Abenteuer erleben, Freundschaften schließen, Skifahren lernen – all das kann man auf dem Hebelhof Feldberg ab 1. November nicht mehr. Warum die Herberge nach 70 Jahren schließen muss.
So mancher in der Region wird dort schon einige Nächte verbracht haben und mit diesem Haus Erinnerungen an die eigene Kindheit oder Jugend verbinden. Denn unzählige Klassen haben dorthin ihre Fahrten unternommen, viele sind von weither angereist. Es ist die höchstgelegene Jugendherberge Deutschlands – der Hebelhof auf dem Feldberg. Und nun sind ihre Tage gezählt.
1907 als Hotel erbaut, wurde 1955 daraus die Jugendherberge, benannt nach dem alemannischen Dichter Johann Peter Hebel. Mit 267 Betten in 65 Zimmern gehörte die Jugendherberge Hebelhof über Jahrzehnte zu den größten Häusern der Region. Erst kürzlich feierte das Deutsche Jugendherbergswerk Landesverband Baden-Württemberg (DJH BW) dort das 70-jährige Bestehen der Jugendherberge und kündigte zugleich ihr Ende zum 31. Oktober an.
Renovierung wäre finanziell nicht stemmbar
Als Hauptgrund für die Schließung wird eine notwendig gewordene Renovierung genannt, die einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen würde. Doch es gibt noch mehrere Gründe, die hier zusammenspielen: „Ausschlaggebend für diese Entscheidung sind zahlreiche Herausforderungen, die einen nachhaltigen Betrieb an diesem speziellen Standort verhindern. Neben den Risiken durch den angespannten Arbeitsmarkt und die zunehmende Abhängigkeit von Schneesicherheit im Wintersporttourismus spielt auch die bauliche Situation durch Qualitäts- und Sicherheitsstandards sowie notwendige energetische Modernisierungen eine entscheidende Rolle“, heißt es in der Pressemitteilung des DJH BW.
„Unser Geschäftsmodell trägt die steigenden Investitions- und Finanzierungskosten nicht. Unser Anspruch ist es, Häuser für Kinder und Jugendliche gut zu betreiben – nicht, Renditen zu maximieren. Damit Jugendherbergen als besonderes Angebot für Kinder und Jugendliche bestehen bleiben, braucht es Förderung – etwa durch das Sondervermögen der Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur.“, wird Susanne Pacher, Vorsitzende des DJH BW, einer gemeinnützigen Organisation, in der Mitteilung zitiert.
Die Schließung ist alternativlos
Dass alle Möglichkeiten für den Erhalt des Hauses ausgeschöpft seien, betont Pressesprecherin Pia Bah auf Nachfrage unserer Redaktion: „Im Rahmen einer umfassenden Standort- und Risikoanalyse wurden auch relevante Fördermöglichkeiten geprüft. Allerdings zeigte sich, dass eine langfristig wirtschaftliche und nachhaltige Betreibung des Standorts nicht möglich gewesen wäre.“
Keine Schneesicherheit mehr = geringe Auslastung
„Am Feldberg haben Generationen von Schülern das Skifahren gelernt. Heute ist diese Schneesicherheit nicht mehr gegeben“, machte wiederum Pacher deutlich. Somit seien der Klimawandel und auch das geänderte Freizeitverhalten wichtige Faktoren.
Gerade auch deshalb ist die Auslastung der Jugendherberge enorm zurückgegangen: Bei einer Diskussionsrunde zur Zukunft des Tourismus im Hochschwarzwald während der Jubiläumsfeierlichkeiten wurde dieser Wandel deutlich. „Viele Schulklassen buchen den Feldberg nicht mehr, weil es kein verlässliches Schneeangebot gibt“, sagte dabei Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht. Dies zeigt sich auch an der verringerten Zahl der Übernachtungen im Hebelhof von rund jährlich 74 500 noch in den 70er-Jahren auf jetzt rund 26 800 Übernachtungen in 2024. Somit lag die Auslastung des Hauses vergangenes Jahr nur noch bei rund 32 Prozent.
Ein Wandel im Tourismus wird nötig fürs Überleben
Die Schließung des Hebelhofs solle zugleich ein Weckruf sein, Lösungen zu finden – ein Impuls, die Zukunft des Tourismus neu zu denken, heißt es in der Mitteilung des DJH BW. „Wir überleben nur, wenn wir uns wandeln. Der Begriff Tourismus greift eigentlich zu kurz – es geht um Freizeitverhalten, auch der Einheimischen“, wird Patrick Schreib, Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus, zitiert.
Was passiert mit dem markanten Gebäude?
Unklar ist noch, wie es mit dem markanten und geschichtsträchtigen Gebäude weitergeht.
„Zum Haus Feldberg gibt es verschiedene Interessenten, mit denen wir, in Abstimmung mit der Gemeinde Feldberg, in Verhandlung stehen. Details hierzu können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht veröffentlichen“, informiert Pressesprecherin Pia Bah.
Dem Hochschwarzwald bliebe der DJH BW jedoch verbunden, betont dieser. Investitionen und Standortenwicklungen sollen sich künftig verstärkt auf die anderen Jugendherbergen der Region konzentrieren: Zwei Häuser finden sich am Schluchsee, eines am Tititsee sowie je ein Haus in Todtnauberg, Freiburg und Menzenschwand.