DRK-Kreisgeschäftsführer Ralf Bösel (von links) und Kreisbereitschaftsleiter Björn Speiser beglückwünschen Miriam Dohmen und Jan Müller von der Bereitschaftsleitung zu 100 Jahren DRK-Gemeinschaft Oberndorf und überbringen die entsprechende Urkunde. Foto: Fahrland

Die DRK-Gemeinschaft hat in 100 Jahren Ehrenamt in Oberndorf schon viel geleistet und erlebt. Beim Festakt zum Jubiläum gibt es auch eine Rückschau.

Ein ganzes Jahrhundert Deutsches Rotes Kreuz in Oberndorf wurde am Welt-Rotkreuz-Tag, dem 8. Mai, bei einem Festakt in der ehemaligen Klosterkirche mit musikalischer Umrahmung durch das Akkordeonorchester Beffendorf gefeiert.

 

Ehrengäste, Förderer und Freunde, Vertreter des DRK-Kreisverbands, der Blaulichtfamilie und des Rettungswesens, der Stadt Oberndorf und ihrer Stadtteile, der Gemeinde Epfendorf sowie DRK-Mitglieder aus Oberndorf und Umgebung nutzten beim Stehempfang vor und nach dem Programm ausgiebig die Gelegenheit zum Austausch. Eine Ausstellung mit Plakaten, Bildern, Artikeln und Archivgegenständen über die 100-jährige Geschichte des DRK Oberndorf und DRK-Mitglieder in historischen Uniformen vervollkommneten das Bild.

Einblick in die Geschichte

Miriam Dohmen und Jan Müller teilen sich seit drei Jahren die Leitung der DRK-Bereitschaft in Oberndorf, deren Zuständigkeit auch Epfendorf umfasst. Sie dankten allen Unterstützern und Helfern mit ihren Familien und beleuchteten die Historie des DRK Oberndorf, das im Februar 1926 unter dem Namen „Sanitätskolonne 55 Oberndorf am Neckar“ offiziell gegründet wurde. Das Leitungsduo ließ die Entwicklung Revue passieren, berichtete über Meilensteine in (Nach-)Kriegs- und Friedenszeiten, Strukturen, Kümmernisse und Herausforderungen.

Einsätze

Spektakuläre Einsätze gab es nach Hochwasser, Erdbeben, Sturm „Lothar“, beim Zugunglück 2014 in Talhausen, 2015 in der Flüchtlingskrise, 2021 im Ahrtal, während Corona im Testzentrum und bei der Verlegung von Senioren sowie beim Gefahrgutunfall auf der A81. Über Jahrzehnte galt die Verpflegungsgruppe als Rückgrat des damaligen Ortsvereins.

1948 wurde der erste Krankenwagen in Dienst gestellt, 1975 die erste Gymnastikgruppe gegründet und 1984 in Bochingen die erste Jugendgruppe. Das erste eigene Fahrzeug war ein Ford Transit. Seit 1958 konnten fast 18.000 Blutkonserven gewonnen werden. Seit 1998 werden jährlich drei Blutspendetermine organisiert. Das Gebäude in der Austraße wurde 2005 eingeweiht und erfuhr 2018 die Widmung zum Rolf-Leopold-Haus.

Vielfältige Aufgaben

„Es gibt uns noch, das DRK in Oberndorf“, versicherte Jan Müller und listete die aktive Bereitschaft mit ihren vielfältigen Aufgaben, die Sozialen Dienste mit den Seniorengymnastik-Gruppen, das Jugendrotkreuz sowie die Erste-Hilfe-Kurse im Rolf-Leopold-Haus auf. Zu den jüngsten Sternstunden zählt das von sechs Mitgliedern 2024 auf Anhieb errungene Leistungsabzeichen in Gold des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg. Jedoch waren mit der Auflösung des Ortsvereins Oberndorf 2024 Teile der Verwaltung auf den Kreisverband übergegangen.

Das originellste Geschenk hatte Manfred Lenz vom DRK-Ortsverein Rottweil dabei. Er gratulierte in kameradschaftlicher Verbundenheit mit einem „Rottweiler“ von Ottmar Hörl – samt roter DRK-Krawatte. Ralf Bösel und Björn Speiser vom Kreisverband überbrachten die Jubiläumsurkunde.

Dank und Wertschätzung

Bürgermeister Matthias Winter schloss Familien und Arbeitgeber in seinen Dank ein und übergab den Jubiläumsscheck. Für Epfendorfs stellvertretende Bürgermeisterin Jutta Becker-Bob sind die DRKler das Herz dieser Organisation, deren Arbeit für den gesellschaftlichen Zusammenhalt von unschätzbarem Wert sei.

Alle Grußwortredner drückten Dank und Wertschätzung für 100 Jahre ehrenamtliche Einsatzbereitschaft zum Wohle der Bevölkerung aus und wünschten stets eine gesunde Heimkehr. DRK-Kräfte stünden den Menschen in schwierigen Situationen mit Fachwissen, Erfahrung und Geduld einfühlsam zur Seite.

„Gemeinsam sind wir stärker“, ging Feuerwehrkommandant Manuel Suhr auf die Verbundenheit und Zusammenarbeit der Blaulichtfamilie ein. Oft agiere das DRK „leise und im Hintergrund“, bestätigte Polizeirevierleiter Timo von Au. Er verwies auf die Bedeutung von eingespielten Strukturen und Vertrauen unter anderem bei der Vermisstensuche, zeigte aber auch die harte Realität auf. Nicht alle Einsätze würden erfolgreich verlaufen und „Respektlosigkeit, Beleidigung, Bedrohung und körperliche Angriffe dürfen und werden wir nicht akzeptieren.“ Er wünschte dem DRK weiterhin engagierte Helfer und genügend Nachwuchs für die Zukunft.

Großen Applaus erntete das Akkordeonorchester Beffendorf, in Vertretung geleitet von Andrea Heinzelmann, für die beschwingte musikalische Gestaltung mit zeitgenössischen Titeln.

Jubiläumsjahr

Vortragsreihe
Am 10. Juni berichtet Joachim Gneist über die Geschichte des DRK in Oberndorf. Am 8. Juli beleuchtet Ralf Banholzer „Die Bergwacht im Landkreis Rottweil“. Beide Abende beginnen bei freiem Eintritt um 19.30 Uhr im Rolf-Leopold-Haus in der Austraße 2.