Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg bündelt in der digitalen Jugendberufsagentur ihre Kräfte, um die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.
Eine verstärkte Zusammenarbeit zum Wohl der Jugendlichen haben sich die drei Landkreise in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg auf die Fahnen geschrieben und die Jugendberufsagentur als digitale Plattform ins Leben gerufen.
Ziel ist es, zum einen jungen Leuten bei den Hürden vom Übergang zwischen Schule und Ausbildung zur Seite zu stehen und zum anderen junge Menschen, die erwerbslos sind, auf dem Weg in die Arbeitswelt zu begleiten – gezielt abgestimmt auf jeden, der Rat sucht oder mit verschiedensten Problemen konfrontiert ist.
Die Region stehe vor der Herausforderung hoher Jugendarbeitslosigkeit, betont Sylvia Scholz, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rottweil – Villingen-Schwenningen. Aktuell gebe es 1600 Arbeitslose unter 25 Jahren, dies sei eine Steigerung um 83 Prozent innerhalb von vier Jahren, nannte sie Zahlen. Und rund zwei Drittel dieser jungen Erwachsenen habe keinen Berufsabschluss und damit schlechte Chancen, überhaupt dauerhaft eine Stelle zu finden.
„Hinter jeder Zahl steht aber auch eine individuelle Persönlichkeit, welche eine für sie zugeschnittene Lösung benötigt“, stellte Sylvia Scholz fest. Da gehe es oft um weit mehr als um Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz, sondern auch im Unterstützung bei schulischen, sozialen, gesundheitlichen, finanziellen oder familiären Problemen.
So haben sich die drei Landkreise zusammengeschlossen, um über die virtuelle Jugendberufsagentur die Arbeit aller Netzwerkpartner zu koordinieren und die Jugendlichen in ihrer persönlichen Lebenslage abzuholen. Die Basis bildet der Internetauftritt, über den alle drei Partner vernetzt sind. Dieser eröffne den Zugang zu einem Expertennetzwerk von Jobcenter, Jugendhilfe und Agentur für Arbeit, aber auch zu weiteren Partnern wie dem Schulamt, Beruflichen Schulen oder Schulsozialarbeit.
Individuelle Beratung
Sowohl die Jugendlichen selbst, als auch Eltern oder Lehrkräfte könnten sich unter www.juba-sbh melden. Ein eng abgesteckter Kreis an Fach- und Beratungskräften, der Diskretion garantiere, nehme Kontakt auf und leite in Absprache mit den Ratsuchenden ersten Schritte ein, schilderte Sylvia Scholz das Modell. In Fallkonferenzen gelte es, mit jedem Ratsuchenden seinen Weg ins Berufsleben zu erarbeiten, bei Bedarf auch Hilfestellung durch Einrichtungen wie Schuldner- oder die Drogenberatung aufzuzeigen.
Die Jugendberufsagentur sei für den Schwarzwald-Baar-Kreis seit Jahren ein wichtiger Baustein, um junge Menschen zu fördern, betonte Landrat Sven Hinterseh. Der Zusammenschluss der drei Landkreise sei jetzt nur konsequent angesichts der ohnehin engen Verzahnung in der Region und schaffe zusätzliche Chancen für Jugendliche.
Plattform gibt Orientierung
Der Leitgedanke „Kein Jugendlicher soll verloren gehen“ präge die Anstrengungen im Kreis Tuttlingen, schon 2016 hätten sich die Agentur für Arbeit, das Kommunale Jobcenter Tuttlingen und das Sozialdezernat zusammengetan, um Menschen unter 27 Jahren zu begleiten und zu fördern, erklärte Landrat Stefan Bär. Die Homepage mache die Unterstützungsmöglichkeiten sichtbarer und leichter zugänglich, verschaffe Orientierung und nenne Ansprechpartner. Dies sei ein entscheidender Beitrag, um Hemmschwellen abzubauen und früh Hilfe anzubieten.
„Die berufliche und soziale Integration junger Menschen ist eine gemeinsame Aufgabe, und sie gewinnt angesichts der aktuellen Entwicklungen am Arbeitsmarkt weiter an Bedeutung“, unterstrich Angela Jetter, Leiterin des Dezernats Soziales, Jugend, Versorgung im Kreis Rottweil. Ein verlässliches Netzwerk mit Beratung aus einer Hand entstehe. Dies bringe für die Jugendlichen kürzere Wege, klare Ansprechpartner und passgenaue Unterstützung mit sich.
Reibungsverluste reduziert
Die Jugendberufsagentur bündele die Kompetenzen von Arbeitsagentur, Jobcenter und Jugendhilfe und reduziere so Reibungsverluste, die durch Zuständigkeitsgrenzen entstanden seien, nannte Thorsten Reutter, Geschäftsführer des Jobcenters Schwarzwald-Baar-Kreis, die Vorteile. Sie steigere nicht nur die Effizienz, sondern erhöhe auch die Wirksamkeit für die jungen Menschen selbst. Denn die müssten heute komplexe Entscheidungen treffen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage müsse es die Anstrengung aller sein, den Nachwuchs beruflich zu qualifizieren. Seien junge Leute ohne Ausbildung doch die ersten, die in die Arbeitslosigkeit rutschen.
Die Kooperation gewährleiste eine hohe Durchlässigkeit in der ganzen Region, so dass eine Beratung nicht mehr bei Null anfangen muss, führte Joachim Schwarzfischer, Geschäftsführer des Kommunalen Jobcenters im Landkreis Tuttlingen, einen weiteren Pluspunkt an. Und die Darstellung auf der Homepage verdeutliche Jugendlichen auf den ersten Blick, mit welchen Anfragen sie auf die Jugendberufsagentur zukommen könnten.
Mehrwert für alle Beteiligten
Ein deutlicher Mehrwert für alle Beteiligten also, zeigte sich Thomas Dautel, Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Rottweil, von der Plattform überzeugt. Eine abgestimmte Beratung und Begleitung wie aus einer Hand sei sinnvoll.
Es sei der richtige Ansatz, um die Fachkräfteversorgung in der Region sicherzustellen, die sozialen Folgekosten zu senken und die Chancengleichheit zu fördern – und die wohl erste kreisübergreifende Plattform dieser Art, brachte Sylvia Scholz ihre Überzeugung auf den Punkt.