"Meneles Gerda" (Gerda Hangst), wie sie am Ort bekannt und beliebt ist, und ihre beiden Töchter freuen sich über die Feuerstunde zum 100. Geburtstag. Bürgermeister Peter Schumacher (rechts) überbringt Glückwünsche. Foto: Merz

Jubilarin: Gerda Hangst –"Meneles Gerda" – feiert besonderen Geburtstag / Große Gratulantenschar in Seedorf

Mit klingendem Spiel sowie Bürgermeister Peter Schumacher, Stellvertreter Rainer Pfaller und dem Katholischen Kirchenchor im Gefolge, marschierte der Seedorfer Musikverein über den Brestenberg. Anlass war ein ganz besonderer: der 100. Geburtstag von Gerda Hangst, geborene Baur.

Dunningen-Seedorf (rm) Die Jubilarin wuchs zusammen mit drei Geschwistern auf, von denen zwei Brüder allerdings schon im Kindesalter verstarben. Schon mit acht Jahren verlor sie ihren Vater. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete sie zunächst bei der Firma Junghans in Schramberg, welche sie zeitweise mit Fahrrad erreichen musste. 1937 fiel das Elternhaus –­ damals am Ort als "Arche" bekannt –­ in dem sie zusammen mit ihrer Mutter und Schwester Frieda wohnte, einem Brand zum Opfer. Am Brestenberg 1 unweit des alten Hauses wurde eine neues gebaut. Die Mutter betrieb dort, wie zuvor in der "Arche" ein Lebensmittelgeschäft, das sie von ihren Vorfahren übernommen hatte.

Als der Gesundheitszustand der Mutter es erforderte, gab die Jubilarin ihre Arbeit in Schramberg auf und stieg in das Geschäft ein. Von nun an beschränkte sich Gerda auf Heimarbeit und erledigte die schriftlichen Dinge. Sie half zudem in der kleinen Landwirtschaft der Mutter und ihrer Schwester Frieda mit.

1948 heiratete sie ihren Schulkameraden Konrad Hangst. Den beiden wurden zwei Töchter und ein Sohn geschenkt. Im Jahr 1998 konnte die Goldhochzeit gefeiert werden, doch schon 2005 verstarb ihr Ehemann nach schwerer Krankheit, den sie zuhause gepflegt hatte.

Im Jahr 1959 wurde das Lebensmittelgeschäft umgebaut und modernisiert. Zehn Jahre später erfolgte eine Erweiterung auf den landwirtschaftlichen Trakt des Hauses. Das Geschäft florierte und die Einwohner kauften gern bei Gerda und Konrad, die allgemein als "Meneles" bezeichnet wurden. Gesundheits - und altersbedingt wurde das Geschäft 1992 aufgegeben. Gerda konnte sich jetzt mehr den Enkelkindern widmen und darüber hinaus begann sie mit Strick- und Häkelarbeiten. Ihre Rosenkranztäschle und Topflappen waren begehrt, ebenso auch die Sitzkissen. Schon nach der Schulentlassung trat sie in den Katholischen Kirchenchor ein, in dem mit ihrer wunderbaren Stimme 70 Jahre mitwirken konnte. Vorbildlich war auch ihr Probenbesuch, denn kaum eine Singstunde hat sie geAushilfspfarrer Werktagsgottesdienste feierten, oblag es ihr, das Liedgut zusammenzustellen und die einzelnen Lieder anzustimmen.

Ein weiteres Hobby war das Theaterspielen, dem sie sich schon in jungen Jahren verschrieben hatte. So wurden ihr in der Regel Hauptrollen übertragen, die sie hervorragend darstellen konnte. Besonders zu nennen ist zum Beispiel ihr Part in dem Ritterstück "Genoveva". Ihr Gesangstalent stellte sie auch in den Dienst der damaligen Katholischen Arbeitnehmerbewegung. Gerne besuchte die Jubilarin auch die gemeinsamen Mittagessen mit anschließender Gesprächsrunde und Gymnastik im Eschachtreff. Für die beiden Töchter und den Sohn sowie fünf Enkeltöchter und drei Urenkel war dies ein besonderer Jubiläumstag.

Bürgermeister Schumacher überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde und des Ministerpräsidenten und würdigte das lange Engagement der Jubilarin in der Dorfgemeinschaft. Norbert Werner, Vorsitzender des Kirchenchors, hob das beispielgebende Wirken in der Chorfamilie in den Vordergrund. Von Chorsätzen, die auch der Jubilarin an Herz gewachsen sind, und mit Beiträgen des Musikvereins wurde die kleine Feierstunde begleitet.