Zur Feier seines 90-jährigen Bestehens hatte der Posaunenchor Pfalzgrafenweiler zum Festkonzert in die Jakobskirche eingeladen. Foto: Waltraud Günther

Seinen 90. Geburtstag feierte der Posaunenchor Pfalzgrafenweiler mit einem Kirchenkonzert. Wer verstaubte Bläserliteratur erwartet hatte, sah sich getäuscht.

Eine bunt gemischte, jung gebliebene Spielgemeinschaft hat in der Jakobskirche in Pfalzgrafenweiler mit ihrem flotten Repertoire und überzeugenden Klängen den zahlreich erschienenen Besuchern einen vergnüglichen und abwechslungsreichen Konzertabend beschert.

 

Eröffnet wurde der Festabend des Posaunenchors zum 90-jährigen Bestehen von der Jugendkapelle unter der Leitung von Moritz Randecker. Mit ihrer erfrischenden Interpretation von „Kling, Glöckchen“ und „Der kleine Trommeljunge“ sorgten 18 hoch motivierte Jugendliche für den ersten Höhepunkt des Festabends – und bewiesen damit zugleich, dass die enge Kooperation mit der Bläserklasse reiche Früchte trägt.

Aber auch beim weiteren musikalischen Programm kamen die Besucher voll auf ihre Kosten. Unter dem Motto „Wir spielen Lieblingsstücke der vergangenen Jahrzehnte“ präsentierte jedes Mitglied des Posaunenchors unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum seinen Favoriten.

Von Chorälen bis zu Swing und Jazz ist alles dabei

Kein Wunder also, dass die aus dem Posaunenchor Pfalzgrafenweiler und Musikverein Pfalzgrafenweiler bestehende Spielgemeinschaft so mit einem bunt gemischten, abwechslungsreichen Programm aufwarten konnte: Von klanggewaltigen Chorälen bis zu Swing- und Jazzklängen war alles dabei. Gespielt wurden Stücke von „Celtic Crest“ über das Arrangement „Er kommt“, das mit Anklängen an „Ehre sei Gott in der Höhe“ überraschte, bis zu „Lobe den Herren“. Mit „Der Frieden gibt in der Höh“ fehlte auch ein Klassiker der neueren Bläserliteratur nicht, ebenso wenig „Das Privileg“, „Yellow Mountain“ und der schwungvolle „Peacherine Rag“ von Scott Joplin.

Mit „Build your Kingdom“, „White Christmas“, „O du fröhliche“ und der Segensstrophe „Möge die Straße“ endete ein bemerkenswerter Konzertabend. Für den verhinderten Hauptdirigenten Daniel Schanz hatten abwechselnd Karl-Helfried Rath und David Emanuel das Dirigat übernommen. Emanuel hatte auch die Arrangements erstellt und die Noten transponiert.

In seiner Ansprache würdigte Pfarrer Hans Jürgen Schlue das große Engagement aller Akteure und bedankte sich für deren Einsatz. Ausgehend von Psalm 98 „Jauchzet dem Herrn alle Welt“, dankte er dafür, dass der Posaunenchor seit 90 Jahren fester Bestandteil des Gemeindelebens sei und seither mit Feuereifer verkünde, dass der Erlöser kommt.

Rolf Gall seit 76 Jahren aktives Mitglied

Als Landesreferentin für Posaunenarbeit beim Evangelischen Jugendwerk Württemberg oblag es Stephanie Luipold, die Ehrungen vorzunehmen. Für sein herausragendes ehrenamtliches Engagement ehrte sie besonders Rolf Gall. In den 76 Jahren seiner aktiven Mitgliedschaft im Posaunenchor Pfalzgrafenweiler habe er treu und zuverlässig insgesamt mehr als 3500 Probenabende besucht.

Im Namen des gesamten Posaunenchors bedankte sich anschließend Karl-Helfried Rath beim Musikverein Pfalzgrafenweiler für die gute, fruchtbare und harmonische Zusammenarbeit. Angefangen bei den gemeinsamen Proben am Mittwochabend im Proberaum des Musikvereines bei der Festhalle bis zu den gemeinsamen Auftritten bei Dorffesten, beim musikalischen Dorfrundgang am 1. Mai, den Gottesdiensten und der gemeinsamen Unterstützung der Bläserklasse der Grundschule.

Auf die Geschichte des Posaunenchors Pfalzgrafenweiler gingen anschließend Klaus Gall und – als Enkelin eines Gründungsmitglieds – Tanja Theurer ein. Eine Bildpräsentation mit Fotos aus den vergangenen Jahrzehnten sowie der anschließende Ständerling beendeten die gelungene Feier.

Posaunenchor stellt sich erfolgreich immer wieder Herausforderungen

Die Geehrten
In der Feierstunde zum 90-jährigen Bestehen des Posaunenchors Pfalzgrafenweiler wurden geehrt: Rolf Gall (für 76 Jahre), Ulrich Renz (63 Jahre), Karl-Helfried Rath (54 Jahre), Klaus Gall (49 Jahre), Frank Günther (43 Jahre), Tanja Theurer (40 Jahre), Stefan Leipersberger (30 Jahre) und David Emanuel (15 Jahre). Mit einer Jungbläserurkunde wurde das Engagement von David Appel, Jannis Kalmbach, Elea Lutz und Maximilian Zabel gewürdigt.

Die Geschichte
Unter schwierigen Bedingungen gründeten im September 1935 sieben Männer aus Pfalzgrafenweiler einen Posaunenchor. Geprobt wurde am Samstagabend in der Schreinerei Stöhr in der Lange Straße. Da damals der Samstag ein normaler Arbeitstag war, fanden die Musikfreunde dort am Abend einen geheizten Probenraum vor. Schon an Weihnachten 1935 bereicherte der junge Posaunenchor den Gottesdienst. Die kleine Gruppe war auch weiterhin rührig, denn bereits 1936 wurde der Bezirksposaunentag in Pfalzgrafenweiler abgehalten. Bald gehörten 17 Spieler dem Verein an. Der Krieg machte auch vor dem jungen Verein nicht halt. Neun gefallene Bläserkameraden waren zu beklagen. Trotz allem gelang 1946 der Neubeginn. Überliefert ist, dass sich die Mitglieder 1955 beim Bau des Gemeindehauses tatkräftig einbrachten. Nachdem seit einigen Jahren im Posaunenchor und im Musikverein Pfalzgrafenweiler die Zahl der aktiven Spieler stark rückläufig war, entschlossen sich beide Vereine im Jahr 2023, eine Spielgemeinschaft zu bilden. Seither ist man in Pfalzgrafenweiler gemeinsam musikalisch unterwegs, in gutem Miteinander und in Harmonie. Auch was die Nachwuchsförderung anbelangt: So stellt der Posaunenchor der Bläserklasse der Grundschule die benötigten Blechblasinstrumente und der Musikverein die Holzblasinstrumente zur Verfügung.