Luisa Rütschle übernimmt die Leitung der Bräunlinger Jugendkapelle. Als 14-Jährige startete sie mit Block- und Querflöte. Musik ist aber nicht ihre einzige Leidenschaft.
Mit Luisa Rütschle hat eine junge Dirigentin die Leitung der Jugendkapelle der Bräunlinger Stadtmusik übernommen und beim Herbstkonzert in der Stadthalle mit einem starken Dirigat überzeugt. Beim Herbstkonzert hatte die 22-Jährige mit dem Stück „Silva Nigra“ von Markus Götz erstmals in einem Teildirigat die Hauptkapelle geführt. Dirigent Mario Franke lobte ihren Einsatz ausdrücklich. Sie habe bei diesem Titel den Taktstock übernommen, „weil sie es kann – und zwar richtig gut.“
Im Laufe des vergangenen Jahres habe sie ihre „neue Superkraft, das Dirigieren, erlernt, optimiert und gelernt, wie man sie kontrolliert und gezielt einsetzt. Wenn sie den Taktstock schwingt, dann nicht nur aus dem Bauch heraus, sondern mit der Kraft und Energie einer außerordentlichen Leistung und einem ganz besonderen Gespür für den geheimnisvollen Schwarzwald, der in diesem Stück ‚Silva Nigra‘ zum Klingen kommt“, zeigt sich Franke begeistert.
Nach ihrem Eintritt in die Stadtmusik mit 14 Jahren begann Luisa Rütsche zunächst mit der Blockflöte, bevor sie zur Querflöte wechselte. Mit 18 Jahren wurde sie festes Mitglied der Hauptkapelle und legte das silberne Leistungsabzeichen des Blasmusikverbandes mit einem sehr gutem Ergebnis ab. Den Weg zum Dirigat des Vororchesters fand sie zunächst über Aushilfstätigkeiten. Aufgrund ihrer überzeugenden Arbeit sprach sie der damalige Jugendkapellendirigent Tobias Heine vor etwas mehr als einem Jahr an, ob sie die Jugendkapelle übernehmen, den Nachwuchs weiter ausbilden und auf Konzerte sowie Vorspiele vorbereiten wolle. Sie sagte zu und leitet seither jede Woche die eineinhalbstündige Probe an.
Um gut auf die Leitung der Jugendkapelle vorbereitet zu sein, nahm sie an einem Jahreskurs an der Akademie des Blasmusikbundes in Staufen teil und opferte viel Freizeit. Ein Jahr lang traf sich die Gruppe immer wieder über mehrere Wochenenden, um das Dirigieren einer Musikgemeinschaft zu erlernen. Neben einer Theorieprüfung musste auch ein eigenes Stück vorbereitet werden, das bei der Abschlussprüfung von Fachleuten beurteilt wurde.
Breites Wissen gefragt
„Man muss als Dirigent schon etwas über die einzelnen Instrumente wissen, die in einer Kapelle mitspielen, und wie man sie gut in ein Stück einbringen kann. Man muss nicht jedes Instrument spielen können, aber das musikalische Verhalten kennen, damit sie – auch mit unterschiedlichen Betonungen – in das Stück integriert werden können“, erklärt die junge Dirigentin und lässt ihren ersten Einsatz mit dem Taktstock Revue passieren.
Exzellentes Ergebnis
Am 8. November 2025 hat sie die Prüfung mit 58 von 60 möglichen Wertungspunkten hervorragend bestanden. „Ich könnte mit meinen Kenntnissen auch eine andere Musikkapelle übernehmen, doch die Arbeit mit der Jugendkapelle reicht mir im Moment“, blickt die junge Dirigentin und Musikerin voraus. Für die Vorbereitung eines Konzerts müsse ein Dirigent die ausgewählten Stücke sehr gut kennen. Ein Dirigent müsse die Einsätze, Übergänge und das Zusammenspiel der Stimmen im Detail im Blick haben. „In der Partitur stehen zwar alle Instrumente, aber man muss sich im Vorfeld intensiv mit dem Stück befassen“, weiß Rütsche. Auch den eigenen Vortrag müsse man üben, damit klar ist, wohin man schaut und an welcher Stelle welche Instrumente ihren Einsatz haben. Ebenso müsse man wissen, wann Tempowechsel und Dynamik in einem Stück eine besondere Rolle spielen.
Schwieriges Kunsthandwerk
Neben dem Dirigieren hat Luisa auch die künstlerische Begabung sowie Feinfühligkeit einer Häsmalerin. Dieses nicht einfache Kunsthandwerk mit Farben, Stoffen und Leinen erfordert viel Geschicklichkeit und auch die notwendigen Fertigkeiten, ein historisches Gesamtkostüm zu bemalen. Diese Fähigkeiten hat Luisa Rütschle als eine der jungen Häsmalerinnen seit einigen Jahren immer weiter ausgebaut, so dass sie auch das Häs der Blumennarren und der Stadthansel bemalte. Auch hat sie die Fahne der Bräunlinger Stadtwehr auf Vorder- und Rückseite mit traditionellen Motiven bemalt. Auch in der Schule waren Kunst und die Malerei eine ihrer Lieblingsfächer.