Die Gauselfinger Musikerinnen und Musiker feierten mit großem Publikum beschwingt das 70-jährige Bestehen ihres Vereins.
Es haben sich in Gauselfingen bestimmt schon in noch älterer Zeit Musiker zusammengefunden, um Ereignisse zu begleiten oder um zum Tanz aufzuspielen. Gesichert nachweisbar ist die Existenz einer Kapelle aus Aufzeichnungen des Jahres 1876. Die Gründung eines Musikvereins erfolgte 80 Jahre später, 1956. Und zwar aus ganz pragmatischen Gründen: Die damals selbstständige Gemeinde hatte angekündigt, den Musikanten keine finanzielle Unterstützung mehr zukommen zu lassen. Bezuschusst würden fürderhin nur eingetragene Vereine.
Dass Bernhard Maier, Fridolin Amann und weitere daraufhin zur Tat schritten, wurde am Wochenende im „Kulturgarten“ des Ortsteils – dem vormaligen Kindergarten – gefeiert. Nachmittags präsentierten sich zunächst die Bläserklasse und die Jugendkapelle. Die Besucher spendeten dem Nachwuchs viel Applaus. Natürlich auch in der Hoffnung, der Beifall möge die jungen Leute anspornen, der Musik und ihren Instrumenten treu zu bleiben.
Abends versammelte sich die Musikkapelle Gauselfingen-Neufra im Saal des Gebäudes. Zunächst spielten sie ein gemeinsames Stück mit der Jugendkapelle. Was einen kleinen Höhepunkt des Programms bildete. Ein Sitzplatz war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu bekommen. Ortsvorsteherin Silvia Roos sagte in ihrer Laudatio, sie sei stolz auf den Verein und auf die im Zusammenschluss mit Neufra neu formierte Kapelle. Sie erinnerte weiter daran, dass vor wenigen Wochen die Nachwuchsmusikanten aus Gauselfingen und Burladingen zu einer Jugendkapelle zusammengefügt wurden.
„Wir machen das, was die große Politik nicht schafft: Wir gehen über Grenzen hinweg.“ Burladingen, Gauselfingen, Neufra – das bezeichnete die Ortsvorsteherin als ein „Dreiländereck“. Nicht nur musikalisch, sondern auch auf anderen kulturellen Gebieten könne daraus große Wirkung hervorgehen. Der Jubiläumsverein, fuhr sie fort, habe die zurückliegenden sieben Jahrzehnte mit allen Höhen und Tiefen hervorragend gemeistert. Das werde auch in den kommenden 70 Jahren so bleiben, gab sie sich überzeugt. Zitat: „Das müsste ja sonst mit dem Teufel zugehen.“
Wer benötigt in einem Verein die stärksten Nerven?, fragte die Dorfchefin außerdem. Es sei, lautete ihre Antwort, stets der Vorsitzende, bei den Musikern aktuell Daniel Renner. Um die Anstrengungen und Aufreibungen zu versüßen, überreichte ihm die Ortsvorsteherin Schokolade, die in Form der Jubiläumszahl 70 geformt war.
Hohe Auszeichnung des Landesblasmusikverbandes
Eine der höchsten Auszeichnungen des Landesblasmusikverbandes erhielten an dem Abend der vormalige Vereinschef Franz-Josef Klaiber und dessen Vorgänger Ottmar Schneider. Es handelte sich um die Erich-Ganzenmüller-Medaille in Bronze. Damit würdigt der Verband die Treue, aber insbesondere die herausragenden Verdienste um die Pflege der Blasmusik, erklärte Jürgen Haak, stellvertretender Präsident des Kreisblasmusikverbandes dem Publikum. Seinen Gratulationen schloss sich Daniel Renner mit Präsenten für die beiden an. Der Saal bekundete seine Zustimmung durch lang anhaltenden Applaus. Darunter auch Christoph Kolb, Leiter der Jugendmusikschule und Dirigent der Stadtkapelle, mit einer Abordnung von Burladinger Musikerkameraden.
Nach dem offiziellen Akt, den man bewusst straff gehalten hatte, griff Dirigent Joachim Gugel wieder zum Taktstock. Die Kapelle unterhielt mit Polkas aus den Gründertagen des Vereins, spielte aber auch zeitgenössische Kompositionen und Titel aus dem Pop-Genre.
Aufmerksamkeit fanden daneben Stellwände mit Fotos aus der jüngeren Geschichte der Gauselfinger Kapelle. Glanzvolle und fröhliche Momente spiegelten sich wider.