Die offene Jugendarbeit der Stadt und die Arbeit der Schulsozialarbeiterinnen für das ablaufende Jahr standen auf der Tagesordnung des Verwaltungsausschusses. Der Bedarf wächst, begonnen hat alles vor 16 Jahren mit einer Stelle.
Im Verwaltungsausschuss präsentierte sich der Kundenbereich Jugend unter der Leitung von Jessica Gälle als ein eingespieltes Team, das sich im Bereich der Jugend- und Schulsozialarbeit als fachkundiges Ansprechzentrum für die unterschiedlichsten Bedarfe und Anforderungen erweist.
Das Team zählt mit der seit September tätigen Jugendhausleiterin Isabel Eckstein und den Schulsozialarbeiterinnen Ramon Baumann (Ostbaarschule), Astrid Gauggel (Realschule am Salinensee) und neu Romy Blumstengl (Grund- und Werkrealschule) insgesamt fünf Mitarbeiterinnen.
Besondere Leistung
Die Jahresberichte der Schulsozialarbeit und im Bereich Jugend beschrieb Bürgermeister Jonathan Berggötz mit den Worten: „Was wir in Bad Dürrheim im Bereich Jugend haben, ist etwas Besonderes, das nicht jede Stadt besitzt.“ Wolfgang Kaiser (LBU) sprach von einer besonderen Leistung.
Bereichsleiterin Jessica Gälle ging in ihrem Bericht auf die anhaltende Beliebtheit der Angebote der Stadtjugendpflege ein, die sich von der aktiver Jugendbeteiligung über die Kooperation mit den Schulen, der Pro-Kids-Stiftung oder Generationen übergreifend bis hin zu Netzwerktreffen mit ähnlichen Einrichtungen im Kreis erstreckte.
Die Gründung einer Projektgruppe, deren Engagement zur Realisierung eines Dirt-Bike-Kurs innerhalb einer 72-Stunden-Aktion führte oder Veranstaltungen wie das Erstwählerforum, welches das Verständnis für die Kommunalpolitik und somit die Demokratie stärkte, zählen ebenso dazu. Die Anmeldezahlen bestätigten die Beliebtheit der Ferienprogramme.
Verstärkte Vermietung
Gälle hob zudem das Jugendhaus hervor, das von Extern verstärkt für Vermietungen angefragt wird. Mit Blick in die Zukunft rückte sie die Einrichtung eines Kinder- und Jugendbüros, ein dauerhaft etabliertes Konzept der Jugendbeteiligung in der Stadt oder die Einrichtung einer Infostation zur Präventionsarbeit im Fokus.
Prävention hinsichtlich Drogen, dem Umgang mit Suchterkrankungen im Umfeld, Schwangerschaft, Elterninfo oder den Umgang mit Cannabis nahmen auch die Schulsozialarbeiterinnen als Stichwort auf. Sie berichteten von einem kontinuierlich steigenden Beratungsbedarf, der sich für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte in den unterschiedlichsten Themen ausdrückt.
Vernetzung wichtig
Sie dokumentierten als eine Kernaufgabe in ihrem Tätigkeitsbereich besonders die Vernetzung im Sozialraum, der Austausch mit Lehrkräften, Präventionsangebote, ein ausgearbeitetes Konfliktmanagement gegen die zunehmende Gewaltbereitschaft und spezifische Beratungen. Über Fortbildungen bleibe hier das Wissen auf dem aktuellen Stand.
Eine weitere Herausforderung liegt in der Zunahme der psychischen Erkrankungen, denen mangels Fachkräftemangel mit Therapieangeboten nur schwer beizukommen ist. Die Digitalisierung leistet zudem dem Bewegungsmangel Vorschub.
Demokratie verstehen
In Bezug auf den Kundenbereich Jugend regte Wolfgang Kaiser (LBU) in Anbetracht der bevorstehenden Wahlen an, das Demokratieverständnis der bereits in einem Alter ab 16 Jahren wahlberechtigten Jugend in lockerer Atmosphäre zu wecken.
Julian Götz (CDU) stimmte ihm zu, plädierte indes für mehr Spontaneität. „Ungezwungen und ohne fixen Termin und Programm auf die Jugendlichen zuzugehen, wäre bezüglich lebendiger Politik eventuell die bessere Lösung.“
Kostendeckung gefordert
Barbara Fink (CDU) appellierte an eine kostendeckende Gebühr für den Fall externer Vermietungen des Jugendhauses. Auch hielt sie es für angemessen, die im Vergleich zu anderen Städten niedrige Tagespauschale für eine Teilnahme an den Ferienprogrammen mittelfristig moderat anzupassen. Klaus Götz (FW) bezeichnete die geleistete Präventionsarbeit der Schulsozialarbeiterinnen als unverzichtbar. Was vor 16 Jahren mit Sozialarbeiterin Astrid Gauggel begann, habe sich nun verdreifacht, fügte er in Bezug auf den aktuellen Bedarf hinzu.
„Wir kennen in unseren Schulen praktisch alle Kinder, weil sie mit den unterschiedlichsten Bedarfen an uns herantreten“, erläuterte Gauggel, weshalb es schwierig ist, prozentual die Schüleranzahl mit dringendem Beratungsbedarf zu ermitteln.
Can Zileli (SPD) schlug vor, mit der Beratung bereits in den Kindergärten zu beginnen. „Das wäre durchaus sinnvoll, sprengt jedoch personell den Rahmen“, verwies Gauggel auf fehlende Kapazitäten. Zudem bezweifelte sie, dass aufgrund des strengeren Datenschutzes diesbezüglich eine Möglichkeit besteht.