Ein Exot im heimischen Amateurfußball feiert ein rundes Jubiläum: der SV Häg-Ehrsberg.
Der gute, alte rote Aschenplatz verschafft dem Fußballverein SV Häg-Ehrsberg ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn landesweit zum Unikum macht. In ganz Südbaden gibt es keinen zweiten Sandplatz mehr, in Baden-Württemberg vielleicht noch eine Hand voll Hartplätze, seit Rasen- und vor allem Kunstrasenplätze zum Siegeszug angesetzt haben.
Die Kicker oben aus dem Bergdorf, hoch über dem Wiesental gelegen, tragen ihre vermeintliche Rückständigkeit mit Stolz. Vereinsvorstand und Torwart Max Rümmele verweist achselzuckend auf die schwierigen klimatischen Bedingungen auf knapp 1000 Höhenmetern über dem Meer, die es der Vegetation eines Rasenplatzes schwer machen würde. Und Kunstrasen sei schon aus finanziellen Gründen schlicht nicht drin.
Rückblick
Als der SV Häg-Ehrsberg vor einem halben Jahrhundert aus der Taufe gehoben wurde, gab es noch nicht einmal den roten Sandplatz auf der Waldmatt. Anfangs wurde noch unten im Zeller Grönland gekickt, bis die Aktiven und Ehrenamtlichen des Vereins in Eigenleistung den Platz weit oben am Berg anlegen konnten.
„Die Förderung der körperlichen Ertüchtigung und Gesundheit durch die Ausübung des Sports“, stand in den Statuten bei der Vereinsgründung, so Rümmele. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. „Die gute Pflege der Kameradschaft ist in einem Verein unabdingbar“, heißt es weiterhin. Sie steht in der Rangliste noch oberhalb des sportlichen Erfolgs, spielt die erste Herrenmannschaft doch in der untersten Spielklasse, der Kreisliga C. Und das sei auch gut so, da gehöre der Verein auch, sportlich gesehen, hin.
Einen gewissen Heimvorteil zieht der SV freilich aus seinem leicht antiquierten Hartplatz, der einem Spieler schon allen Mut abverlangt, um dem Gegner den Ball mit einer Grätsche abzujagen. Fast scheint es, als trügen die Akteure die Schürfwunden und zerschrammten Knie und Schenkel wie Ehrenabzeichen zur Schau. So wirkte es jedenfalls, als die Landesschau des SWR für einen Fernsehbeitrag auf der Waldmatt drehte und blutige Blessuren tapfer in die Kamera gezeigt wurden.
„Viele auch höherklassige Gegner sind schon an der Heimstärke der Aktivmannschaft verzweifelt“, sagt der Torwart und Vorsitzende schmunzelnd. Seither ist der Sandplatz „feste sportliche Heimat des Vereins“, so Rümmele, und geradezu „identitätsstiftend“.
„Roter Dino“, diesen Begriff kreierte ein Journalist für den Häg-Ehrsberger Fußballplatz. Und dieser Begriff hat sich so weit etabliert, dass ein roter Dino tatsächlich das Festtags-Plakat des Vereins ziert. Groß gefeiert wird das halbe Jahrhundert drei Tage lang am Pflingstwochenende. Das traditionelle Grümpelturnier darf freilich nicht fehlen, wobei auch hierbei Gaudi und Geselligkeit im Vordergrund stehen. Bodenständige Musik wird es ebenfalls geben mit einer Schlager-Band aus Österreich, für die Besucher an der Abendkasse stolze 30 Euro hinblättern muss.
Der Vorsitzende wird in einer Ansprache den Vereinsgeist der SV-Pioniere hervorheben: „Seit der Gründung bis heute gab es lediglich sechs Vorsitzende. Dieter Muckenhirn, der 27 Jahre Vorsitzender des Vereins war, ist heute Ehrenvorsitzender.“ Das zeige die langjährige Kontinuität und Stabilität in der Vereinsführung. „Viele Vorstandsmitglieder waren seit Gründung in ihren Ämter und haben erst vor wenigen Jahren diese an die nächste Generation abgegeben“, berichtet Rümmele. Sportplatz mit Laufbahn und Leichtathletik sowie Anlagen für Weitsprung und Stoß- und Wurfdisziplinen, auch das Sportheim und alle Anbauten wurden über die Jahre durch großes Engagement der Mitglieder zum größten Teils in Eigenleistung errichtet. Das sei eine bemerkenswerte Leistung für einen kleinen Verein. Die Leichtathletik ist über die Zeit eingeschlafen, Fußball und Turnen sind geblieben. Der Vorstand betont den hohen Wert gerade der Jugendarbeit: „Besonders wichtig ist uns die Jugendarbeit: Wir geben Kindern und Jugendlichen eine sportliche Heimat, vermitteln Werte wie Fairness und Teamgeist und schaffen Perspektiven für die Zukunft.“
Höhendorf steht hinter SV
Das ganze Höhendorf steht hinter dem SV und der Verein prägt das Dorfleben. Nicht zu vergessen die Abteilungen Frauen- und Kinderturnen: „Sie sind ein Treffpunkt für Jung und Alt aus der ganzen Gemeinde und fördern den Zusammenhalt“, sagt der Vorsitzende. Sei es beim gemütlichen Vatertagshock, bei Wanderungen oder auch bei Altennachmittagen im Rahmen der Fasnacht - stets bürge der Verein mit seinen Aktivitäten für Geselligkeit und gutes Miteinander. So soll es auch beim großen Jubiläumswochende über Pfingsten sein.
Festprogramm
Festakt:
Das Festprogramm beginnt am Freitag, 22. Mai, um 18.30 Uhr mit dem Kreisliga-Duell SV Häg-Ehrsberg gegen TuS Kleines Wiesental II. Anschließend Festakt anlässlich des Jubiläums. Es folgt Live-Musik mit der Partyband „Die Lämma“.
Grümpelturnier und Party:
Samstagnachmittag Grümpelturnier, gefolgt von der legendären „Malle-Party“ mit DJ Timo. Am Sonntag steigt das Grümpel-Finale, begleitet von der Blaskapelle „mengmol“, bevor abends ab 20 Uhr zur großen Party mit den „Draufgängern“ aus Österreich geladen wird.