Das Rathaus in Hubertshofen präsentiert sich nach der Sanierung. Und der im Erdgeschoss untergebrachte Kindergarten feierte nachträglich sein 60-jähriges Bestehen.
Gleich zwei Anlässe zum Feiern gab es jüngst mit zweijähriger Verspätung in Hubertshofen, beide betrafen das gleiche Gebäude. Das sanierte Rathaus sollte der Öffentlichkeit vorgestellt werden und der im Erdgeschoss untergebrachte Kindergarten feierte sein 60-jähriges Bestehen – das war 2021. Und so hatten sich in dem Jahr alle auf einen Tag der offenen Tür gefreut, der dann schließlich aufgrund der Corona-Pandemie im letzten Moment abgesagt werden musste. Diese Feierlichkeiten wurden nun nachgeholt, eben unter der Prämisse „60 plus 2“, wie die Kindergarten-Leiterin Annette Reichmann betonte.
Und so kamen auch viele Interessierte in die lichtdurchfluteten Räume, die selbst schon als Kind diesen Kindergarten besucht hatten. „Wir wollen den Kindern Bullerbü-Tage ermöglichen, sie in ihre eigene Kraft bringen“, so Anette Reichmann.
Überall Zitate von Astrid Lindgren
Überall hingen daher Zitate aus Büchern von Astrid Lindgren, und so sangen die Kindergartenkinder bei der Eröffnung auch Lieder aus den verschiedenen Geschichten der schwedischen Kinderbuch-Autorin. Man sei viel in der Natur, lernt Eigenverantwortung und Rücksicht auf Tiere und Mitmenschen. Und so blühte der Kindergarten in den letzten Jahren richtig auf. Wo man noch vor wenigen Jahren bei nur noch fünf Kindern am Konzept festgehalten hatte, betreut man inzwischen wieder 22 Kinder.
„Unser Rathaus ist nach der Renovierung eines der modernsten im Stadtgebiet“, betonte Hubertshofens Ortsvorsteherin Monika Winderhalder, die in ihrer Ansprache auch viele Stadträte begrüßte. Dann tauchte sie tief in die Geschichte ein. Das Gebäude war 1876 anstelle des ein Jahr zuvor abgebrannten Armenhauses errichtet worden. Es kostete damals in massiver Bauweise 1000 Mark. Die Amtsräume befanden sich im ersten Stock, der Ortsarrest war dort, wo sich heute der Kindergarten befindet.
Kindergarten wurde 1961 eröffnet
Dieser wurde 1959 dort geplant und am 15. Januar 1961 eröffnet, die erste Kindergärtnerin war seinerzeit Klara Gieringer. Die komplette Sanierung des Gebäudes wurde von April bis Juni 2021 vorgenommen. 270 000 Euro wurden investiert – zuzüglich 35 000 Euro für Photovoltaik mit Stromspeicher. Das Haus erhielt ein neues Dach. Zudem wurde es energietechnisch auf den aktuellen Stand gebracht. Bürgermeister Severin Graf betonte das Bekenntnis zum Standort des Kindergartens, man habe in die Zukunft investiert. Es sei wichtig, die Kinderbetreuung flächendeckend anbieten zu können, und das Motto „kurze Wege“ möchte man in den Ortsteilen verwirklichen. Anschließend bot Bauleiter Maik Friedrich Führungen durch das komplette Gebäude an, von denen rege Gebrauch gemacht wurde.
Die Geschichte dahinter
Rathaus
An der Stelle, an der sich heute das frisch renovierte Hubertshofener Rathaus befindet, stand früher ein kleines hölzernes Haus. Es war das Leibgedinghaus des Fallerhofs und wurde im Volksmund „Hüsle“ genannt. 1868, nach mehreren Besitzerwechseln, kaufte die Gemeinde Hubertshofen das Haus. Es wurde als Armenhaus und für die Farrenhaltung genutzt, bis es 1874 abbrannte. 1876 wurde das Gebäude mit einem Stall für den Gemeindefarren neu aufgebaut und wird seitdem als Rathaus genutzt. Bis dahin war die Verwaltung der Gemeinde, die 1846 von Bräunlingen selbstständig geworden war, im Schulhaus untergebracht. 1951 wurde ein Erweiterungsbau erstellt, der Farrenstall wurde in die Schwimmbadstraße in ein neues Gebäude verlegt.