Diese „Boygroup“ überspannt Generationen und hat keine Nachwuchssorgen. Dabei ist der Männergsangverein Hochmössingen mit einem ganz anderen Ziel gestartet.
In der vollbesetzten Halle feierte der MGV Eintracht Hochmössingen den Festakt zum 150-jährigen Bestehen als würdige erste von vier Veranstaltungen im Jubiläumsjahr mit Gesang, Gratulanten und Geselligkeit.
Vom Theaterverein mit Gesangsabteilung entwickelte sich der MGV seit der Gründung 1867 zum heutigen Erscheinungsbild mit 32 aktiven Sängern, die teilweise sogar über drei Generationen vom Enkel bis zum Großvater aus einer Familie stammen. Über Sängerwerbung und Chorprojekte nach der Corona-Zeit war es gelungen, neue und vor allem jüngere Sänger zu gewinnen. Das Programm nach der Totenehrung auf dem Friedhof war eine Mischung aus Liedvorträgen, Grußworten und Ehrungen. Es enthielt auch kleine Anekdoten und amüsante Einblicke hinter die Kulissen.
Aus zwei mach eins zum Finale
Im Jubiläumsjahr unter dem Motto „Heimat“ begeisterte der Gastgeber mit Chorleiterin Anja Hirt unter anderem mit dem „Dorfrocker“-Hit „Im Dorf, wo ich geboren bin“, dem Bass-Solist Gerd Baier die Krone aufsetzte, „Alt wie ein Baum“ von den „Puhdys“ und dem „Hochmössinger Heimatlied.“ Der „Chor für alle“ aus Sigmarswangen brachte musikalisch die Sonne und den Frühling mit. Hirt sollte am Ende beide Chöre zu einem imposanten Abschluss mit mehr als 50 Männern und Frauen vereinen.
Fotos und Archivgegenstände verdeutlichten die Entwicklung des hiesigen Chorwesens sowie den Stellenwert des Vereins im Ort. Der Vorsitzende Hans-Jörg Krämer zeigte sich überwältigt von der positiven Besucherresonanz und erntete für seine launige Festansprache mehrfach Zwischenapplaus. „Wo sonst reicht das Altersspektrum der Aktiven von 18 bis 85 Jahren?“
Der MGV sei „die langjährigste Boygroup der Region“, im Dorfleben „so fest verwurzelt wie die Nationalerbe-Linde“ an der Agatha-Kapelle und doch offen für Neues. Er paare den Enthusiasmus der Jugend mit Erfahrung und leiste mit dem „Goschmale-Stüble“ als Treffpunkt für Jung und Alt einen wichtigen Beitrag gegen Entfremdung und Vereinsamung. Kurzum: „Wir sind ein toller Haufen.“
„Lebenslange Liebe“
Der Schirmherr, Oberndorfs Bürgermeister Matthias Winter, ordnete das Gründungsjahr 1876 in die Zeitgeschichte ein. Er stellte fest: „Musik kann eine lebenslange Liebe sein.“ Oft stünden bestimmte Lieder noch Jahre später für die Erinnerung an besondere Momente im Leben. Den Männergesangverein über 150 Jahre aufrecht zu erhalten, sei eine stolze Leistung und erfordere regelmäßigen Probenbesuch und prägende Persönlichkeiten.
Dass der MGV die Geselligkeit pflegt, aktiv zum Dorfleben beiträgt und bei jeder Gelegenheit zu feiern versteht, bestätigten ein Blick auf die Fotowände und Ortsvorsteherin Sabine Jaud. Sie bescheinigte dem Jubilar 150 Jahre Gemeinschaft, Ehrenamt und Bereicherung des Ortsgeschehens. Im Verein stecke Kraft und Kontinuität. In den vergangenen vier Jahren sei der Chor um zehn Sänger gewachsen. Mit Anja Hirt habe 2023 erstmals eine Frau das Dirigat übernommen.
Eine Jubiläumsgabe überreichten Dieter Kleinmann vom Chorverband Schwarzwald-Baar-Heuberg und Bürgermeister Winter. Der Ortschaftsrat und Vereinssprecher Kai Glatthaar im Namen der Hochmössinger Vereine und Institutionen stifteten neue Notensätze, die beim Sommer-Open-Air am 18. Juli zu Gehör gebracht werden.
Krämers besonderer Dank galt allen Mitwirkenden, dem Bewirtungsdienst der Feuerwehr und „unseren Sängerfrauen, ohne deren helfende Hände der Verein nicht existieren könnte. Wir wissen, was wir an Euch haben.“