Das Museumsareal ist ein Lern- und Erinnerungsort, auch an Gesichter des Waldenserorts aus dem vergangenen Jahrhundert. Foto: Jeanette Tröger

Neuhengstett feiert – die Wurzeln des Orts reichen 325 Jahre zurück.

Zur Jahrtausendwende 2000 feierte Neuhengstett mit einem großen Fest sein 300-jähriges Bestehen. Seither ist schon wieder ein ganzes Vierteljahrhundert ins Land gezogen, in dem sich der Waldenserort, ein Teilort der Gesamtgemeinde Althengstett, weiterentwickelt hat, sich seiner Wurzeln jedoch auch sehr bewusst blieb. Von Mitte September bis Mitte Oktober wird mit verschiedenen Veranstaltungen der laut den Archiven offiziellen Ortsgründung am 1. September 1700 gedacht und 325 Jahre Neuhengstett gefeiert. Höhepunkt wird ein Festtag rund ums Waldenserareal sein.

 

Vielfältiges Programm

Gerda Rentschler gab in einem Gespräch mit Pfarrer Jörg Schaber den Impuls, dieses Jubiläum in irgendeiner Weise zu begehen, erzählt der Geistliche im Gespräch mit unserer Redaktion. Rentschler ist Mitglied im Heimatgeschichtsverein Bourcet (HGV) und organisiert jährliche Studienreisen in die ursprüngliche Heimat der Glaubensflüchtlinge in die Region ums italienische Torre Pellice. Ortschaftsrat, Kirchengemeinderat und Kirchengemeinde luden Vereine und Gruppen ein, um ein Programm auszuarbeiten, „ich habe dabei Protokoll geführt und war dann schnell auch derjenige, bei dem die Fäden zusammenlaufen“, berichtet Schaber lachend. Es ist ein ansprechendes und vielfältiges Programm unter Beteiligung ganz unterschiedlicher Akteure entstanden.

Der Festtag am 28. September beginnt mit einem Gottesdienst, den Pfarrer Jörg Schaber und Diakonin Karola Stobäus halten werden. Stobäus ist den Neuhengstettern schon bekannt, sie war bei der mit einem großen Dorffest gefeierten Einweihung des neuen Museumsensembles im Sommer 2022 als Vertreterin der Waldensersynode in Torre Pellice zu Gast.

Waldenserkantate erklingt

Im Gottesdienst wird die Waldenserkantate erklingen, die Evelyn Kurzmann geschaffen und jüngst bei ihrem Abschiedskonzert als Chorleiterin mit dem Kirchenchor Neuhengstett-Ottenbronn uraufgeführt hat. Der Musikverein Neuhengstett begleitet den sich anschließenden Festakt, dafür wird die Straße vor dem Waldensermuseum für eine Bühne gesperrt.

Bühnenspiel

Nach den Grußworten von Bürgermeister Rüdiger Klahm, Dekan Erich Hartmann und einem Vertreter der Deutschen Waldenservereinigung gibt es ein Waldenser-Bühnenspiel. Nach dem Mittagessen im Museumsareal, das der TSV Neuhengstett anbietet, kann, wer mag, mit dem HGV eine Dorfführung und mit Pfarrer Schaber eine Kirchenführung machen.

Den Nachmittag gestalten die Kitakinder mit einem Bühnenprogramm, zum weiteren Vergnügen der jungen Besucher werden Spielstraßen und Basteleien beitragen. Kaffee, Kuchen, Waffeln laden ein zu verweilen, bei schönem Wetter auf der Wiese neben dem Museumspavillon, Eis und Infos zur Gruppe gibt’s von der DLRG-Ortsgruppe Neuhengstett.

Reise in die Vergangenheit

Unterhaltsame Reisen in die Vergangenheit versprechen die beiden szenischen Führungen am 20. September und am 4. Oktober, hierfür müssen sich Interessierte anmelden unter marita-hagedorn@gmx.de. Auch für die geführte E-Bike-Tour zu den Waldenser-Nachbarn in Perouse ist eine Anmeldung erforderlich unter claus.adam@web.de.

Lesung mit Musik

Literarisch-musikalisch wird es am 27. September in der Rosengärtnerei Sattler & Weber, dort und in der Ortsverwaltung Neuhengstett gibt es Karten für diesen Termin. In dem besonderen Ambiente wird zum Konzert der jungen Musiker von „MusiqueMélange“ unter der Leitung von Daysi C. Breitling Waldensergeschichte durch Lesung lebendig.

Der Dorftreff lädt am 20. September ins Rathaus Neuhengstett ein zu Happy Grooves mit starken Stimmen, die Formation „Lounge Kick“ gibt sich die Ehre zum Jubiläum.

Das Wanderausstellungsprojekt des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad „Wurzeln schlagen. Menschen und Pflanzen im Exil“ wird am 12. Oktober im Museumspavillon von Renate Buchenauer eröffnet. Sie ist ein Motor des Kulturpfads und in diesem Verein engagiert, die ausgewiesene Route von Italien bis nach Nordhessen führt auch an Neuhengstett vorbei.

Wanderausstellung

Die kulturgeschichtliche Wanderausstellung präsentiert und interpretiert die Beiträge der Glaubensflüchtlinge zur Kulturgeschichte von Acker- und Gartenbau, Ernährung und Kochkultur ihrer jeweiligen neuen Heimat. Historische, botanische, pädagogische, theologische und interkulturelle Aspekte dieser Ausstellung laden zum Austausch ein. Die Ausstellung ist bis zum 2. November zu sehen, extra Besuche von Schulklassen sind laut HGV möglich.