerweile 25 Jahren und wurde verlängert.

Jettingen gehörte in den 90er-Jahren zu den ersten Kommunen in der Region, die mit einem freien Träger in Sachen Jugendarbeit auf Profis gesetzt hatten. In seiner Rückschau betonte Burkhardt jetzt bei einem Pressegespräch: „Das war die richtige Entscheidung – und es ist gut, wenn man das nach 25 Jahren sagen kann.“

Die erfolgreiche Zusammenarbeit wird nun ausgebaut und auf eine weitere Ebene gehoben, machte Bürgermeister Hans Michael Burkhardt im Rathaus unter Hinweis auf die Vertragsverlängerung mit den Sozialpädagogischen Einrichtungen der Jugendhilfe Waldhaus in Hildrizhausen deutlich. In den vergangnen Jahren wurde bereits die Schulsozialarbeit personell aufgestockt, aber hinzu kamen ebenfalls Themen wie Ganztagesbetreuung, Gemeinwesen- und Mehrgenerationenarbeit oder die Flüchtlingshilfe.

„Da hat sich in den letzten 25 Jahren einiges verändert“, macht der Jettinger Rathauschef deutlich – und er ist mit Blick auf die Vertragsverlängerung froh, dass der Gemeinderat „diesen Weg mitgeht“.

325 000 Euro Kosten

So werden künftig vier Vollzeitstellen zur Verfügung stehen, die sich auf fünf Köpfe verteilen. Ab 2025 rechnet man in diesem Bereich mit Aufwendungen von 325 000 Euro.

„Das ist schon eine Summe“, weiß Burkhardt, dass die Fördermittel von rund 130 000 Euro aus verschiedenen Töpfen dem Gemeinderat die Entscheidung erleichtert hatten.

Geschätzt würden in Jettingen aktuell um die 1000 Kinder und Jugendliche betreut, während die Schülerzahlen vor allem dank der Gemeinschaftsschule in den vergangenen Jahren von 500 auf rund 800 gestiegen seien. Zudem wurden in der Gäugemeinde 151 ukrainische Flüchtlinge aufgenommen, von denen ein Drittel Kinder und Jugendliche sind.

Wie Michael Groh als Bereichsleiter der Jugendhilfe Waldhaus berichtete, arbeite man zwischenzeitlich mit 16 Kommunen zusammen, wobei er Jettingen als gutes Beispiel für die Entwicklung der Jugendsozialarbeit bezeichnet. Im Aufbau des Mehrgenerationenreferats „Bürgerimpuls“ sieht er ein echtes Erfolgsmodell, zumal es eben auch in der Seniorenarbeit steigende Bedarfe gibt, auf die man mit neuen Ü60-Angeboten reagiert. Es gehe aber auch darum, „Jung und Alt zusammenzubringen“, so Michael Groh.

Mehr psychische Störungen

Nicht unerwähnt ließ er jetzt, dass man seit Corona bei Jugendlichen „einen eklatanten Anstieg von seelischen und psychischen Störungen“ beobachte. Doch auch durch den anhaltenden Krisenmodus entstünden diffuse Ängste und Verunsicherungen, mit denen die Schulsozialarbeit konfrontiert werde.

Dabei betonte Groh: „Wir sind Sozialarbeiter, aber nicht therapeutischen tätig“ – obwohl eine professionelle therapeutische Betreuung immer öfter notwendig sei.

Ein Riesenthema ist in seinen Augen ebenfalls die Digitalisierung mit zunehmenden Problemen wegen Mobbing oder der ständigen Selbstinszenierung. Mit Sorge sehe man „die Fremdbestimmung über die Sozialen Medien“, und deshalb ist der Bereichsleiter überzeugt, dass hier „die Eltern sensibilisiert werden müssen“.