175 Jahre Schwäbischer Chorverband schlagen sich auch in Oberndorf nieder.
Zur Feier des 175-jährigen Bestehens des Schwäbischen Chorverbands (SCV) hatte der Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg in die ehemalige Augustiner-Klosterkirche in Oberndorf geladen.
Dieter Kleinmann, der Vorsitzende des Regionalverbandes, begrüßte die Gäste am Samstagabend und versprach, dieses Konzert zeige die ganze Spannweite der Chormusik. Nicht alle 71 Chöre des Regionalverbandes würden auftreten, sondern ein Jugend-, ein Pop-, ein Männer- und ein gemischter Chor.
Sogar in der Bewirtung singt Musik mit
Dieter Kleinmann stellte kurz Katharina Raible vom Gesangverein Rietheim vor, die die zahlreichen Besucher – darunter Bürgermeister Matthias Winter, SCV-Präsident Jörg Schmidt, der Erste Landesbeamte Hermann Kopp und der frühere Landtagsabgeordnete Josef Rebhan – durch den Abend führen würde. Ein Dank ging an die „Frohsingers“ aus Oberndorf, die für die Bewirtung sorgten.
Reifrock und Frack künden vom Alter
Katharina Raible ging in der Geschichte ein wenig zurück und meinte, in der Zeit, als der SCV gegründet wurde, hätten die Damen Kleider mit Reifröcken und die Herren Frack und Zylinder getragen. Vieles habe sich geändert: Heute sind nicht mehr die Männerchöre dominant, es gebe Frauen-, Männer-, Jugend-, Pop-, Projekt-, Gospel- und Kirchenchöre, welche Chormusik von klassisch bis poppig pflegten.
13 Chöre wirken mit
Für das Jubiläumskonzert hätten zusammen 13 Chöre am Programm mitgearbeitet. Eine Combo mit Thomas Schneider (Keyboard), Valentin Schneider (E-Bass) und Ralf Reiter (Percussion) würden die Sängerinnen und Sänger unterstützen.
Den Anfang machte dann der Mädchenchor Rottweil mit dem B-Chor (Kindergartenkinder bis zu vierten Klasse) und dem A-Chor ab der fünften Klasse mit ihrem Chorleiter Andreas Puttkammer, am Flügel begleitet von Gerlinde Puttkammer. Schon im ersten Lied zeigten die Jüngsten eine erstaunliche Stimmführung und eine ebensolche Disziplin. Man merkte ihnen an, dass ihnen das Singen Spaß machte.
Musikalische Bildung nicht nur hörbar
Am A-Chor konnte man Früchte der grundlegenden Arbeit erhören. Ob die Jüngsten ihre Lieder mit großer Pfiffigkeit oder mimisch begleitet vortrugen, es machte Freude sie und ihre älteren Chorfreundinnen zu hören und zu sehen. Zu den Höhepunkten zählten gewiss das Lied der kleinen Stadt, die müde ist, dann „Buona notte“ von W. A. Mozart und „Tula tula“, ein afrikanisches Kinder(wiegen)lied.
Das „Sitting on the Floor“, wörtlich genommen, hat dem B-Chor bestimmt am meisten Freude gemacht.
Ausgezeichnete Textverständlichkeit
Von den jüngsten Sängerinnen bis zu den Erwachsenenchören war von allen Mitwirkenden eine ausgezeichnete Textverständlichkeit zu hören.
Für die Abteilung Pop haben sich die „Vöhringer Voices“, der Popchor Winzeln und das Holzhausener Chörle unter der Dirigentin Judith Abele-Rothenhäusler zusammengeschlossen. Vom ersten Ton an wurde ein Pop-Gefühl in die Klosterkirche gezaubert.
Ohrwurm der besonderen Art
Am Anfang dieser Lieder der Moderne stand das köstliche Streitgespräch „Hit the Road, Jack“. „Applaus“ fügte sich nahtlos an. Schon aus diesen Beiträgen wurde klar, dass hier Pop erfühlt wurde. Mit Michael Jacksons „Heal the World“ kamen ernstere Züge in das Repertoire. Ein Ohrwurm der besonderen Art sollte die Gattung Pop beenden: „Thank You for the Music“ von ABBA. Dieser Werbung für den Chorgesang war nichts hinzuzufügen – außer einem großen Applaus.
Nun war Zeit, sich dem Kern des Chorgesangs, dem Männerchor, zu nähern. Der Männergesangvereine (MGV) Reutin, Bösingen und Fluorn hatten sich zusammen auf diese Konzert vorbereitet. Elisabeth Kreuzer dirigierte den erstaunlich großen Chor beim Festabend. Das Programm reichte vom Volkslied „In einem kühlen Grunde“ über die Klassik – „Die Nacht“ von Franz Schubert – bis „Ihr von morgen“ einem Lied von Udo Jürgens und „Auf uns“, von Andreas Bourani.
Große Besetzung schafft große Dynamik
Die große Besetzung erlaubte natürlich der Dirigentin hohe Ansprüche, vor allem an die Beachtung der Dynamik, zu stellen. Es konnte sich ein exzellenter Klang einer jeden der vier Stimmen entwickeln. Bei den doch sehr unterschiedlichen Liedern war schön zu hören, dass ihr Charakter erhalten blieb. Zu diesem Ergebnis trug die Combo ein großes Stück bei.
Nach der Pause setzte der „Gemischte Chor“ das Programm fort. Mehr als 80 Sänger aus den Gemischten Chören Rottweil, Rötenberg und Villingendorf, dem MGV Holzhausen und dem „Liederkranz“ Neufra waren hier unter Leitung von Dennis Heitinger, der auch Chorverbandsmeister ist, vereint.
Mit dem fröhlichen, recht keck gesungenen „Hab Sonne in Herzen“ wurde dieser Zyklus eröffnet. Bei „Erlaube mir, feins Mädchen“ von Johannes Brahms wurde der Klang der Romantik vermittelt. Wie auch bei Friedrich Silchers „Hab oft im Kreise meiner Lieben“.
Werbung durch eigenes Tun
Fast als Werbelied für den Chorgesang intonierte der gemischte Chor „Mit Singen wird alles wieder gut“. Und nach „Drei schöne Dinge fein“ von Daniel Friderici sollte ein Stück ganz anderer Art den Schlusspunkt setzen: die moderne Schwabenhymne „Mir im Süden“ von Patrick Bopp.
Großer Applaus lohnte den gemischten Chor.
Auch das Publikum singt am guten Ende mit
Jetzt aber hatte Dennis Heitinger eine Überraschung parat: ein gemeinsames Singen – vierstimmig! Dazu wurde das Publikum „gevierteilt“: Jedem Block sang der Dirigent die zugewiesene Stimme des Liedes „Wir singen alle im Chor“ vor, und schließlich entstand ein recht ordentliches Ganzes, gut zu hören. Das Schlusslied, extra dafür komponiert, „Ich bin ganz Chor, ich hab Musik im Ohr“ setzte ein gutes Ende.
Musik im Ohr
Nun dankte Dieter Kleinmann allen Beteiligten und überreichte an die Moderatorin, die Dirigentinnen und den Dirigenten kleine Präsente. Präsident Jörg Schmidt dankte für die Einladung und die gelungene Durchführung dieser Veranstaltung zu 175 Jahre Schwäbischer Chorverband. Zum Abschluss versammelten sich alle Sängerinnen und Sänger zu einem Riesenchor, um das Schlusslied „Ich bin so froh, ich hab Musik im Ohr“ anzustimmen. Stimmkräftig gaben die Männerchöre noch eine letzte Zugabe zum endgültigen Finale.