Auch das Publikum durfte sich zu den diskutierten Themen zu Wort melden. Foto: Göpfert

Was erwarten die Jugendlichen von der Politik? Diese Frage versuchten Schüler und Ettenheimer Lokalpolitiker bei einer Podiumsdiskussion zu beantworten. Gut hundert Besucher kamen dazu ins Rockcafé Altdorf.

Die Jugendlichen waren im Rockcafé die Mehrheit. Doch auch Vertreter aller anderen Altersstufen interessierten sich dafür, was die Jugend von der Politik erwarten. Eingeladen zu der Podiumsdiskussion unter dem Motto „Jugend ohne Politik? Politik ohne Jugend?“ hatte das Bündnis Demokratie in Ettenheim. Teilnehmer waren Schüler der St.-Landolin-Schule, des Städtischen Gymnasiums und des August-Ruf-Bildungszentrums sowie Lokalpolitiker der Parteien SPD, CDU, FWV, FLE und Grüne.

 

Nach der Begrüßung von Daniel Henninger vom Bündnis Demokratie und einer kurzen Einstimmung von Christian de Both, Gemeinschaftskundelehrer beim Scheffel-Gymnasium Lahr ging es los. In Teams diskutierten Schüler und Lokalpolitiker auf der Bühne zu verschiedenen Themen. Dann durfte das Publikum Fragen stellen oder Statements abgeben. Die Moderation übernahm Heinz Siebold, Journalist aus Lahr.

Gut hundert Besucher kamen ins Rockcafé Altdorf, um zum Thema Jugend und Politik zu diskutieren. Foto: Göpfert

„Warum wirken Politiker auf Jugendliche so unnahbar?“: Warum interessieren sich so wenig Jugendliche für Politik: Dazu diskutierten SPD-Gemeinderat Andreas Kremer und der Neuntklässler Jascha Alt vom BIZ. „Sie sind nur auf meine Stimme aus, drücken sich nicht klar aus und sprechen Jugendliche nicht an“, stellte Jascha als These in den Raum. Kremer konterte: Er habe gelernt, dass man alle Bundestagskandidaten ansprechen könnte. Sie würden zumindest das Thema mitnehmen. Kremer gab jedoch zu, dass es gerade am Anfang, wenn man mit den Prozessen der Demokratie noch nicht vertraut sei, schwer zu wissen sei, an wen man sich mit welchen Anliegen wenden könnte.

Die Nahbarkeit von Politikern war das Thema von Andreas Kremer und Jascha Alt. Foto: Göpfert

Die aktuelle Inflation entmutige auch die Jugendlichen, erklärte Jascha. Man habe das Gefühl, mit seiner einen Stimme dagegen zu wenig bewirken zu können. Dass gerade aktuell die ältere Generation zahlenmäßig um ein Vielfaches größer sei als die Jugend, sei ein Problem, gab auch ein Erwachsener aus dem Publikum zu. Aber, so machte Siebold Mut: „Oft machten bereits wenige Stimmen den Unterschied.

„Wie kann man bei Jugendlichen das Interesse an der Politik wecken?“: Marion Fleig, Gemeinderatsmitglied der FLE, und Maciej Zielazinski, Neuntklässler am BIZ, diskutierten darüber, wie man das Interesse der Jugendlichen an der Demokratie und für die Politik wecken könnte. „Wir können Vorschläge machen, die in die Tat umgesetzt werden und die auch den Erwachsenen weiterhelfen könnten, die nicht die Idee hatten“, betonte Maciej. Fleig stimmte zu. Sie brachte die Umsetzung der Skateranlage „Auf den Espen“ in Ettenheim als positives Beispiel dafür, was herauskommen könne, wenn Kinder und Jugendliche aktiv werden. Wie sie gerade zeige, seien Kommunalpolitiker ganz normale Menschen, man könne sie ansprechen. Dasselbe gelte für Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Aber, so kritisierte Maciej: „Die Themen sind zu hoch“, erklärte er. Die Politiker sollten die Jugendlichen auf ihrer Ebene ansprechen, auf Themen, die sie auch betreffen, stimmte Fleig zu.

Moderator Heinz Siebold (links) befragte Marion Fleig und Maciej Zielazinski , wie man Jugendliche für Politik interessieren könnte. Foto: Göpfert

„Gebt mehr Acht auf die Jugendlichen, gebt ihnen Mut für Wahlen und dass sie Ideen reinbringen können“, appellierte Maciej. Aus dem Publikum wurde an die Jugendlichen appelliert, Mut zu zeigen: „Die Themen werden gesetzt, wenn ihr es nicht tut, macht es jemand anders und es kommt vielleicht zu anderen Lösungen als ihr es wolltet.“ Sich zu engagieren, sei „brutal anstrengend, aber es lohne sich: „Entweder bleibt es bei jemandem hängen, der was zu sagen hat, oder ihr werdet selbst zu so jemandem“, so der Appell eine Zuhörers. „Habt Mut was zu sagen, auch wenn ihr vielleicht was auf den Deckel kriegt.“ Ein Jugendlicher erklärte, er finde Projekte wie den Skaterpark, bei denen er selbst mitanpacken könnte, cool. Daran könne man sehen, was man bewirken könne.

