Die Jugendlichen verteilten sich an drei unterschiedlichen Tischen und stellten den Kandidaten Fragen. Foto: Elena Baur

Rund 130 Jugendliche löcherten die Landtagskandidaten für den Kreis Rottweil mit Fragen zu Themen wie Klimawandel, Migration und ÖPNV. Eine Partei geriet vermehrt in Wortgefechte.

Mehr als 130 Jugendliche fanden am Mittwochnachmittag den Weg in den Kapuziner. Der Grund: Die Schüler konnten sich über die anstehenden Landtagswahlen informieren und vor allem mit den Landtagskandidaten für den Kreis Rottweil über die für Jugendliche wichtigen Themen diskutieren – und das wurde auch kräftig getan.

 

Für die Grünen war Artur Eichin zu Gast, für die CDU Stefan Teufel, für die SPD Ali Zarabi, für die FDP Daniel Karrais, für die AfD Klaus Fuchs, stellvertretend für Landtagskandidat Emil Sänze, für die Linke Daniel Hettich und für das BSW Karl-Heinz Eith. Nach der Kandidatenvorstellung mit zweiminütigen Videos, in der die Politiker sich und ihre wichtigsten Punkte zum Thema Bildung, Mobilität und öffentlicher Nahverkehr, sowie konkrete Maßnahmen zur Vertretung der jugendlichen Interessen vorstellten, und einem Info-Video zum Ablauf einer Landtagswahl, ging es an den Hauptteil der Veranstaltung.

Schüler fragen kritisch nach

Die Kreisarbeitsgemeinschaft der Jugendreferate (KAG) hatte sich dabei das Konzept von wechselnden Diskussionstischen überlegt. Per Los wurde entschieden, welche Politiker an welchem der drei Tischen sich den Fragen der Schülern stellen sollte.

Per Los wurde entschieden welche Parteien in welcher Runde diskutieren. Foto: Elena Baur

Gleich zu Beginn sammelten sich viele Interessierte am Tisch, der wohl die kontroversesten Meinungen im Raum hatte: AfD und Linke. In den anderen Gruppen trafen sich BSW und FDP sowie CDU, SPD und Grüne. Die Schüler löcherten in den drei Runden à 20 Minuten die Kandidaten mit den unterschiedlichsten Fragen.

AfD muss sich vielen Fragen stellen

Häufig wurde das Thema Führerschein angesprochen, der zunehmend teuerer wird. Der öffentliche Nahverkehr war ebenfalls ein Dauerthema an den Tischen. Sogar „Stuttgart 21“ blieb nicht verschont und wurde von einem Schüler kritisch hinterfragt. Auch der Klimawandel, die Migration, das Rentensystem und die Bildung wurde angesprochen.

Besonders die AfD musste sich einigen kritischen Fragen stellen. Klaus Fuchs, der den AfD-Kandidaten Emil Sänze wegen einer Landtagssitzung vertrat, wurde beispielsweise gefragt, warum die AfD kein eigenes Video für die Schüler gemacht hatte, so wie alle anderen sechs Parteien, sondern nur das Wahlvideo gezeigt wurde, oder die kritische Nachfrage, ob bei der AfD tatsächlich jeder gleiche Chancen hätte, auch beispielsweise Frauen mit Kopftuch.

Betreuerin greift ein

Auf letzteres antwortete Fuchs, dass ein Kopftuch bereits eine Perspektive und Haltung ausdrücke. Daraufhin griff Daniela Merz vom Kinder- und Jugendreferat und Betreuerin des Tisches ein und merkte an, dass es in Deutschland eine Religionsfreiheit gibt.

Bei den Debatten mit der AfD sammelten sich viele Zuhörer. Foto: Elena Baur

Auch in der nächsten Diskussionsrunde flogen zwischen dem AfDler und SPD-Kandidat Ali Zarabi die Fetzen. Stolz solle man nicht auf etwas sein, das nicht beeinflussbar sei, wie etwa der Geburtsort, sondern auf das, was man geleistet hat.

Plenumsrunde zum Abschluss

Auch beim Thema Klimawandel hätten die Meinungen der Parteien nicht unterschiedlicher sein können. Während sich der Kandidat der FDP und der SPD für den Klimaschutz aussprachen, hinterfragte AfD-Vertreter Fuchs die gesamte Diskussion mit der Aussage: Er glaube nicht, dass der Mensch und das CO₂ einen Einfluss auf den Klimawandel hätten.

Über 130 Jugendliche versammelten sich im Kapuziner zum Jugendforum. Foto: Elena Baur

Nach der dritten Runde trafen sich alle Schüler zu einer Plenumsrunde, bei der die Kandidaten drei Sätze vervollständigten und so ihre Thesen auf den Punkt bringen mussten.

Zum Abschluss gab es Pizza und die Möglichkeit mit den Politikern außerhalb der Diskussionsrunde ins Gespräch zu kommen.

Auswahl der Kandidaten

Einladungen
Die Auswahl der Kandidaten trafen die Organisatoren anhand einer Umfrage im Oktober 2025 während der Planungsphase des Projekts. Dabei wurden die Kandidaten jener Parteien ausgewählt, die laut der Umfragen bei den Wahlen über drei Prozent erreichen würden.

Regeln
Bei der gesamten Veranstaltung galt die Regel, dass keine menschenrechtsverachtenden Aussagen, Beleidigungen, Diskriminierungen, Provokationen oder Verharmlosungen ausgesprochen werden dürfen. An den Tischen gab es Aufsichtspersonen, die im Zweifelsfall eingriffen.