Nachwuchswissenschaftlerin Luise Mast, mehrfache Siegerin beim Wettbewerb "Jugend forscht", mit Bürgermeister Dieter Bischoff (links) und Ortsvorsteher Adolf Gärtner. Foto: Stadler

Sie wurde mit ihrem Mikroplastikfilter erste Regionalsiegerin, erste Landessiegerin und gehört zu den Bundessiegern des diesjährigen Wettbewerbs "Jugend forscht".

Pfalzgrafenweiler-Bösingen - Die 19-Jährige blickt auf einen raketenartigen Erfolg bei ihrer Teilnahme am Wettbewerb "Jugend forscht" zurück. Im vergangenen Jahr machte Luise Florentine Mast am Christophorus-Gymnasium in Altensteig ihr Abitur, inzwischen befindet sie sich im zweiten Ausbildungsjahr als Chemielaborantin. Seit diesem Frühjahr eilt sie mit ihrem Projekt "Mikroplastikfilter für Waschmaschinen" erfolgreich von Wettbewerb zu Wettbewerb.

Kronprinzessin Viktoria und Kanzler Scholz haben schon gratuliert

Zuletzt wurde sie im Fachgebiet Arbeitswelt zweite Bundessiegerin und qualifizierte sich damit weiter für den "Junior Water Prize" Ende August in Stockholm. Sie vertrat dabei Deutschland und begegnete auch der schwedischen Kronprinzessin Viktoria, die die Schirmherrschaft übernommen hatte.

Eine weitere Ehre wurde der jungen Nachwuchswissenschaftlerin in der vergangenen Woche zuteil. Sie wurde zusammen mit den weiteren Bundessiegern beim Wettbewerb "Jugend forscht" von Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin empfangen.

Dass im Kreis Freudenstadt über die Erfolgsgeschichte und die Erfindung namens "MiPlaFi 2.0" bisher wenig bekannt ist, liege sicherlich daran, dass Luise Florentine Mast für das Jugendforschungszentrum Schwarzwald-Schönbuch in Nagold angetreten war, erklärte Ortsvorsteher Adolf Gärtner bei der Ehrung der jungen Tüftlerin in der Sitzung des Bösinger Ortschaftsrats. Umso mehr freute er sich, dass die von Hauptamtsleiter Marco Kaupp als "Star des Abends" bezeichnete Jungforscherin nicht nur die Zukunft mitgestalte und dabei geniales Gedankengut entwickle, sondern ihre Wettbewerbsstory samt Erfindung nun auch in Bösingen vorstellte.

Waschmaschine erkennt den gefüllten Filter

"Mit gutem Gewissen Wäsche waschen" überschreibt Luise Mast den als "MiPlaFi" bezeichneten und von ihr entwickelten Mikroplastikfilter. Sie erklärte dem Gremium und den Zuhörern im Rathaus, dass sich beim Waschen in der Waschmaschine Mikroplastik aus der Bekleidung löst und über den Weg des Wassers in die Nahrung gelangt. Aus diesem Grund hat sie einen Filter entwickelt und im Laufe der vergangenen Jahre, seit sie an dem Projekt forscht, weiterentwickelt, der sich direkt in Waschmaschinen integrieren lässt.

Mittlerweile ist ihr Filter in seiner Entwicklung so weit fortgeschritten, dass er auf unkompliziertem Weg direkt hinter das Flusensieb von Waschmaschinen geschraubt werden kann. Die Waschmaschine erkennt den gefüllten Filter und fordert per Signal zum Entleeren auf – und das gänzlich ohne Werkzeug. Entsorgt wird das im Filter angesammelte Mikroplastik im Restmüll.

Luise Mast verwies auf eine 99-prozentige Filterfunktion. Dadurch, so ihr Fazit, werde der Wasserkreislauf nachhaltig entlastet. Außerdem würden beispielsweise in Frankreich ab 2025 nur noch Maschinen mit Filter zugelassen. Bei ihrem Projekt wird die taffe junge Frau von Heinz Weipper vom Forschungszentrum Nagold unterstützt und betreut sowie von der Firma Boysen gesponsert.

Ihre nächste Station ist die Auszeichnung beim Bundesumweltwettbewerb im Klimahaus Bremerhaven. Und im Oktober darf sie ihr Projekt auf der Erfindermesse in Nürnberg präsentieren und ausstellen.

Anstatt sich an die Straße zu ketten, will sie Probleme lösen

Bürgermeister Dieter Bischoff zitierte bei der Ehrung Albert Einstein, der sich selbst als "leidenschaftlich neugierig" bezeichnet habe. Eine Eigenschaft, die es brauche, um in der Forschung etwas zu erreichen. Er sprach Luise Mast seine Hochachtung im Hinblick auf diese Leidenschaft, ihr Durchhaltevermögen und ihre Disziplin aus, die sie bei der Lösung des von ihr erkannten Problems zeige. "Wir brauchen Menschen wie Sie, die forschen und erfinden", würdigte Bischoff die Leistung von Luise Mast. "Sie sind gesegnet mit Forscher- und Erfindergeist, der Schwabe nennt das ein ›Käpsele‹."

Mast sagt von sich, dass sie sich nicht auf der Straße festketten oder nur protestieren wolle, sondern stattdessen ihren aktiven Teil zu Problemlösungen beitragen wolle. Inzwischen hat sie ihre Erfindung als Patent angemeldet. Zudem ist sie bei Firmen und Sponsoren gefragt, die ihren Filter vermarkten wollen.

Bürgermeister Bischoff und Ortsvorsteher Gärtner beglückwünschten Luise Mast und überreichten Blumen und Präsente.