In der Pausenhalle der Hallwanger Grundschule wird Ortsgeschichte dargestellt. Foto: Bärbel Kalmbach

950 Jahre Hallwangen werden heuer mit einigen Veranstaltungen gefeiert. Das Jubiläum geht auf die urkundliche Ersterwähnung im Jahr 1075 zurück – und zwei spendenfreudige Brüder: Ritter Rudolfus und Waltherus de Haldewanc.

„Was du nicht teilst, kannst du nicht behalten.“ Dieses geflügelte Zitat trifft auch auf die einstigen Ritter Rudolfus und Waltherus de Haldewanc zu.

 

Hätten sie nicht im Jahr 1075 eine großzügige Spende an das wiederhergestellte Kloster Hirsau, wo nachweislich Rudolfus bei der Einweihung dabei war, und 1087 nochmals an das neu erbaute Kloster Reichenbach getätigt, wäre das Rittergeschlecht der Burg von Hallwangen wohl kaum urkundlich erwähnt. Natürlich wurde auch das Kloster Lorsch an der Bergstraße beschenkt.

Aus diesem Grund nimmt Hallwangen diese erstmalige urkundliche Erwähnung 1075 zum Anlass, in diesem Jahr 950 Jahre Hallwangen zu feiern. Denn im Schutze der Burg hatte sich eine Siedlung entwickelt: das heutige Hallwangen.

Burgbrunnen wahrscheinlich verschüttet

Die Brüder Rudolfus und Waltherus de Haldewanc waren die Herren der Burg, und dies mit ziemlicher Sicherheit schon lange zuvor. Bis zum heutigen Tage wird der einst wohl noch künstlich erhöhte Hügel hoch über dem Steilufer des Kübelbachs Burg genannt.

Mit viel Fantasie erkennt man noch Reste des Burggrabens um den Hügel, findet aber keinerlei Mauerreste mehr. Der Burgbrunnen wurde wahrscheinlich verschüttet. „Nachhaltigkeit“ war schon damals ein Thema: Die Steine der wohl von Kaiser Rudolf wegen Landfriedensbruchs zerstörten Burg dienten zum Bau von Häusern in Hallwangen. Dennoch hat bis heute das Geheimnis um die einstige Hallwanger Burg nichts an seinem Reiz verloren.

Wurde so einst einmal der Brunnen der Burg gebaut? Foto: Bärbel Kalmbach

Über die Lebensgeschichte dieser spendablen Burgherren und ihrer Burg wurde später nichts mehr berichtet. Nachweislich erhielten ein paar Güter das Kloster Hirsau und später auch das ortsansässige Kloster Engeltal. Weitere Anteile des Dorfs Hallwangen erhielten die Herren von Weitingen, welche Graf Eberhard von Württemberg 1372 abkaufte. Ein weiteres Drittel von Hallwangen erwarb das Rittergeschlecht von Neuneck, das sie 1473 an Graf Eberhard im Bart von Württemberg veräußerten.

Da weitere genaue geschichtliche Anhaltspunkte des Rittergeschlechts derer von Haldewanc fehlen, hat sich die Sage der Burg angenommen. So soll man in hellen Mondnächten weiße Wäsche im Winde flattern sehen. Und schon mancher will nachts einem Burgfräulein begegnet sein. Und es soll ein riesiger Schatz in der Tiefe des Bergs verborgen sein, der wohl unter der Burg nicht gefunden wurde, jedoch Silber, Kupfer und Erze im Bergwerksstollen „Himmlisches Heer“.

Dramatische Liebesgeschichte

Doch was wäre die Sage ohne eine dramatische Liebesgeschichte? So wird von alters her erzählt, dass das Burgfräulein einen einfachen Bauernsohn liebte, diesen aber vom Vater aus nicht heiraten durfte und mit ihm floh. Unterwegs ereilte das Liebespaar ein so heftiges Gewitter, dass ein Blitz den Bauernsohn tödlich niederstreckte. Untröstlich floh das Burgfräulein weiter, denn heim wollte sie nicht mehr.

Nachdem auch ihr Bruder in einer Schlacht gefallen war, suchte der verzweifelte Ritter seine Tochter und erfuhr von einem Engel in einem Traum, in welchem Kloster sie sich verborgen hatte. Er holte sie heim und spendete das „Kloster Engeltal“ in Hallwangen.

Streitbare Nonnen

Dort lebten und wirkten adelige, sehr geschäftstüchtige, fleißige Dominikanerinnen, die ihre Rechte schon damals vor so manchem Gericht verteidigten. Unter anderem auch mit den „Brüdern vom Wald auf dem Kniebis“. Denn sie beanspruchten einen halben Zehnten der Ausbeute aus dem Silberbergwerk, den die „streitbaren Weiber des Klosters Engeltal“ in mehreren Prozessen ebenfalls erkämpften.

Das Kloster Engeltal war der Pfarrkirche in Dornstetten unterstellt, erhielt aber bereits 1328 eine eigene Begräbnisstätte und einen eigenen Priester. Ebenso das Recht, Schenkungen und Stiftungen anzunehmen und die Befreiung aller Zehnten.

Die Reformation forderte ihren Tribut, und 1527 ist das Kloster Engeltal „gar ausgestorben“. 1552 wurden die Steine des baufälligen Klosters zum Neubau des abgebrannten Rathauses in Dornstetten freigegeben. 1630 wurde von 40 Einwohnern am Platz des einstigen Klosters die heutige evangelische Kirche Engeltal erbaut. Der Torbogen neben dem Eingangsportal ist noch das letzte Relikt des Klosters. Auch die einstige Klostermühle und ihr Klosterweiher sind Geschichte.

Das Hallwanger Wappen in Stein gemeißelt Foto: Bärbel Kalmbach

Hallwangen hingegen wuchs stetig weiter und wurde 1975 mit Aach in die Stadt Dornstetten eingemeindet. Doch eine gewisse Eigenständigkeit und Heimatstolz haben sich alle Gemeinden bewahrt.

Im harmonischen Miteinander und Füreinander lebt der gute Geist der einstigen Rittersleute de Haldewanc (später Haldewang), der adeligen Nonnen und der fleißigen Vorfahren im idyllisch am Südwesthang gelegenen Hallwangen fort. Und wer einen beflügelten Engelskopf und zwei gekreuzte Bergwerkshämmer im Wappen hat, wer sollte da nicht beflügelt und stolz sein?