Noch immer gibt es nicht für alle Kinder entsprechende Betreuungsplätze (Symbolfoto). Foto: Tim Nagengast

Mindestens elf Kommunen im Landkreis Lörrach erfüllen derzeit noch nicht den vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung.

In der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Landratsamt Lörrach beschäftigte ein weiteres wichtiges Thema die Stabsstelle der Fachberatung im Bereich der Kindertagesbetreuung. In diesem Bereich koordiniert die Stabsstelle des Landratsamtes die Fachberatung für 114 kommunale und freie, nicht kirchliche Kindertageseinrichtungen im Landkreis.

 

Der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung stellt die Stabsstelle vor enorme Herausforderungen. Der Mangel an Kitaplätzen insbesondere in den Ballungsräumen entlang des Rheins führt zu einem vermehrten Einfordern des Rechtsanspruchs der Eltern und einem deutlich erhöhten Bedarf an zeitlichen Ressourcen, die eigentlich dringend für die fachliche Ausgestaltung der fachlichen Weiterentwicklung benötigt werden.

Mehr Fachkräfte sollen gewonnen werden

Die Kommunen sind größtenteils dazu übergegangen, den Eltern der Kinder, die drei Jahre und älter sind, einen Platz in der Kindertagespflege anzubieten und die Kosten hierfür zu übernehmen. Dieses Platzangebot ist zwar nicht gesetzeskonform, wird von den Eltern aber meist angenommen, und so werden Klagen verhindert.

Der Auftrag des Gesetzgebers, genügend Betreuungsplätze für die Kinder über drei Jahren bereitzustellen, wurde von mindestens elf Kommunen nicht erfüllt. Hauptgründe seien der mangelnde Ausbau und der Mangel an Fachkräften, hieß es an der Ausschusssitzung. Vom Verwaltungsgericht Freiburg wurde nun eindringlich darauf aufmerksam gemacht, dass der Bedarfsplanung in den Kommunen eine gewichtige Rolle zu kommt, der Ausbau erfolgen muss und die Bemühungen in die Gewinnung von Fachkräften intensiviert werden müssen.

Fast alle beteiligten Stellen sind überlastet

Der Ausbau der Ausbildungsplätze und der Versuch, Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen, sind hier nur zwei wichtige Bausteine. Dieses Thema wird wohl alle Kommunen noch in den nächsten Jahren beschäftigen.

Ein weiteres Thema war die Überlastung der Kita- und Schulsysteme sowie der Eltern. Eine Anlaufstelle für die Beratung der Fachkräfte in den Einrichtungen sowie der überforderten Eltern ist der/die sogenannte Verfahrenslotse/in. Die Frage, an wen man sich bei Problemen mit der Zuständigkeit oder der manchmal überfordernden Bürokratie wenden muss, ist für viele ein großes Thema, bei welchem die Verfahrenslotsen als sogenannte Brückenbauer beratend helfen sollen.

Ein Ziel dabei soll sein, dass die Fragesteller schneller an ihren Leistungsanspruch kommen und nicht ewig im „System“ herumirren. Allerdings gäbe es immer noch lange Bearbeitungszeiten aufgrund des Fachkräftemangels.

Zudem seien die Zuständigkeiten oft unklar und das Herantreten an die Fachkräfte zu komplex. Auch für Kitas und Schulen wird es immer schwieriger, sich im Bürokratie-Dschungel zurecht zu finden, eine enge Kooperation mit sogenannten Präventionslotsen soll Abhilfe schaffen.

Allerdings benötige der Hilfeprozess viel Zeit, sagte die Lotsin Funda Yonca. Zudem bräuchte es vereinfachte Vorgaben vom Gesetzgeber.

CISV Lörrach wird als Träger anerkannt

Zuletzt ging es noch um die Anerkennung des Vereins CISV Lörrach als Träger der freien Jugendhilfe und der außerschulischen Jugendbildung.

Es handelt sich dabei um einen nicht religiösen, internationalen Verein, der Lager und Camps für Kinder und Jugendliche im In- und Ausland organisiert, in dem sich Jugendliche aus verschiedenen Nationen treffen und etwas gemeinsam erleben können. Über die Anerkennung des Vereins wurde dann im Jugendhilfeausschuss beraten.

Margarete Kurfeß von den Grünen äußerte im Hinblick auf die finanzielle Ausstattung und fehlende Mitarbeiter eher Bedenken, Jörg Mauch, Vorstand des Kreisjugendrings, konnte diese Bedenken zwar nachvollziehen, sprach sich aber trotzdem für die Anerkennung aus und betonte die Wichtigkeit für Jugendliche, internationale Erfahrungen in Gemeinschaft mit anderen zu machen.

Schlussendlich stimmten alle Mitglieder bis auf zwei Enthaltungen der Anerkennung des Vereins als Jugendhilfeträger zu.