„Warum ist die AfD so attraktiv?“: Vielleicht sei man als Jugendlicher leichter beeinflussbar, mutmaßte Leo Sunder-Plasmann, Schüler des Städtischen Gymnasiums, zum Erfolg der AfD bei Jugendlichen. Er plädierte für Gemeinschaftskundeunterricht ab der fünften Klasse. Dem stimmte sein Gesprächspartner, der CDU-Mitglied Mark Heymann zu. Er sei sogar für die Einführung eines Fachs „generelles Privatleben“, in dem man etwa lerne, wie man eine Haftpflichtversicherung oder einen Mietvertrag abschließe oder einen Führerschein mache. „Warum? Weil es die Unsicherheit in vielen Lebensbereichen wegnimmt. Und wir haben schon genügend Krisen“, so Heymann. Aufklärung könne dabei helfen, Grundzusammenhänge zu verstehen. Er glaube auch gar nicht einmal, dass die Jugend sich tatsächlich die AfD wünsche, erklärte Heymann mit Verweis auf die Europawahl, wo die Jugend vor allem kleinere Parteien gewählt hatte. Sie wünschten sich nur eine Alternative zu den etablierten Parteien, die ihr Profil verloren hätten. Es sei die Aufgabe der Parteien, ihr Profil wieder zu schärfen und den Wählern mehr Optionen zu geben.

Leo Sunder-Plasmann (links) und Mark Heymann diskutierten über den Erfolg der AfD. Foto: Göpfert

Das Thema AfD schien auch das zu sein, das die jüngeren Zuhörer am meisten bewegte. Auch Kinder, die jünger als Jugendliche waren, meldeten sich zu Wort. „Auf den sozialen Medien sieht man nur die, kennt nur die“, meinte ein Junge. „Auf Tiktok, Youtube und Instagram sieht man ,wie 16- bis 20-jährige Männer kleinen Kindern beibringen, was richtig ist, was für eine Meinung sie haben müssen. Das ist böse“, erklärte ein Mädchen. Aber: Der AfD gelinge es die Jugendlichen auf ihren Plattformen anzusprechen. „Viele Jugendliche sind nicht reflektiert. Und die AfD bietet ihnen einfache Antworten auf komplexe Fragen“, erklärte eine Jugendliche deutlich. Die Parteien müssten mehr Arbeit in die sozialen Medien investieren, stimmte Heymann zu. Die AfD arbeite mit Marketingsupportern – und habe damit offensichtlich großen Erfolg. „Und wir Erwachsenen haben die Verantwortung, die Jugendlichen medienkritisch zu erziehen“, warf noch eine Zuhörerin ein.

„Wie läuft es in Ettenheim?“: Warum es sich lohnt, sich politisch zu engagieren, erläuterte Carina Kratt. Sie sei damals vor fünf Jahren als bis dahin jüngste FWV-Stadträtin mit 19 Jahren in den Ettenheimer Gemeinderat gewählt worden. Habe sie Gegenwind bekommen? Natürlich! Aber es habe sich gelohnt, so Kratt. Der Ettenheimer Rat sei jünger und weiblicher geworden und die Themen von Jüngeren würden eingebracht.

Carina Kratt (links), Lukas Kopp und Hannah Kurz erklärten, warum sich eine Kandidatur für den Gemeinderat lohnt. Foto: Göpfert

Hannah Kurz unterbot Kratts Rekord sogar noch: Mit 16 Jahren wurde St.-Landolin-Schülerin bei den Kommunalwahlen für die SPD in den Ettenheimer Rat gewählt – und: „Ich bereue es nicht“, erklärte sie. Lukas Kopp hatte es für die Grünen zwar nicht in den Rat geschafft, berichtete aber, dass alleine der Wahlkampf für ihn bereichernd war. „Am Wahlstand habe ich so viele Meinungen und Standpunkte kennengelernt“, schilderte er. Mit diesem hoffnungsvollen Ausblick endete die Veranstaltung.

Termine

Eine Demonstration gegen Hass und Hetze
 gibt es am Samstag, 15. Februar, ab 15 Uhr vor dem Kenzinger Rathaus.

Das Bündnis Demokratie Ettenheim trifft sich am Dienstag, 18. Februar, ab 19 Uhr im Altdorfer Rathaus. Alle sind eingeladen.

Eine Demonstration gegen den Rechtsruck
 ist für Samstag, 22. Februar, von 10 bis 12.30 Uhr auf dem Lahrer Rathausplatz geplant.