Zum Jubiläum ist am 6. und 7. Juli ein zweitägiges Fest mit Musik und historischem Umzug durch den ganzen Ort geplant. Rechtzeitig zur 300-Jahr-Feier soll auch noch der Jubiläums-Rundwanderweg eingeweiht werden.
Edelweiler, auch Edelfeld genannt, ist mit etwas mehr als 230 Einwohnern einer der kleinsten Teilorte der Gemeinde Pfalzgrafenweiler. Doch in diesem Jahr steht den Einwohnern ein Großereignis bevor: Am Samstag und Sonntag, 6. und 7. Juli, feiert der Ort sein 300-jähriges Bestehen mit einem großen Jubiläumsfest. Bereits seit Monaten ist der Festausschuss – bestehend aus Mitgliedern des Ortschaftsrates, der Feuerwehrabteilung, des Heimatvereins sowie Kirchengemeinderäten – am Planen und Organisieren.
Fast auf den Tag genau 301 Jahre ist es am Festwochenende dann her, als am 8. Juli 1723 „sechs arme Unterthanen mit fußfälligem Gemüt“ ein Schreiben an Herzog Eberhard Ludwig in Ludwigsburg verfassten, mit der Bitte im „Edelföld“ auf einem abgebrannten Stück Wald siedeln zu dürfen, mit dem Argument „weillen wir keine eigene Herberg haben, auch keinen Schuhbreit, etwas zu bauen, damit Weib und Kinder zu nähren“.
1724 entsteht „Edelweyler“
Am 16. Oktober 1724 erließ der Landesherr den erforderlichen Fundationsbefehl, der den Bittstellern aus Grömbach, Garrweiler und Pfalzgrafenweiler die Gründung von „Edelweyler“, wie die Kolonie im Altensteiger Forst heißen sollte, gestattete. Ganze sechs Haushaltungen durften gebaut werden. Dennoch wuchs die Kolonie schnell. Und das, obwohl die kargen Böden nicht viel abwarfen und sich die Kolonisten ein Zubrot als Kohlen- und Kienrußbrenner oder als Holzfäller verdienen mussten. Wahrscheinlich hat sich auch der ein oder andere unerlaubterweise am reichen Wildbestand im Weiler Wald bedient. Dass die Einwohner von Edelweiler den Spottnamen „Hirschkappa“ bekamen, scheint zumindest darauf hinzudeuten.
Vom Oberamt Altensteig zum Oberamt Freudenstadt
Bereits 1817 zählte der Ort, der nach der Auflösung des Oberamts Altensteig dem Oberamt Freudenstadt zugeordnet wurde, 214 Einwohner. Die Feldfläche hatte sich seit der Gründung durch Rodung von 153 auf 312 Morgen Land nahezu verdoppelt.
Von 1839 bis 1967 gab es in Edelweiler eine eigene Schule, ab 1873 sogar ein eigenes Ortsgefängnis hinter dem Schul- und Rathaus. Drei Jahre später war die erste Wasserleitung fertig, die die Brunnen im Ort wie auch die Hausleitungen mit frischem Wasser speiste. Vermutlich seit 1877 verfügt der Ort über eine Feuerwehr und seit 1911 über eine Stromversorgung. 1969 wurde schließlich das Wasserreservoir gebaut, das noch heute die Einwohner mit Trinkwasser versorgt.
Eingemeindung erfolgt 1972
Ein großer Meilenstein in der Geschichte des Ortes war 1972 die Eingemeindung. Fortan war Edelweiler nicht mehr selbstständig, sondern Teilort der Gemeinde Pfalzgrafenweiler. In den Folgejahren wurde ein neuer Friedhof außerhalb des Ortes angelegt, das Baugebiet „Obere Gärten“ in zwei Abschnitten wurde erschlossen, sämtliche Straßen – außer dem Teichweg – wurden saniert. Das Flurbereinigungsverfahren brachte auch einen Spielplatz in der Ortsmitte und ein gut angelegtes Wegesystem rings um den Ort. Und in das denkmalgeschützte ehemalige Schulhaus, das samt Feuerwehrhaus komplett saniert wurde, zog die Ortschaftsverwaltung ein.
Infotafeln erzählen aus der Geschichte
Zum 300. Geburtstag wird derzeit ein Jubiläums-Rundwanderweg angelegt, der noch vor der 300-Jahr-Feier eingeweiht werden soll. Er wird vom alten über den neuen Friedhof und das Wasserreservoir, dann am Waldrand entlang zur Gedenkstätte, die an den Absturz zweier US-Militärflugzeuge im Jahr 1955 erinnert, und weiter zum Regenüberlaufbecken führen.
Von dort aus wird der Jubiläums-Rundwanderweg unterhalb von Edelweiler entlang wieder zurück zum Ausgangspunkt führen. Infotafeln werden über die Geschichte von Edelweiler informieren, und Himmelsliegen sowie Sitzgelegenheiten dazu einladen, einen Blick auf Edelweiler und die Landschaft ringsum zu werfen.
Festprogramm
Samstag, 6. Juli
Um 16 Uhr beginnt der öffentliche Festakt im Zelt beim Heimatmuseum. Ab 20 Uhr sorgen dort die „Schwarzwald Buam“ für Stimmung.
Sonntag, 7. Juli
Nach dem Festgottesdienst um 10.15 Uhr im Zelt wird ab 11.30 Uhr zu Musik der Stadtkapelle Dornstetten ein Mittagessen serviert. Ab 14 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen. Höhepunkt der 300-Jahr-Feier ist ein historischer Umzug mit zahlreichen Gruppen aus Städten und Gemeinden der Landkreise Freudenstadt und Calw vom Friedhof durch Ortsmitte und Neubaugebiet zum Festgelände beim Heimatmuseum. Im Zelt sorgt ab 16 Uhr der Musikverein Pfalzgrafenweiler für Unterhaltung. Das Kinderprogramm startet auch um 16 Uhr.