Die Awo in Oberndorf blickt auf ein dreiviertel Jahrhundert zurück – und nach vorn: Schon in naher Zukunft wird es eine Veränderung geben.
Seit einem Dreivierteljahrhundert gibt es den Ortsverein Oberndorf der Arbeiterwohlfahrt, kurz: Awo. Eigentlich schon ein bisschen länger, doch nachdem im vergangenen Jahr allzu viele Jubiläen und Feiern in Oberndorf anstanden, entschloss sich der Vorstand, den runden Geburtstag in diesem Jahr zu feiern.
Das beste Spätsommerwetter am Freitagvormittag war zwar nicht buchbar, passte aber hervorragend zur kleinen Feierstunde auf dem Schuhmarktplatz vor dem „Kontor“, dem Laden, den die Awo im August 2012 von der Stiftung Lernen, Fördern, Arbeiten – diese hatte Mitarbeiter wie Mietvertrag bereits gekündigt – übernommen und mit Erfolg auch durch schwierige Zeiten geführt hat. Und es ist vielleicht dieser Laden, den die meisten in Oberndorf vor Augen haben, wenn sie „Awo“ hören.
Hilfe in „harter Bedrängnis“
Dabei hat das Engagement viele Gesichter und durch die Zeiten auch unterschiedliche Schwerpunkte. Gleich geblieben ist eines: „Erfolgreich“ gewesen zu sein heißt für die Aktiven und die Spender im Hintergrund: helfen gekonnt zu haben. Wie, das stand zum Beispiel im Schwarzwälder Boten vom 4. März 1958. Dort wurde anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Ortsvereins über eine Sammelaktion berichtet – und über Anna Schäfer. Sie war 1948 von der Landesgeschäftsstelle zur Gründung eines Ortsvereins in Oberndorf animiert worden.
Wohl mit Erfolg: „Ha da ganget ’se nur zur Frau Schäfer, die hilft eahne!“, schrieb die Zeitung 1958 und erklärte, dass dies in Oberndorf „schon so etwas wie ein geflügeltes Wort und für viele verschämte Arme zu einem kräftigen Rettungsseil aus harter Bedrängnis“ geworden sei.
Familienhilfe kommt in den Fokus
Hans Häckel, heute Vorsitzender des Ortsvereins, erinnerte bei der Feierstunde auch an andere Facetten, etwa die Familienhilfe, die in zahllosen Mutter-Kind-Kuren manifest wurde, oder die vielen Stadtranderholungen „für Kinder aus Familien, die sich keinen Urlaub leisten konnten oder einfach nicht aus Oberndorf rauskamen.“ Weitere Aktivitäten waren „Essen auf Rädern“, „Mobiler sozialer Dienst“ und eine Suchtberatung. Nach dem Wegfall des Zivildienstes waren diese Engagements finanziell nicht mehr zu stemmen.
Das Gebrauchtwarenhaus am Schuhmarkt
Dafür kam das „Kontor“ ins Portfolio, zwei Jahre später der Laden gegenüber, in dem man acht Jahre lang gebrauchte Möbel anbot und seit 2016 auf Anregung der Initiative „Offene Hände“ gebrauchte Kleidung verkauft. Der Ortsverein Oberndorf ist zudem einer der vier Gesellschafter der AWO soziale Dienste gGmbH Rottweil, die im Landkreis zwei Pflegeheime, die Sozialstation Rottweil/Schramberg, die Wohnungsnotfallhilfe in der „Spittelmühle“ in Rottweil und an den Standorten Tuttlingen und Schwenningen sowie eine Schuldnerberatung unterhalte.
„Hilfe, wo Hilfe benötigt wird“
Auch Mirko Witkowski, der Awo-Kreisvorsitzende, lenkte den Blick neben der Frage, weshalb es „in einem reichen Land wie Deutschland immer noch so viele Menschen in Not gibt“, und der öffentlichkeitswirksamen Arbeit der Kollegen in Oberndorf auf anderes: „Helfen, wo Hilfe benötigt wird“, sei der Ansatz, und: „Ihr seid Ansprechpartner für Menschen in Not, euer Einsatz ist selbstlos und von großer Solidarität geprägt“, unterstreicht er.
Und Bürgermeister Matthias Winter, der die Glückwünsche der Stadt überbrachte, betonte, dass er die Awo Oberndorf schon während seiner Wahlkampfs kennengelernt und beispielsweise den Kleiderladen als „wertvolles“ Engagement sehe. Vom Nachbarverein Rottweil war Walter Tümmler nach Oberndorf gekommen – ganz seltener Ausnahmefall: mit einer Spende. Denn normalerweise gebe es keine gegenseitigen Spenden, aber bei diesem Jubiläum…
Bewährte Kooperation und Neues vom Gebrauchtkleiderladen
Zur Feier des Tages gab es noch Häppchen, die von der Ivo-Frueth-Schule geliefert worden waren – eine bewährte Kooperation, wie Häckel erklärt.
Dann konnten die die Gäste den Kleiderladen besichtigen, der allerdings nicht mehr lange so heißen wird, denn zum Jubiläum war auch zur Abgabe von Namensvorschlägen aufgerufen worden. Der neue Name wird bald „enthüllt“.