Geschäftig ging es am Freitag zu, als die Teilnehmer von Jugend forscht und Jugend forscht Junior ihre Erfindungen, Forschungen und Erkenntnisse der Öffentlichkeit präsentierten. Darunter: viele Ideen, die den Alltag leichter machen könnten, ein Blick in die Weiten des Weltraums und Limonadenrezepte.
Schon eine Stunde, nachdem die öffentliche Ausstellung des Jugend-forscht-Regionalwettbewerbs Nordschwarzwald geöffnet hat, herrscht in der Nagolder Stadthalle buntes Treiben. Schulklassen werden hindurch geführt, Grüppchen stehen um die Projektstände herum. Eine Gruppe Männer mit der Aufschrift „Juror“ auf dem jeweiligen Namensschild tritt ein. „Wo gehen wir als nächstes hin?“, fragt einer, bevor sie in der Menge verschwinden.
Dabei erklären die Teilnehmer auch ausführlich ihre Projekte. Steht jemand noch etwas unschlüssig am Stand, wird er vom Forscher angesprochen – es folgt fachkundige Erklärung und Antworten auf Fragen. Manche erklären frei, andere haben sich zur Unterstützung Karteikarten geschrieben. Einige sitzen an ihren Ständen, manche lesen in ruhigen Minuten ein Comic oder spielen mit dem Handy, bis sie angesprochen werden.
Die Juroren sind immer wieder anzutreffen, an den Ständen unterhalten sie sich ausführlich mit den Schülern. Natalie Seeger (14) vom Martin-Gerbert-Gymnasium Horb mit ihrem Projekt zum Moorbiotop hört aufmerksam zu. Bei Jonas Hohl (12) und Alexander Burkhardt (11) vom OHG Nagold gibt es Tipps, wie ihr Tischtennis-Ball-Wiedereinsammler noch schwierigere Herausforderungen meistern könnte. Die beiden Jungs hören sich die Ratschläge sichtlich konzentriert an.
Zahlreiche Projekte mit Lebensmitteln
Wer durch die Halle geht, sollte besser schon gegessen haben. Denn Leckereien gibt es an einigen Ständen – allerdings als Forschungsobjekt. Nele Rathfelder (11), Sophia Schüle (11) und Luis Hechler (12) vom beruflichen Schulzentrum Hechingen haben zum Beispiel erforscht, wie sich Laugenintensität auf Brezeln auswirkt. Werden sie heller, dunkler? Was ist, wenn die Brezel glutenfrei ist? Wenn sie gefroren war oder bei Zimmertemperatur in die Lauge getaucht wurde?
Eine Gruppe beschäftigt sich mit Honigqualität, eine mit dem perfekten Milchschaum. Eine andere hat eine Saftpresse entwickelt und bietet direkt die eigene Limonade an. Die Bananenlimo schmeckt süßlich – ohne jede Zuckerzugabe.
Trinken könnte man das dann zum Beispiel mit der Forschung einer anderen Gruppe: Bei ihnen ragen Getreidehalme in die Höhe. Seitdem die EU Strohhalme aus Plastik verboten hat, werden Alternativen genutzt. Die drei Schülerinnen Josephine Seng, Sofie Fischer und Clara Schmidtke aus Balingen haben sich damit beschäftigt, welche Strohhalme am besten sind – bei unterschiedlichen Schnittmethoden, Getränken und Materialien. Wie es der Zufall will: auch süßer Sprudel, also Limonade, ist dabei.
Olivia Walz von der Christiane Herzog Schule aus Nagold stellt schwarzen Kleber her. Die Grundlage: Harz. Sie mischt das Fichtenharz mit Bienenwachs und Kohlenstaub. Als sie alles im Wasserbad aufkocht, ziehen würzige Gerüche hoch – nach Nadelwald, entfernt erinnert der Geruch an würzigen Honig.
Das Fichtenharz selbst riecht ganz ähnlich – nur besser und weniger aufdringlich –, der Harzgeruch kommt besser hervor. „Fichtenharz riecht sehr gut“, bestätigt die Elfjährige. Nachdem der Kleber – übrigens sehr schnell – getrocknet ist, fühlen sich die Rückstände ein wenig wie Lackfarbe an.
Das klebrige Harz von den Händen bekommen wollten hingegen Noah Schwenk, Elea Hühnerbein und Ferdinand Hartle aus Altensteig. Sie haben Seife entwickelt mit unterschiedlichem Fettgehalt. Die Stücke sind ausgestellt und wirken ein wenig wie Gesteinsproben.
Im Hintergrund ist das Motorengeräusch eines solarbetriebenen Fahrrads samt energierückgewinnender Bremse zu hören. Vier Schüler des Nagolder OHGs haben sich daran gemacht. Mika Röckl (14) und Raphael Geiger (16) haben erforscht, wie das E-Bike mit Solarkraft betrieben werden kann. Sophie Odin und Patrizia Roth, beide 16, haben eine Rekuperationsbremse eingebaut, mit der beim Bremsen die Reibungsenergie nicht verloren geht, sondern gespeichert werden kann. So könnte etwa beim Radfahren direkt das Handy geladen werden.
Von ausgefeilten Mechaniken zu Harry Potter
Manche Teams haben ganze Apparate auf ihren Tischen aufgebaut, der Bananenschäler und -schneider von Jan Friedrich (11) und Jakob Sämann aus Tübingen und der Müsli-O-Mat von Tobias Hentschel (10, Grundschule Geislingen), der selbst Müsli mischt, erinnern vom Aufbau ein wenig an die ganze Zimmer ausfüllenden, mechanischen Haushaltsmaschinen von Erfindern aus Hollywoodstreifen.
Häufig ist Lego oder Fischertechnik zu sehen. Zum Beispiel bei Amelie Zeller aus Bad Wildbad: Ihr Marsroboter Harald Töpfer (deutsch für Harry Potter) kann ferngesteuert Steine einsammeln – oder aufräumen.
Ein anderer Tisch ist voller Kabel, Computer und Solarzellen – wie direkt von der Werkbank in die Stadthalle versetzt. Beim Projekt Simulation der Sternenentstehung bei Andromeda-Milchstraßen-Verschmelzung gleitet ein illuminierendes, violettes Licht über einen schwarzen Bildschirm. Eine schöne Farbe in den Weiten des dunklen Weltalls.
Schlichte Petrischalen für starke Biologie-Forschungen
Andere Tische wirken da fast schon leer: Mit Petrischalen haben einige experimentiert, um pflanzliches Desinfektionsmittel herzustellen oder Keime in Salatsauce nachzuweisen. Eine Gruppe aus Neubulach hat Seifenblasen mitgebracht. Ihre Forschungsfrage: Warum sind Seifenblasen eigentlich nicht eckig? Die Lösung: Die Moleküle rücken so eng wie möglich aneinander. Und Kugeln haben die geringste Oberfläche.
42 Stände sind zu besuchen – manche sind mehr frequentiert, manche weniger, manche etwas versteckt, manche gut sichtbar im Raum. Zu entdecken gibt es da auch für die Besucher einiges – und für die anderen Teilnehmer. Die Lautstärke ist dementsprechend nicht gering. Rege Gesprächigkeit bestimmt das Klangbild, wenn die jungen Forscher Hintergründe, Vorgehen und Ergebnisse erläutern – ganz nach dem Motto von Jugend forscht: „Aus Fragen Antworten machen.“