Spannung vor dem Anpfiff: Jugendliche, Team (links Kerstin Reinhardt, stehend in blau: Gözde Sandikli) und Bürgermeister erleben gemeinsam einen FIFA-Abend, der mehr war als nur ein Spiel. Foto: Aylin Kaya

Oliver Valha hat beim Gaming-Abend im Jugendhaus in Altensteig ein glückliches Händchen – und nimmt viele neue Ideen mit.

Im Jugendhaus Eigen-Sinn klickten die Controller und FIFA-Duelle liefen über den Bildschirm. Bürgermeister Oliver Valha saß mitten unter den Jugendlichen – aufmerksam, zugewandt und nah, mit überraschend starken Spielzügen.

 

Das Jugendzentrum ist seit mehr als drei Jahrzehnten ein offener Treffpunkt für junge Menschen. Neben verschiedenen festen Angeboten und Programmen bietet es Kids und Teens werktags von 15 bis 20 Uhr die Möglichkeit, flexibel und vielfältig ihre Freizeit dort zu verbringen.

Hausleiterin Kerstin Reinhardt und ihre Kollegin Gözde Sandikli, beide staatlich anerkannte Jugend- und Heimerzieherinnen, prägen diese Atmosphäre mit Herz und Haltung. „Hier entstehen Vertrauen und wichtige Beziehungen, jeder wird wertgeschätzt“, erklärte Gözde.

Im Spielmodus Foto: Aylin Kaya

Jugendliche fühlen sich ernst genommen

An diesem Abend kamen die Jugendlichen jedoch nicht nur, weil das Haus geöffnet war, sondern weil sich ihr Bürgermeister angekündigt hatte. Anlass war ein einfacher Instagram-Post: Das Jugendhaus hatte einen FIFA-Abend angekündigt, worauf Oliver Valha spontan schrieb, er würde gerne mitspielen. „Uns war sofort klar, dass wir den Abend bewusst locker halten wollen“, erzählte Kerstin. „Kein Turnier, kein Druck. Einfach Begegnung.“

Im Laufe des Abends nutzten etwa Ari Karim und Ahmed Alfaraj die Gelegenheit, Themen anzusprechen, die sie in ihrem Alltag beschäftigen. „Es bedeutet uns wirklich viel, dass sich Herr Valha die Zeit für unser Mindset nimmt“, sagten die beiden. „Man fühlt sich ernst genommen von jemandem mit so viel Verantwortung.“

Was der Jugend fehlt

Zur Sprache kamen Treffpunkte, die verschwunden sind: die beliebten Bänke hinter dem Rathaus, die nach Beschwerden über Lärm und Müll entfernt wurden, sowie die Sitzgelegenheiten hinter der Musikschule, die derzeit saniert wird. Für Erwachsene mag das nebensächlich wirken, für Jugendliche jedoch ist es ein echter Verlust von Lebensraum. Entsprechend klar war ihre Frage: Kommen solche Plätze wieder?

Auch ein weiterer Wunsch fand Raum: eine „24/7-Lounge“ für ältere Jugendliche. Ari und Ahmed erzählten, wie sie in der Kirchstraße ein leerstehendes Gebäude nutzten, bis die Polizei sie darauf hinwies, dass es städtisch ist und eine Genehmigung erfordert. „Wir wollen einen eigenen, geschützten Ort und sind bereit für Haftung und Verpflichtung“, betonten sie.

Ganz nah dran: Bürgermeister Oliver Valha verbringt den Abend auf Augenhöhe mit den Jugendlichen des offenen Treffs. Foto: Aylin Kaya

Ideen, die hängen bleiben

Und dann kam ein Gedanke, der die Zukunft der Stadt berührt: ein Calisthenics-Park für Altensteig. Viele Städte entwickeln solche offenen Outdoor-Fitnessbereiche – die Jugendlichen wünschen sich, dass Altensteig dazugehört.

Valha hörte aufmerksam und interessiert zu. Manches ordnete er direkt ein, andere Anliegen notierte er, um sie prüfen zu lassen.

Jugend stärker einbinden

Im Gespräch mit unserer Redaktion betonte Valha, wie wichtig ihm dieser Termin war. Die Idee sei entstanden aus dem Wunsch, Jugendliche wirklich zu erreichen – dort, wo sie sind. „Jugend ist nicht nur unsere Zukunft, sie ist Teil unserer Gegenwart. Deshalb müssen wir sie stärker einbinden“, sagte er. Für das kommende Jahr kündigte er weitere Schritte an.

Zwischen all diesen Gesprächen blieb genug Leichtigkeit. Valha erwies sich als erstaunlich treffsicherer FIFA-Spieler, der mit einem ehrlichen Lächeln Gegner um Gegner schlug und sichtbar Freude hatte. Für die Jugendlichen war der Abend ein kleines Ereignis.

Das Jugendhaus

Die offene Jugendarbeit
hat in Altensteig eine mehr als 30-jährige Tradition. Seit 2015 befindet sich das Jugendhaus im heutigen Gebäude. Der Träger Akademie Eigen-Sinn übernimmt die fachliche Verantwortung und baut seitdem gemeinsam mit der Stadt Altensteig auf professionelle Strukturen, enge Sozialarbeit und ein niedrigschwelliges Angebot.

Zum Angebot gehören der offene Treff (Montag bis Freitag, 15 bis 20 Uhr), Nachmittagsbetreuung ab Klasse 6, eine Grundschul-AG, Ferienbetreuungen für Grundschüler, Kreativangebote und Aktionen in der Stadt, Sprachkurse sowie gemeinsame Projekte mit Schulsozialarbeit und Schulen.