Die Jugendmusikschule Burladingen feiert 50. Geburtstag. Leiter Christoph Kolb spricht über jüngste Entwicklungen.
Ich musste ja nur auf dem aufbauen, was mir mein Vorgänger Thomas Wunder hinterlassen hat“, sagt Jugendmusikschulleiter Christoph Kolb bescheiden. Möglicherweise allzu bescheiden. Auf alles, was sich seit 1. September 2023, als er die Stelle übernahm, entwickelt hat, können er und sein derzeit 16-köpfiges Kollegium durchaus stolz sein.
Schüler auf Rekordhoch
Die Schülerzahl an der Jugendmusikschule befindet sich aktuell auf einem Rekordhoch von rund 600, weitere 300 Kinder und Jugendliche, die unter anderem regelmäßig an den „Singpausen“ in den städtischen Grundschulen teilnehmen, kommen noch hinzu.
Von den Schülerinnen und Schülern erlernt etwa die Hälfte ein Blechblasinstrument, die andere übt sich an Geige, Gitarre oder etwa Klavier. „Wir können alles anbieten, auch Gesangsunterricht. Nur jemand, der Harfe oder Kontrabass lehrt, haben wir momentan nicht zur Verfügung“, so Kolb.
Es wurde schon gemäkelt, die Saiteninstrumente würden das Potenzial des Blechs schwächen. Das sieht der Jugendmusikschulleiter nicht so. „Die beiden Seiten halten sich die Waage und nehmen einander nichts weg. Wer Geige spielen möchte, der mag nicht Trompete lernen und umgekehrt.“
Weiter glaubt er, dass Eltern (wieder) zunehmend Wert auf eine musikalische Ausbildung ihrer Kinder legen. Seiner Ansicht nach zu Recht. Ein Instrument zu beherrschen, sei etwas grundsätzlich Wertvolles. Zudem würden Vorspielnachmittage, das Musizieren in einem Orchester oder auch Prüfungen – die Jugendmusikschule brachte im Lauf ihres Bestehens zahlreiche Preisträger hervor – auf das Leben vorbereiten. Man müsse üben, leichte Stresssituationen bestehen, könne sich dann aber über Erfolge freuen.
Starke Veränderungen
Die strahlenden Gesichter der jungen Leute nach Auftritten würden das immer wieder bezeugen. Seine Einschätzung, dass Eltern die Ausbildung am Herzen liegt, schöpft Kolb aus einer jüngeren Beobachtung. Nach einer kürzlich „längst fällig“ gewordenen Gebührenerhöhung hätten so gut wie gar keine Eltern ihre Kinder abgemeldet.
Was die Blechblaskultur betrifft, sieht er starke Veränderungen. „Die empfinden Jugendliche heute als cool.“ Dabei schließt er Orchestermusik von traditionell bis sinfonisch ebenso mit ein wie Pop- und sogar Rockmusik, wo verstärkt Bläsereinsätze erklingen. „Das war früher nicht so.“ Dasselbe gelte jedoch für Saiteninstrumente, die ebenfalls nicht allein auf dem Gebiet der Klassik eingesetzt werden, sondern gleichermaßen in Blasensembles und wiederum sogar von Heavy-Bands.
Die Jugendmusikschule Burladingen wurde vor 50 Jahren unter Konrad Gaiser auf Wunsch der Musikvereine der seinerzeit noch nicht lange existierenden Gesamtstadt gegründet.
Anliegen war es, den Kapellen junge Kräfte zuzuführen. „Die DNA unserer Schule sind die Blasinstrumente und das wird immer so bleiben“, erklärt Kolb.
Doch verstehe er die Jugendmusikschule vor allem als Bildungseinrichtung für alle Generationen, vom Kleinstkind bis zum Erwachsenen, der sein Können auffrischen möchte – oder der im vorgerückten Alter noch ein Instrument erlernen will, egal ob Saxofon oder Veh-Harfe. Während sich das musikalische Angebot in Vergangenheit enorm erweitert hat, steht nun eventuell eine Veränderung des Standortes im Raum.
Umzug steht im Raum
Überlegungen gehen dahin, die Schule nach 30 Jahren aus der Richard-Biener-Straße in die vormalige Bitzer-Textilfabrik an der Fehlabrücke zu verlegen. Dort sind bereits der Bauhof und die Volkshochschule untergebracht.
„Unser Haus ist stark sanierungsbedürftig, das würde hohe Investitionen erfordern. Außerdem haben wir hier nicht genug Platz“, so Kolb. Ein Teil des Unterrichts müsse im Bahnhofssaal oder in Räumen des Schulzentrums stattfinden.
Das daraus resultierende, ständige Hin- und Herziehen koste Zeit und Kraft. „Logisch, dass man da nach Alternativen sucht.“
Entschieden ist nichts, es handelt sich bei dem Umzug zunächst nur um ein Gedankenspiel, mit dem sich der Gemeinderat erst noch eingehender befassen wird. „Aber wenn es klappt, wird es richtig toll“, ist der Schulleiter überzeugt.
Zunächst wird gefeiert. Mehrere Veranstaltungen stehen im Terminkalender – auf, dass das Jubiläumsjahr zum Festjahr wird.
Quer durch alle musikalischen Genres
Die Feiern
und Veranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen der Jugendmusikschule Burladingen eröffneten mit einem Klavierabend, den der international renommierte Pianist Marc Lohse gestaltete, und mit einem Konzert des Landesjugendorchesters im Herbst 2025.
Das soll sich an dem Nachmittag ändern. Je nachdem, wie gut diese und weitere Veranstaltungen beim Publikum ankommen, könnte man ja darauf in kommenden Jahren aufbauen, überlegt Kolb. Die zahlreichen Angebote der Bildungseinrichtung und die Termine des Jubiläums finden sich detailliert auf der Homepage der Stadt Burladingen. www.burladingen.de