Zu seinem 100. Geburtstag blickt der Sulzer auf ein bewegtes Leben zurück. Ganz wichtig dabei: Tennis, Turnen und Schwimmen.
In der Kappel, erinnert sich Roland Ade, haben früher die armen Leute gewohnt. Dort gab es aber auch, geschützt vor dem jährlichen Hochwasser des Neckars, viele Weinkeller.
In der elterlichen Weinhandlung am Stockenbergweg ist Roland Ade aufgewachsen. Das Geschäft hat er bis zum Ruhestand 1990 weitergeführt. Am heutigen Dienstag feiert er seinen 100. Geburtstag.
Die Lehre und der Krieg
„Wir haben ein Brüderle“, freute sich seine zwei Jahre ältere Schwester, als Roland Ade am 1. April 1925 geboren wurde. Er besuchte in Sulz die Volksschule und anschließend die Oberschule. Nach der mittleren Reife stellte sich die Frage: „Was soll ich werden?“ Kaminfeger war ein möglicher Beruf, aber sein Vater, Gottlob Ade, nahm ihn mit zur Volksbank.
Mit 15 ging es dort in die Lehre. Dass er den ganzen Tag am Stehpult arbeiten musste, machte ihm nichts aus, der Umgang mit Geld lag ihm. Roland Ade wäre Banker geblieben und hätte dort sicher auch Karriere machen können, doch der Krieg kam dazwischen.
Gefangenschaft und Weinhandlung
1943 wurde der 18-Jährige eingezogen, kam zuerst nach Salzburg in den Arbeitsdienst und anschließend nach Frankreich bei La Rochelle. Dass er krank wurde und längere Zeit im Lazarett war, bezeichnet er heute als „mein Glück“.
Eingezogen wurde er dennoch im gleichen Jahr zur Grundausbildung in Konstanz. Aus der amerikanischen Gefangenschaft kam er 1946 zurück nach Sulz. In der Volksbank hätte er seinen erlernten Beruf, den er auch gerne ausübte, fortsetzen können, doch nach dem Tod seines Vaters 1946 musste er die Weinhandlung übernehmen, auch um seine Mutter zu unterstützen. Sie bezog nur eine schmale Rente.
Hochzeit und Familie
1953 heiratete er seine Frau Lore, geborene Ziegler, aus Sulz. Sie hatte er bereits beim Tanzkurs noch während des Kriegs kennengelernt. Trauung war in der evangelischen Stadtkirche, die Hochzeitsfeier im „Waldhorn“.
1955 kam Tochter Dorothee zur Welt, 1964 wurde Ulrich und 1966 Martin geboren.
Es gibt viel Kundschaft
Die Weinhandlung betrieb das Ehepaar gemeinsam. Roland Ades Frau Lore war für den Laden im Erdgeschoss des Hauses im Stockenbergweg zuständig, er lieferte den Wein aus. Es war kein leichter Job, die schweren Kisten zu tragen, oft auch in den Keller hinab.
Kundschaft hatten die Ades genug: In Sulz gab es damals mehr als 20 Lokale, und jedes Dorf hatte noch drei bis vier Wirtschaften. 1972 kaufte Roland Ade den „Schönblick“ auf der Schillerhöhe. Es war damals ein vornehmes Lokal, in dem auch viele Tanzveranstaltungen stattfanden. Er hat es nicht selbst betrieben, sondern verpachtet. 1990 verkaufte er die Gaststätte wieder.
Leidenschaftlicher Schwimmer
Roland Ade ging mit 65 Jahren dann auch in den Ruhestand und gab die Weinhandlung auf. Die Sulzer Gastronomen kauften inzwischen zunehmend ihre Wein im Großhandel ein.
Dass er ein so hohes Alter erreicht hat, führt Roland Ade darauf zurück, dass er sehr viel Sport betrieben hat. Er gehörte 1966 zu den Gründungsmitgliedern des Tennisclubs Sulz, spielte Volleyball, war aktiv bei den Jedermannsturnern und ein leidenschaftlicher Schwimmer.
Lokalzeitung und Kreuzworträtsel
Täglich schwamm er ab 7 Uhr im Sulzer Freibad 1500 Meter. Im Förderverein setzte er sich dafür ein, dass Sulz ein Hallenbad bekam. Doch der damalige Bürgermeister Walter Wetzel und der Gemeinderat hätten dafür kein Verständnis gehabt.
Seine ein Jahr ältere Frau Lore starb 2014. Er selber wird seit zwei Jahren von seinem Sohn Ulrich betreut. Körperlich ist der Jubilar zwar eingeschränkt, geistig aber fit.
So kümmert er sich am Computer um seine Finanzen selbst, löst Kreuzworträtsel, liest das Handelsblatt, die Lokalzeitung und Bücher. Der 100. Geburtstag wird etwas später im Familienkreis nachgefeiert.