Die Demo endete mit einer Kundgebung vor dem Schopfheimer Rathaus. Foto: Anja Bertsch

Auf überschaubare Resonanz stieß der Aufruf zum Schulstreik gegen die Wehrpflicht in Schopfheim. Die Initiatoren wollen sich davon nicht entmutigen lassen.

„Es fängt immer klein an“, so ein Sprecher des Bündnisses „Jugend gegen Wehrpflicht Wiesental“ mit Blick unter anderem auf die Fridays for Future-Bewegung, die zunächst belächelt wurde – und sich dann zur kraftvollen Bewegung entwickelte.

 

„Es fängt immer klein an“

Es fängt immer klein an – und in einem Städtchen wie Schopfheim offenbar noch etwas kleiner als anderswo: In Freiburg, Stuttgart oder Berlin zog der Aktionstag tausende überwiegend junger Menschen auf die Straße – diejenigen, die von Musterung, Wehrdienst und – das Szenario zu Ende gedacht – Kriegseinsatz zuvorderst betroffen wären. In Schopfheim war es ein gutes Dutzend Schüler, dazu Vertreter von Linken und BSW, die sich am Donnerstag zwischen Theodor-Heuss-Gymnasium und Waldorfschule versammelten, um von dort aus über Hebel- und Scheffelstraße zur abschließenden Kundgebung auf den Marktplatz zu ziehen. „So richtig jucken tut das niemand. Bis in ein paar Jahren dann die Musterung dich selbst trifft“: Der Songtext, der die Kundgebung einleitete, mochte da ganz treffend sein.

„Nur die Jugend steht für die Interessen der Junge ein – kein alter weißer Mann“, machte ein Sprecher des Aktionsbündnisses deutlich – verbunden mit dem Appell an diejenigen Mitschüler, die an diesem Tag nicht mit auf der Straße waren: „Wenn ihr wie wir Angst vor dem Krieg habt: Setzt Euch mit uns gegen die Wehrpflicht ein.“

„Gegenüber ist kein Feind“

Leidtragende eines Kriege seien immer diejenigen, die im Dienste vermeintlich höhere Interessen in die Situation hineingezwungen werden, so der Sprecher weiter: „Der verängstigte Soldat mir gegenüber ist kein Feind, denn auch er fragt sich, was er hier eigentlich macht, und warum er sein Leben für den höheren Zweck eines anderen riskieren soll.“

Lars Biesenthal von der Linken führte die immensen Militärausgaben Deutschlands ins Feld, die kaum zum gängigen Narrativ einer völlig unterfinanzierten Bundeswehr passten.

Milliarden für die Rüstung

Mit 108 Milliarden in 2026 und auch zuvor schon, mit jährlich 85 bis 90 Milliarden, habe Deutschland die vierthöchsten Militärausgaben weltweit. Auch er rief die Jugendlichen dazu auf, den Wehrdienst zu verweigern und positionierte sich gegen das oft ins Feld geführte Argument, dass von einem Zwang in Sachen Wehrdienst doch trotz der jüngsten Beschlüsse weiterhin keine Rede sein könne. Sicherlich: Die Betonung liege im Moment auf der „Freiwilligkeit“ des Wehrdienstes. Mit der klaren Ansage allerdings, dass es „bei Bedarf“ – sprich: wenn es zu wenig „Freiwilligkeit“ gibt – eben doch auf eine Pflicht hinausläuft. „Nutzt die Chance, euch dem zu entziehen“, so Biesenthals Appell.