Sigrid Ebert-Schmid, Heimatforscher Michael Kolinski und ein Vertreter des Historischen Vereins Foto: Ziechaus

In diesem Jahr feiert die Seelsorgeeinheit Kloster Wittichen das 700-jährige Bestehen des Klosters in dem engen Vortal in Schenkenzell. Heimatforscher Michael Kolinski blickte bei einem Vortrag auf die Historie des Klosters.

In einem Vortrag des Historischen Vereins Mittelbaden stellte Heimatforscher Michael Kolinski aus Hausach die wechselvolle Geschichte des Klosters im voll besetzten Klostersaal im Langenbau vor. Der Historiker hatte die spärlichen Aufzeichnungen und Berichte aufgearbeitet und konnte für 1324 die Gründung einer Klause durch Luitgard unterhalb der aufgelassenen Burg Wittichenstein feststellen.

 

Ein Jahr später wurde die einfache Klause mit 33 Schwestern geweiht, brannte aber schon 1327 nieder. Die Bauerntochter Luitgard hatte schon 20 Jahre im Beginenkloster Oberwolfach gedient, als sie den göttlichen Auftrag erhielt, in einer Wüste ein Haus für Gott zu bauen. Im unerschlossenen Schwarzwald fand sie ihre Einöde oder Wüste in den für den Bergbau abgeholzten Hängen um die Burg Wittichenstein.

Mit Unterstützung der Fürsten von Geroldseck und der Königin Agnes aus Ungarn konnte sie die erste Klause bauen, die dann auch die päpstliche Bestätigung erhielt. Um 1330 wurde mit Almosen eine Klosterkirche gebaut und geweiht, in der unter der Empore die Grabanlage von Luitgard liegt. Die Klostergründerin starb am 16. Oktober zwischen 1347 und 1349, wobei das Todesjahr ungeklärt ist.

Grablege für Adlige

Seit 1339 wurde das Kloster auch als Grablege für Adlige genutzt, wie verschiedene Grabplatten und Wappen von Adelshäusern wie Geroldseck und Urslingen zeigen. Einschränkungen gab es durch die Reformation und Plünderungen und Brände im 30-jährigen Krieg. Als 1629 ein Franziskanerpater den Sarg von Luitgard öffnete, fand er neben dem verwesten Leichnam in der intakten Hirnschale „das ganz frische Hirn“, wie in einem Protokoll festgehalten wurde. Diese Kunde verbreitete sich sehr schnell und führte zur besonderen Verehrung von Luitgard bis hin zum Namenszusatz „selige“ und zu Wallfahrten zum Kloster.

Das Kloster Wittichen feiert in diesem Jahr 700-jähriges Bestehen. Foto: Ziechaus

Noch heute wird in Wittichen der Todestag am 16. Oktober als Luitgardtag gefeiert. Mit der Säkularisierung 1802 wurde das Kloster aufgehoben und aller Besitz und Grund ging an das Fürstenhaus Fürstenberg über. Die Nonnen durften noch im Langhaus wohnen, aber ein Teil der Gebäude wurde nach 1850 abgerissen bis auf die Kirche, das Langhaus und der Klosterstall. Der lange Bau wird heute als Gemeindehaus genutzt und von einer Einsiedlerin bewohnt.

Am Sonntag, den 13. Oktober, wird das Luitgardfest mit Andacht und einer Prozession in Wittichen gefeiert.