Wer sitzt heute mit jemandem am Tisch, den er vorher noch nie gesehen hat? Als der Calwer OB Florian Kling dies fragt, gehen bei der Vesperkirche zahlreiche Hände nach oben.
Große orangefarbene Banner an den Zufahrtsstraßen Calws und eine Fahne am Kirchturm weisen schon darauf hin: Am Dienstag eröffnet die zehnte Calwer Vesperkirche in der evangelischen Stadtkirche. Die Schirmherrschaft haben der evangelische Dekan Erich Hartmann und Oberbürgermeister Florian Kling übernommen.
Was macht die Vesperkirche besonders? „Natürlich kann man sagen, wenn es Linsen mit Spätzle gibt, ist das was ganz Besonderes. Das ist gar keine Frage – da schlägt das Herz jedes Schwaben höher“, so Bertram Bolz in der Eröffnungsrede.
Doch entscheidend sei die Begegnung – dass Menschen an einem Tisch sitzen, die sonst nichts miteinander zu tun hätten.
Eine Stadt an einem Tisch
Für Kling ist die Vesperkirche jedes Jahr „etwas ganz Besonderes“. Nach seiner Frage, wer alles mit einem Unbekannten an einem Tisch sitzt, heben sich an fast allen Tischen die Hände. „Das ist etwas ganz Besonderes für mich“, so Kling. So funktioniere Stadt: „Wir sind eine Stadt mit 25 500 Einwohnern. Von Jung bis Alt, vom Mädchen bis zum Senior sind alle mit dabei – vom Bettler bis zum reichen Großgrundbesitzer.“ Die Menschen, die hier mitmachen, „sind entweder als Ehrenamtliche tätig sind oder kommen als Gast zum Essen“.
Wenn dieses Gemeinschaftsgefühl entstehe und man sagen könne: „Jawohl, ich bin Calwerin oder Calwer“, dann ziehe man gemeinsam an einem Strang. Das Ehrenamt halte die Stadt zusammen und in der Stadtkirche werde dieses Miteinander sichtbar.
Ehrenamtliche im Einsatz
Ein großes Team von Ehrenamtlichen unterstützt Organisation, Aufbau sowie Essens- und Getränkeausgabe.
Ermöglicht wird das Projekt auch durch Spenden, unter anderem aus dem Adventskonzert der Aurelius Sängerknaben Calw, bei dem die Hälfte der Einnahmen an die Vesperkirche ging.
Für Kinder ist von 11.30 bis 15 Uhr eine betreute Ecke eingerichtet. Das Jugendreferat Calw und das Jugendhaus organisieren Spiele, Malsachen und Bauklötze.
Die Kinder kämen meist ab 12 Uhr, wenn Schule und Kindergarten beendet seien, so Jugendreferent Sebastian Werner. Neben dem Essen gibt es außerdem ein vielfältiges Angebot, etwa Beratung, Seelsorge und Unterstützung bei Wohnungsfragen – an manchen Tagen ist sogar ein Friseur vor Ort.
Gottesdienst am Sonntag
Als Höhepunkt der Woche freut sich Diakon und Pfarrbeauftragter Bertram Bolz besonders auf den Gottesdienst am Sonntag, Tag des Bergfests, ab 10 Uhr.
Zum Abschluss der Eröffnung überreichte Gemeindediakonin Anika Hitzenstern den Schirmherren ein „Vesperkirchenbrettle“ als Erinnerung an eine Woche, in der Calw zusammenkommt.