40 Jahre Kulturwerkstatt Simmersfeld, 20 Jahre Festspielhaus - gleich zwei Jubiläen gibt es zu feiern. Angefangen hat alles mit dem Kauf eines leerstehenden Bauernhauses und dem Wunsch nach einer alternativen Lebensform. Uns erzählt Gründer und künstlerischer Leiter Roland Schweizer von dem bewegten Leben der Kulturstätte.
Die Anfänge liegen 45 Jahre zurück, als drei Sozialpädagogen aus dem Raum Esslingen beschlossen, künftig alternativ und in einfachen Verhältnissen zu leben, auf Komfort und übermäßigen Konsum zu verzichten.
Nach einem Praxissemester im Jugendhaus Mettingen, in dem Roland Schweizer, lange Zeit Vorsitzender und jetzt künstlerischer Leiter in der Klturwerkstatt als Werklehrer arbeitete nahm das Vorhaben konkrete Formen an. Gemeinsam wurde nach einer Unterkunft zur Einrichtung einer sozialpädagogischen Bildungs- und Begegnungsstätte auf dem Land gesucht.
In Simmersfeld wurde ein leerstehendes Bauernhaus angeboten und im September 1980 der Kaufvertrag für das“Köllbachhaus“ unterzeichnet. Bei der aufwendigen Sanierung konnte man bei freier Kost und Logis auf die Mithilfe der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste bauen und auf Handwerker auf der Walz zurückgreifen. Angeboten wurden ein Kinderferienprogramm, Seminare, Töpferkurse und Theaterworkshops. Von den Einheimischen sei man argwöhnisch beäugt worden, blickt Schweizer im Gespräch mit unserer Redaktion zurück.
Nach und nach kam man mit ortsansässigen Jugendlichen in Kontakt und schaute miteinander in einem Beurener Gasthaus ausgeliehene Filme an. Daraus entwickelte sich im Frühjahr 1983 „Das andere Kino“ mit Vorstellungen im Simmersfelder Kursaal. Man begann sich gesellschaftlich und politisch zu engagieren mit dem Verkauf von fair gehandeltem Kaffee aus Nicaragua, einer Initiative zum Boykott der damals angeordneten Volkszählung mit Freiheitsbeschränkungen.
Kulturwerkstatt wird gegründet
Die Kultur in den ländlichen Raum zu bringen, wurde mit der Gründung der Kulturwerkstatt als Untergruppe der Bildungs- und Begegnungsstätte vorangetrieben. Auf den Tennisplätzen im Köllbachtal fand die erste Veranstaltung statt mit einem mehrstündigen Film über das Woodstock-Festival 1969 und Auftritten von Jugendbands aus der Region. Mit dabei war Werner Tomasi aus Spielberg, heute Mitglied von „Dr. Gonzo“.
Im Köllbachhaus wurde ein hinterer Raum mit Kachelofen zu einer kleinen Kleinkunstbühne ausgebaut. Erster Auftritt war das Duo „Erotic Explosion“ mit schwäbischen Spottliedern und das erste Freilichttheater fand 1997 statt. Gespielt wurde „Das kalte Herz“von Wilhelm Hauff.
Die erste Eigenproduktion über Calwerin
Mit „Gertrude Pfeifen“ , die in Calw hingerichtet wurde, folgte die erste Eigenproduktion und zwei Jahre später ein Stück, das nach mehreren Stationen im Fünfbronner Dreschschuppen endete. Immer öfter wurde danach der Wunsch laut nach einer eigenen Spielstätte.
Platz in der Ortsmitte für eigene Spielstätte
Einen Platz in der Ortsmitte von Simmersfeld könnte man bereitstellen, war das Resultat eines Gesprächs mit dem damaligen Simmersfelder und heutigen Altensteiger Bürgermeisters Gerhard Feeß. Weil beim Bau eines Theaterhauses eventuell mit Zuschüssen vom Land gerechnet werden dürfte, fuhr man gemeinsam nach Stuttgart und hatte Glück, auf einen hohen Ministerialbeamten zu treffen, der den Simmersfelder Skilift genehmigt und in Ötigheim selber Theater gespielt hatte und das nötige Verständnis aufbrachte.
Mit diesem Türöffner und der finanziellen Unterstützung von Baden-Württemberg wurde vor 20 Jahren das Festspielhaus gebaut - mit der Gemeinde Simmersfeld als Eigentümer.
Dort finden seitdem jedes Jahr mehrere Spielzeiten mit Konzerten, Kabarettveranstaltungen, Theateraufführungen, Autorenlesungen und Tanzabenden statt. Auch personell tat sich einiges.
Hindernisse konnten Erfolgsgeschichte nicht aufhalten
Dass die Kulturwerkstatt auch 40 Jahre nach ihrer Gründung trotz vieler Unkenrufe immer noch besteht, sich im ländlichen Raum etabliert hat, durch eine Außenbühne und einem Backstage-Bereich für auftretende Künstler erweiterte, Wassereinbrüche, Stürme mit einem abgedeckten Festspieldach als Folge verkraftet hat und bis heute auf viele ehrenamtliche Mitarbeiter zählen kann, grenzt für Roland Schweizer fast an ein Wunder.
Um die Zukunft der Spielstätte in der 2000 Einwohner zählenden Gemeinde ist ihm und seinen Nachfolgern deshalb nicht bange.