Alina Meichelbeck und Manuel Götz stehen im Spitalgarten. Sie haben einige Ideen, wie sich Villingen aus der Sicht von Jugendlichen verändern könnte. Foto: Elena Baur

Jetzt zu den Wahlen sind Meinungen gefragt. Auch die Jugend hat einige Wünsche und Anregungen, die einem auf den ersten Blick vielleicht nicht direkt auffallen. Alina Meichelbeck und Manuel Götz sprechen darüber, was in der Doppelstadt fehlt.

Radwege, Sicherheit, Schule, Stadtbild und Freizeit sind die großen Themengebiete, in denen sich Alina Meichelbeck und Manuel Götz Veränderungen wünschen. Als Jugendlicher werde man besonders von den älteren Generationen häufig als störend und „böse“ betrachtet. Doch das führt auch oft dazu, dass sich Jugendliche ausgegrenzt und nirgends wirklich erwünscht fühlen.

 

Damit die Wünsche der Jugendlichen sichtbar werden und ihre konstruktiven Vorschläge für Veränderungen in Villingen-Schwenningen gehört werden, sprechen nun zwei von ihnen darüber. Im ersten Teil der zweiteiligen Serie geht es um die Innenstadt, Plätze für Jugendliche, Werbung und der fehlende Anreiz des kostenlosen Busses.

Selbes Engagement für Jugend wie für Kinder

Im Bereich Spielplätze und Kinderprogramm konnten Meichelbeck und Götz nur loben. Die vielen Spielplätze würden stets erneuert, geputzt und regelmäßig kontrolliert. Außerdem gibt es für Grundschüler ein Ferienprogramm, bei dem sich Kinder aus einem Heftchen zu verschiedenen Aktionen anmelden können, ob Wander- und Fahrradtouren oder kreative Workshops.

Doch ab der fünften Klasse fällt das plötzlich komplett weg. Kein Heftchen mehr und für den Spielplatz ist man dann auch „zu groß“. „Man fühlt sich ausgeschlossen, da man überall signalisiert bekommt, dass man als Jugendlicher da nicht sein soll“, erklärt Meichelbeck enttäuscht.

Es würde jeder davon profitieren, wenn Jugendliche ebenfalls, wie die Kinder auf dem Spielplatz einen Ort für sich hätten. „Es wäre schön, wenn es für Jugendliche ein ähnliches Engagement geben würde, wie für die Kleinen.“

Ein Ferienprogramm, bei dem sich die Jugendlichen wie in den unteren Klassen für Fahrradtouren oder sonstige Kurse anmelden könnten, wäre eine schöne Idee. Dies könne zum Beispiel in Verbindung mit dem Jugendhaus realisiert werden, schlagen Meichelbeck und Götz vor.

Mehr Freiheiten für den Jugendgemeinderat

Ein Ort für Jugendliche sei mit dem „Calisthenics Parks“, also einem Trainingspark für Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, bereits der Schritt in die richtige Richtung. Doch oftmals häufen sich solche Angebote an einem Ort, wie zum Beispiel auf dem Hubenloch, und in den Wohngebieten gebe es so etwas gar nicht, bemängeln die beiden.

In Plätzen, auf denen gemeinsam Sport betrieben werden kann, sehen sie großes Potenzial. Allgemein sei das Thema Fitness bei der Jugend „im Trend“. Daher freuen sich Meichelbeck und Manuel besonders über den Jugendgemeinderat, der ein Volleyballfeld auf den Weg bringt.

Im Allgemeinen sind die beiden sehr überzeugt von der Arbeit des Jugendgemeinderats und wünschen sich, dass dieser noch mehr Freiheiten und ein höhere Budget durch die Stadt bekommt, um Ideen umsetzen zu können.

Mehr Mülleimer und Bänke für die Außenbereiche

Doch nicht nur die Begegnungsorte häufen sich an einem Platz, auch Bänke und Mülleimer fehlen in manchen Teilen der Stadt komplett. Zum Beispiel in den Wohngebieten müsse man bei einem Spaziergang ziemlich lange laufen bis zum nächsten Mülleimer oder bis zur nächsten Bank, wie die beiden die Situation beschreiben. Sie wünschen sich, dass es mehr Mülleimer und Bänke verteilt in der ganzen Stadt gibt. „Vielen Menschen fällt es gar nicht auf, was fehlt, bis sie es erzählt bekommen“, findet Meichelbeck.

Vor allem bei den Bänken erhoffen sich die beiden, dass es die Menschen mehr nach draußen treibt, da dann auch Junge und Alte mehr Orte zur Erholung haben, die nicht so viel Ausdauer haben. Meichelbeck und Götz fänden es schön, wenn es eine ausgeglichene Abwechslung an Sitzmöglichkeiten zwischen Schatten- und Sonnenplätzen gibt, die an ausgewählten attraktiven Orten stehen, an denen es vielleicht auch besonders schön zum Verweilen ist.

