Jürgen Marek spielte zusammen mit Franz Beckenbauer beim FC Bayern. Der Ex-Profi, der in Oberweier lebt, erinnert sich im Gespräch mit unserer Redaktion an eine „Lichtgestalt“ ohne jegliche Starallüren.
Die Geschichte vom Weltmeister als Spieler 1974 und als Trainer der Nationalelf 1990 ist legendär und weit über die Fußballkreise bekannt. Doch viel weniger Menschen kannten die am Sonntag verstorbene „Lichtgestalt“ des deutschen Fußballs persönlich. Jürgen Marek kann sich zu diesem ausgewählten Kreis zählen. Er traf Franz Beckenbauer nicht einfach nur zufällig oder für ein Autogramm. Marek spielte mit ihm beim FC Bayern München.
„Ich habe sehr positive Erinnerungen an Franz. Er war ein toller Fußballer und ein toller Mensch. Ich wusste, dass es gesundheitlich um ihn zuletzt nicht gut stand. Sein Tod hat mich aber natürlich dennoch geschockt“, sagt Marek im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich glaube, die Affäre um die WM-Vergabe an Deutschland 2006 hat ihm auch körperlich zugesetzt. Da wurde ihm auch übel mitgespielt.“
1975 machte der junge Fußballer, geboren in Jungingen im Zollernalbkreis, die Bekanntschaft mit dem Mann, der ein Jahr zuvor als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft in München den WM-Pokal in die Höhe gestreckt hatte. Der FC Bayern hatte das 23-jährige Sturmtalent Marek vom FC 08 Villingen verpflichtet. Auch wenn die Bayern zu der Zeit noch nicht Rekordmeister waren, war es trotzdem ein großes Team mit vielen großen Namen, zu dem Marek stieß. 1974 hatte der FCB den Europapokal der Landesmeister, den Vorgängerwettbewerb der Champions League, geholt und kurz vor Mareks Ankunft den Titel sogar verteidigt. „Ich hatte daher auch Ehrfurcht, als ich zu den Bayern gekommen bin. Auch vor Franz Beckenbauer“, gibt Marek zu.
Doch der Kaiser verstand es, ihm die Angst zu nehmen. Denn Beckenbauer war nahbar. „Er hatte keine Starallüren. Franz hat mich immer motiviert. ’Du wirst es hier schon packen’, hieß es dann von ihm. Er hat auch immer mit angepackt, wenn wir schnell zum Flieger mussten und Koffer zu tragen hatten“, erinnert sich der 72-Jährige Rentner.
Beckenbauers guter Umgang mit Menschen zeigte sich besonders, als sich Marek ausgerechnet im Ablösespiel mit dem FC Bayern gegen die Villinger schwer verletzte. Er zog sich einen mehrfachen Bänderriss im Knöchel zu. „Franz hat mich im Krankenhaus besucht und sich erkundigt, wie es mir geht. Das war für ihn selbstverständlich. Als junger Spieler muss man vor solchen Größen Respekt haben und lernen. Das habe ich zusammen mit Franz super hinbekommen.“ Aufgrund der Verletzung fiel Marek drei Monate aus. Einer der Gründe, warum der junge Fußballer den Durchbruch bei den Bayern nicht schaffte und nur eine Saison blieb.
Die Zeit in der Star-Truppe, in der Marek Stürmer Nummer zwei hinter Gerd Müller war, reichte jedoch, um auch das lose Mundwerk des Kaisers kennenzulernen. „Wenn es nicht lief, habe ich schon mal Anschiss bekommen. Das darf man aber dann nicht so ernst nehmen. Als junger Spieler bekam man das vom Franz halt mal ab. Ihm ging es dabei immer um den Erfolg und um nichts Persönliches“, sagt der Oberweierer.
Zwei Wiedersehen mit dem Weltmeister
Den größten Erfolg der Saison – München verteidigte 1976 erneut den Pokal der Landesmeister – erlebte Marek nur auf der Tribüne. „Trotzdem war die Europacup-Saison ein tolles Erlebnis. Ich habe in dem Jahr nicht viele Spiele über die komplette Distanz gemacht. Aber für ein paar Minuten hat es immerhin gereicht.“
Nach Mareks Abschied von den Bayern – ihn zog es 1976 zum Ligakonkurrenten 1. FC Saarbrücken – sah er Beckenbauer zweimal wieder. Der Oberweierer wurde zum 50. Geburtstag von Uli Hoeneß eingeladen; mit dem damaligen FCB-Manager hatte er schon in der württembergischen Jugendauswahl zusammengespielt. Zu Hoeneß’ Ehrentag kam natürlich auch Beckenbauer.
Und Marek spielte sogar noch einmal gegen den Fußball-Kaiser, als dieser bei Cosmos New York unter Vertrag stand. Am 21. September 1978 verfolgten mehr als 18 000 Zuschauer das Freundschaftsspiel des Freiburger FC, für den Marek damals die Schuhe schnürte, und der US-Amerikaner. „Neben Franz Beckenbauer spielten bei New York damals Stars wie Giorgio Chinaglia und Carlos Alberto mit. Pelé war auch Teil des Kaders, damals aber leider nicht dabei“, sagt der Ex-Profi mit nur leichtem Bedauern. In diesen Tagen überwiegen die Erinnerungen an den größten deutschen Fußballer aller Zeiten.
Das ist Jürgen Marek
Jürgen Marek spielte in der Bundesliga für den FC Bayern München und den 1. FC Saarbrücken. Sieben Mal stand er für die Bayern in der Saison 1974/75 in der Bundesliga auf dem Platz. Sein einziger Treffer gelang ihm gegen Borussia Mönchengladbach. Beim SV Oberweier war Marek als Spieler und Trainer aktiv. Zudem trainierte er in der Region den Offenburger FV, den SC Friesenheim und den Lahrer FV. 2008 endete dort seine Tariner-Laufbahn.