Vorsitzender Anton Müller erfreut sich an den Projekten des OGLs „Grüner Baum“. Foto: Dillmann

Seit 30 Jahren besteht der Obst-, Gartenbau- und Landschaftspflegeverein „Grüner Baum“ nun schon in Leidringen. Zum Jubiläum gibt‘s tatkräftige Projekte.

„Es geht nicht um das Riesenfest, das ist nicht das Entscheidende“, erklärt Vorsitzender Anton Müller. „Wir möchten eine Rundumerneuerung.“ Nach dem 30-jährigem Bestehen kann schon mal das ein oder andere Projekt einschlafen. Doch der Obst, Gartenbau- und Landschaftspflegeverein „Grüner Baum“ (OGL) meldet sich rechtzeitig zum Jubiläum nicht nur mit seinen geschichtlichen Wurzeln, sondern auch mit ganz viel frischem Wind zurück.

 

„Vor drei Jahren haben wir gesagt: Wir müssen wieder starten und alles in einen ordentlichen Zustand versetzen“, berichtet der Vorsitzende, der mit seinen 65 Jahren ungewöhnlicherweise für einen Gartenbauverein der älteste ist. „Wir sind richtig jung und ich bin unwahrscheinlich glücklich, dass der Ausschuss mitzieht.“

168 Obstbäume gepflanzt

Der Start im Jahr 1996 war von beachtlichem Tatendrang geprägt. „Zur Flurbereinigung wurden in der Anfangszeit unzählige Heckenpflanzungen vorgenommen“, erinnert sich Müller. „Außerdem wurden 168 Obstbäume entlang von Wegen auf Gemeindegrundstücken gepflanzt, die wir 25 Jahre lang unentgeltlich für die Stadt gepflegt haben. Das ist eine unwahrscheinlich große Aufgabe.“

Damals wurden außerdem die „Junabes“ ins Leben gerufen, also die „jungen Naturbegeisterten“, die es bis heute gibt. Drei- bis fünfmal im Jahr kommen die Jugendlichen gemeinsam mit der Jugendleitung zusammen, um sich für die Natur zu begeistern – „und natürlich um Obst zu essen.“

Der Wildobstlehrpfad trägt mittlerweile Früchte. Foto: Dillmann

Zum Programm gehört die Teilnahme an Landeswettbewerben. 2002 gingen die Leidringer Junabes erstmals als Landessieger hervor, nämlich mit dem Wildobstlehrpfad, der mittlerweile Früchte trägt. Aufgestellt sind Mispel, Zierquitte, Zibarte, Wilde Heckenrose, Essbare Eberesche, Speierling, Sanddorn, Elsbeere, Edelkastanie und Kornelkirsche – selbstredend mit je zwei bis vier Gewüchsen, um sich gegenseitig befruchten zu können. Die nächste Elsbeere gibt es nämlich nach Müllers Kenntnisstand erst im Gemeindewald Heiligenzimmern – was selbst für fleißige Bienchen eine zu ambitionierte Flugstrecke ist.

„Man muss den Samen früh legen und irgendwann zahlt es sich aus“, weiß der ehemalige Förster. Eine Lebensphilosophie, die wohl nicht nur Menschen mit Garten zugute kommt, sondern auch einer nachhaltigen Gesellschaft.

Beschilderung mit QR-Code

Dazu kann man ebenso das ausgewiesene Ziel des OGLs zählen, das Obst in Wert zu setzen und Streuobstwiesen als landschaftsprägendes Element zu erhalten. Immerhin werden vom Verein über 350 Obstbäume gepflegt. Auch die vor 25 Jahren gepflanzten sind mittlerweile voll im Ertrag.

Glücklicherweise ist ein Großteil davon gewissenhaft kartiert, denn von nun an sollen alle Bäume mit Schildern versehen werden. Das Besondere? Darauf findet sich nicht nur die Bezeichnung der Sorte, sondern auch ein QR-Code, der digital über das Smartphone alle relevanten Informationen, wie etwa Möglichkeiten der Verwendung und Erntezeit, ausgibt. „Die ganze Markung wird zum Lehrpfad“, zeigt sich Müller begeistert. Die ersten 30 Schilder wurden beim Helfertag Ende März bereits angebracht.

Bäume sollen am Lehrpfad mit QR-Codes versehen werden. Foto: Dillmann

Digital ist der Verein übrigens nicht nur in Sachen Obstsorten unterwegs. In einer eigenen WhatsApp-Gruppe werden die Mitglieder immer auf den neusten Stand gebracht – nicht nur organisatorisch, sondern ganz praxisorientiert. Instagram soll folgen. Da trudeln Nachrichten ein, wie etwa „Jetzt ist es ideal, Paprika zu pflanzen“ oder „So könnt ihr jetzt aus reifen Hagebutten Tee machen“ – und anschauliche Bilder gibt‘s obendrein.

Effektiv wird es dann, wenn die Mirabellen reif sind und der Verein dank Verkündung den Großteil unter die Menschen bringt, statt dass sie auf dem Boden verrotten. Zur Apfel-Ankündigung gab es noch prompt das passende Apfelkuchen-Rezept dazu. Abzuholen war das Obst im vergangenen Jahr kostenlos an fünf Donnerstagabenden vor dem Vereinshäusle. Auch hierbei wurden neue Mitglieder gewonnen. Vorausgesetzt einer guten Ernte, soll die Aktion in diesem Herbst wiederholt werden.

Mitgliederzahl ist gestiegen

All das entfaltet seine Wirkung. Ausgehend von 111 Mitgliedern im Jahr 2023, sind es mittlerweile schon rund 150. Zudem hat der Ausschuss des OGLs Leidringen eine Altersstruktur von durchschnittlich 49 Jahren vorzuweisen, bei einer Spanne von 33 bis 75 Jahren. „Es geht nicht mehr nur ums Baumschneiden, sondern auch um Gartenbau“, erklärt der Vorsitzende. „Wenn man hört, dass ein Verein nach dem anderen die Ausschüsse nicht voll bekommt, macht mich das traurig. Umso mehr bin ich froh, dass wir den Sprung in die Jugend geschafft haben.“

Wer den motivierten Verein nun also unbedingt persönlich kennenlernen will, sollte sich den 13. September vormerken. An diesem Tag ist nämlich nicht nur der Radtag. Gemeinsam mit der Kirchengemeinde stemmt der OGL die Bewirtung und lädt zur Jubiläumsfeier auf dem Vogtshof in Leidringen ein. Müller verrät bereits: „Es wird eigenen Apfelsaft geben, einen Jubiläums-Birnen-Secco, der aktuell in der Produktion ist, und ein interessantes Speiseprogramm.“ Für Unterhaltung dürfte das an die gleichnamige Fernsehshow angelehnte „Spiel ohne Grenzen“ sorgen.