Die Vorbereitungen für den Schutzzaun haben begonnen. Foto: Alexander Blessing

Die Israelitische Gemeinde in Freiburg erhält für mehr Sicherheit einen Schutzzaun um die Neue Synagoge in der Innenstadt.

„Wir wünschen uns keinen Zaun in Freiburg“, sagt Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos). Vielmehr wünsche man sich mehr Miteinander und Toleranz. Die Realität sei aber eine andere. Hass, Gewalt und Angriffe auf Juden in Deutschland hätten in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen.

 

Auch in Freiburg ist es in der vergangenen Woche im Colombipark zu antisemitischem Vandalismus an einen Food-Truck des Israelischen Restaurants Jaffa gekommen. Der aktuelle Vorfall steht nicht für sich allein. Bereits Ende Februar kam es im Seepark zu Sachbeschädigungen an der dort erstmals eingerichteten Ramadan-Beleuchtung. „Wir wollen die Sicherheit für Jüdisches Leben in Freiburg gewährleisten. Der Zaun soll für mehr Sicherheit und Sichtbarkeit der Israelitischen Gemeinde in Freiburg sorgen“, erklärt Horn.

Der Wunsch der Israelitischen Gemeinde in Freiburg nach mehr Sicherheit besteht schon länger. In den vergangenen Jahren seien die Maßnahmen an der Synagoge selbst priorisiert worden. Nach der Einführung einer Sicherheitsschleuse und der Verbesserung der Sicherheit der Außenfassade soll nun der Zaun das Sicherheitskonzept ergänzen.

Der Zaun soll 1,75 Meter hoch werden

„Auch wir würden uns selbstverständlich eine andere Realität wünschen, kommen aber eben auch nicht umhin der nach Einschätzung des BKA weiterhin bestehenden hohen besonderen abstrakten Gefährdung für jüdische Einrichtungen zu begegnen. Der Schutz unserer Gemeindemitglieder, Angehörigen und des jüdischen Lebens in Freiburg hat für uns dabei Priorität“, sagt der Sicherheitsbeauftragte der Israelitischen Gemeinde Nikita Nikischin.

Nikita Nikischin (von links, Israelitische Gemeinde, OB Martin Horn, und Rainer Gantert (Caritasverband Stadt Freiburg) erläutern die Maßnahmen. Foto: Alexander Blessing

Die Schutzmaßnahme bringt der Gemeinde auch neue Möglichkeiten in der Gestaltung. „Die Umfriedung unserer Synagoge bietet uns nun auch die Möglichkeit, die Fundamentsteine der Alten Synagoge zu einem würdigen Denkmal zu verarbeiten, das vor der neuen Synagoge Platz finden kann“, sagt Nikischin. Denkbar sei eine Anordnung in Form eines Chanukkia-Leuchters. Durch den Zaun sei dieses besser vor möglichem Vandalismus geschützt.

Stadt übernimmt Großteil der Baukosten

Die Planung und Umsetzung des Bauprojektes übernimmt der Caritasverband-Freiburg-Stadt, der in direkter Nachbarschaft gerade die Räumlichkeiten der „Pflasterstub“, der Einrichtung für wohnungslose Menschen, und seinen Eingangsbereich neu gestaltet. „Als Caritasverband fühlen wir uns der Israelitischen Gemeinde eng verbunden – nicht nur, weil wir Nachbarn in Freiburg sind, sondern vor allem, weil das Judentum unsere ältere Geschwisterreligion ist“, sagt Rainer Gantert, Vorstandsvorsitzender des Caritasverbands Freiburg-Stadt.

Der Zaun soll 1,75 Meter hoch sein und ist mit Stahlstreben transparent gestaltet, so dass die Synagoge sichtbar bleibt und nicht komplett abgeschottet wird. Der Verlauf ist an die Leitungen und den Verlauf der Bächle angepasst.

Die Bauzeit soll rund sechs Wochen betragen. Die Kosten für die Maßnahme werden derzeit auf rund 120.000 Euro geschätzt. Der Zentralrat der Juden beteiligt sich mit einem Zuschuss in Höhe von 27.500 Euro. Die übrigen Kosten trägt die Stadt Freiburg.