Ein Villinger Traditionsgeschäft wird 100 Jahre alt. Seit 1925 gehört das Juweliergeschäft Müller, im Volksmund „der Uhren-Müller“ genannt, zum historischen Stadtbild.
Der Uhrmacher Emil Müller gründete 1925 in der Färberstraße ein „Uhren- und Schmuckwarengeschäft“. 1946 übernahm dessen Sohn Rudolf Müller senior den Betrieb und siedelte ihn zunächst in die Rietstraße 38 und zehn Jahre später an den heutigen Standort, Rietstraße 35, direkt gegenüber dem Osianderplatz, um.
Inzwischen hat die dritte Generation übernommen. Der Uhrmacher und Goldschmiedemeister Rudolf Müller junior feiert das 100-Jährige zusammen mit vier, demnächst fünf Angestellten. Eine davon, Melinda Neugebauer, die seit 2014 zum Müller-Team gehört, hat sich der mittlerweile fast 70-jährige Inhaber vor zwei Jahren als Geschäftsführerin an die Seite geholt, um selbst allmählich kürzertreten zu können. Nach wie vor ist er aber beratend und immer wieder in der betriebseigenen Goldschmiedewerkstatt tätig, wo er mit ungebrochener Freude an Kreativität eigene Schmuckkreationen entstehen lässt.
Von Uhren verabschiedet
Aus dem „Uhren- und Schmuckwarengeschäft“ des Gründers ist inzwischen „Juwelier Müller“ geworden, denn von Damen- und Herrenarmbanduhren verabschiedete man sich ab 2018 sukzessive. „Die engen und strengen Vorgaben der Schweizer Uhrenhersteller wollten wir nicht mehr erfüllen“, erklärt Rudolf Müller diesen Schritt.
Seit über 100 000 Jahren tragen Frauen und Männer Schmuck – zunächst hergestellt aus Knochen und Muscheln – als Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Für den Träger oder die Trägerin haben Ringe, Ketten und Armreifen mit und ohne Brillanten in der Regel eine tiefere Bedeutung, sollen schützen, Kraft geben oder zwei Menschen miteinander verbinden. Trauringe sind als Symbole der Unendlichkeit eine Spezialität des Hauses Müller. Sie sollen die Paare nicht nur an ein glanzvolles Ereignis, die Hochzeit, erinnern, sondern stehen auch für Dauer und Beständigkeit, findet Rudolf Müller.
Der Hersteller August Gerstner fertigt sie in Rot-, Gelb- und Weißgold, gerne auch mehrfarbig an. Gold kann schließlich in bis zu zwölf Farbnuancen, von Elfenbein über Haselnuss bis hin zu Mond- oder Sonnenlicht zu den symbolträchtigen geschlossenen Kreisen um den Finger geformt werden.
Steigender Beliebtheit erfreuen sich Verlobungsringe. Waren sie in den 1970er-Jahren noch als spießig und altmodisch verschrien, so gehören sie als sichtbares Versprechen heute wieder dazu. Daneben konzentriert man sich bei Juwelier Müller auf Brillantschmuck von Herstellern im Premiumbereich.
Derzeit sind Ringe, Anhänger, Ohrschmuck und Halsketten eher filigran und in Kombination mit Farbsteinen besonders beliebt, zeichnet Melinda Neugebauer den aktuellen Trend auf.
Von der Geschäftsführerin wird – und darauf setzt Rudolf Müller – die Geschichte des einstigen „Uhren-Müllers“ weitererzählt. Und da sie ohne eine treue Kundschaft wohl nie so lang geworden wäre, dankt Rudolf Müller noch bis zum Jahresende mit besonderen Angeboten.