Bei der Jubilarfeier der IG Metall Freudenstadt führte Karl Heinz Götz aus Oberndorf die Liste der Geehrten an. Er war mit 14 in die Gewerkschaft eingetreten.
Die IG Metall Freudenstadt umfasst die Regionen Calw, Nagold, Horb, Oberndorf, Schramberg und Freudenstadt mit knapp 10.000 Mitgliedern. Aus diesen Bereichen gab es insgesamt 328 Mitglieder, die für 25, 40, 50, 60, 70 und sogar für 75-jährige Mitgliedschaft geehrt werden sollten. 59 von ihnen kamen dafür ins Haus des Gastes nach Alpirsbach, wo die Ehrungen der Gewerkschaft seit fast 15 Jahren stattfinden.
Zweiter Bevollmächtigter Georg Faigle begrüßte die zu Ehrenden und ihre Angehörigen sowie Bürgermeisterin Vanessa Schmidt, die ein Grußwort sprach.
Sie freue sich, dass die Gewerkschaft ihre Jubiläen in Alpirsbach feiert, sagte Schmidt. Von der langjährigen Verbundenheit und Treue der zu Ehrenden zur Gewerkschaft zeigte sich die Bürgermeisterin beeindruckt. Sie freue sich, dass diese außergewöhnliche Treue gewürdigt werde. Diese stehe nicht nur für formale Zugehörigkeit, sondern für gelebte Solidarität – und die sei heute so wichtig wie damals.
Viel mehr als bloße Zahlen
Erste Bevollmächtigte Dorothee Diehm ging in ihrer Rede auf die Geschichte der Gewerkschaft ein und stellte dann besondere Ereignisse zu den Jubiläumsstichtagen vor. Diese Jubiläen seien nicht nur Zahlen, sondern auch Jahrzehnte voller Haltung, Verantwortung Zusammenhalt und Treue zur Gewerkschaft, betonte Diehm. Die Jubilare hätten die Gewerkschaft zu dem gemacht, was sie heute sei, und wichtige Errungenschaften erreicht wie den Acht-Stunden-Tag, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub, Weihnachtsgeld oder Tarifverträge, erinnerte sie.
1951, also vor 75 Jahren, trat Karl Heinz Götz in die Gewerkschaft ein. Am 7. Dezember 1936 in Oberndorf geboren, wurde er nach dem Schulabschluss mit 14 Jahren Mitglied der IG Metall. Er begann als Laufbursche bei einer Firma in Villingen-Schwenningen und verdiente damals gerade mal 40 Mark im Monat, bei einer 48-Stunden-Woche und sechs Arbeitstagen, machte Diehm deutlich. In Oberndorf machte er dann eine Ausbildung als Mechaniker. In einem persönlichen Gespräch zeigte Götz sein Mitgliedsbuch mit den Beitragsmarken. Für jeden Monat betrug der Mitgliedsbeitrag einst 20 Pfennig, erinnerte sich Götz. Seinen Lohn habe er gespart und nach einiger Zeit ein Drei-Gang-Fahrrad gekauft.
Zu den Eintrittjahren der weiteren Jubilare – drei sind seit 60 Jahren, 13 seit 50 Jahren , 27 seit 40 Jahren und 15 seit 25 Jahren Mitglied – erinnerte Diehm unter anderem an den Streik der Werftarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen im Jahr 1956, dem sich immer mehr anschlossen und der nach 114 Tagen zu einem Gesetz führte, das die zentralen Forderungen – Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsanspruch und Urlaubsgeld – festschrieb.
Zum Jahr 1986 verwies Diehm auf den Reaktorunfall in Tschernobyl, zum Jahr 2001 an die islamistischen Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon.
Musik und Zauberei
Sich einzumischen und gemeinsam für Ziele zu kämpfen, lohne sich, befand Diehm abschließend. „Denn eines ist sicher, wenn wir unsere Werte weitertragen, dann gestalten wir auch die Zukunft.“
Für die Jubilare gab es neben Speisen und Getränken ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm mit Musik von Rolph Royce mit Band und Zauberkunst von „Magic Paddy“. Im Foyer standen für die Jubilare anschließend Blumengestecke bereit.