Dennoch sind die beiden mit der Sauberkeit in der Stadt sehr zufrieden. Vor allem in der Innenstadt. Das müsse man der Stadt hoch anrechnen.

Innenstadt hat zu monotone Geschäfte

Doch in der Innenstadt sehen die Jugendlichen, was die Geschäfte angeht, noch Potenzial, denn sie wünschen sich mal etwas anderes. Aus ihrer Sicht gibt es überall das gleiche. Angefangen beim Essen, bei dem sicherlich überall ein Döner gefunden wird. Doch ein reichhaltiges und trotzdem günstiges Essen für die Mittagspause sei kaum aufzutreiben. So treffen sich Jung und Alt in der Mittagspause in einer Bäckerei, welche die Anforderungen an ein reichhaltiges und günstiges Essens aus Ansicht von Alina Meichelbeck und Manuel Götz erfüllt. Sie wünschen sich allerdings mehr gesunde Alternativen zu Fastfood und würden sich auch über Schüler-Menüs auf den Speisekarten freuen.

„Nieschenläden“ fehlen in der Stadt

Die selbe monotone Lage zieht sich auch bei den Geschäften in der Innenstadt durch. Über „Nischenläden“, welche die Interessen der Jugend vertreten, würden sich bestimmt viele Jugendliche freuen, zeigen sie sich zuversichtlich. So wäre ein für junge Menschen erschwingliches Sportgeschäft mit Ausstattung für das eigene kleine Training zu Hause oder auch ein Kunstladen mit sämtlichem Zubehör in der Innenstadt gern gesehen.

Aber auch spezielle Interessensgebiete wie ein Anime-Shop würde aus Meichelbecks Sicht wirtschaftlich bestimmt rentabel sein, denn dies nimmt seit einiger Zeit unter Jugendlichen an Beliebtheit zu. Dies könne man auch an der wachsenden Manga-Abteilung in Bücherläden entdecken.

Doppeltes in der Doppelstadt

Dass überall die selben Geschäfte und Angebote vorhanden sind, sei aber nicht nur ein Problem in der Villinger Innenstadt, erklären die beiden. Das betreffe die ganze Doppelstadt. Was es in Villingen gebe, sei auch in Schwenningen zu finden und umgekehrt. Obwohl Villingen-Schwenningen eine Stadt ist, wirke sie als wären es zwei. Einen Anreiz, um von Villingen nach Schwenningen zu gehen, gebe es eigentlich keinen, bedauern die Jugendlichen, die beide in Villingen und der Umgebung zu Hause sind.

Kostenlosem Bus am Samstag fehlt Anreiz

Mit einem individuellen Erkennungsmerkmal für die jeweiligen Stadtteile würde eventuell auch der kostenlose Bus am Samstag mehr genutzt werden, schätzt Alina Meichelbeck. Sie findet es schade, dass dieses Angebot so wenig genutzt wird und ist sich sicher, dass mehr Menschen einsteigen, wenn im anderen Stadtteil etwas geboten wird. Hier könnte man zum Beispiel mit Veranstaltungen oder Läden locken, die es im anderen Stadtteil nicht gibt.

Alina Meichelbeck und Manuel Götz sehen jedoch auch eine Tendenz dazu, dass die Freizeitmöglichkeiten, die für Jugendliche attraktiv sind, aus den Städten und auf den Klosterhof verlagert werden. Da sei der Skatepark besser wie auf dem Hubenloch und auch das Schwimmsportzentrum, das beim Bürgerentscheid zur Debatte steht, soll dort hinkommen. Allerdings ist der Platz für Jugendliche schwerer erreichbar, zeigen sich die beiden enttäuscht. Es fühle sich dann erneut so an, als würde man aus der Stadt verlagert werden.

Werbung erreicht die Menschen nicht

Doch eigentlich müsse, auch um das Bus-Problem zu lösen, bereits früher angesetzt werden, da schlichtweg zu wenige Menschen von diesem Angebot wissen, weist Meichelbeck auf den Ursprung vieler Probleme hin. Die Stadt müsse verstärkt auf diese Bemühungen aufmerksam machen und die Werbetrommel rühren.

Flyer in der Schule sollten eventuell erst kurz vorgestellt werden, bevor sie ausgeteilt werden, Vereine könnten sich gegenseitig bewerben, bei Veranstaltungen könnte das nächste Event bereits angesagt werden, sind einige der Vorschläge. Die Werbung müsse vielfältig verbreitet werden.

Instagram sei schonmal ein guter Anfang, doch die jüngeren Generationen erreiche man eventuell langsam auch nur noch über Tiktok, vermutet Meichelbeck. Dann sei Instagram das Facebook von heute. „Wir brauchen jemanden im Marketing, der weiß was Jugendliche wollen.“

Zweiter Teil

Weitere Themen
Im zweiten Teil der zweiteiligen Serie sprechen die Jugendlichen über die Sicherheit in der Stadt. Hierbei spielen Radwege und Rassismus eine Rolle. Auch beim Thema Schule und den Stadtbibliotheken fallen den Jugendlichen Änderungsvorschläge ein.