Weihbischof Gerhard Schneider (Mitte) hält zusammen mit Pfarrer Franz Xaver Weber (rechts) und Pfarrer Boniface Dasaa den Festgottesdienst. Foto: Steinmetz

Mit einem Festgottesdienst feierte die katholische Kirchengemeinde Börstingen das Patrozinium 275 Jahre St. Ottilia.

Den Festgottesdienst zelebrierte Weihbischof Gerhard Schneider zusammen mit Pfarrer Franz Xaver Weber und Pfarrer Boniface Dasaa. Der Kirchenchor Felldorf unter der Leitung von Bruno Sacha umrahmte die Messe. An der Pfeifenorgel saß der frühere Domorganist Wolfgang Rehfeldt, der den Gemeinde- und Chorgesang begleitete. Zum Einzug ließ er das Kircheninstrument mit vollen Registern erklingen, bevor der gemischte Chor mit einem freudigen Halleluja den feierlichen Anlass zum Gedenken an die Hl. Ottilia zum Ausdruck brachte.

 

„Es ist ein Fest des Dankes“ – an Gott und an alle, die dafür sorgten, dass die Gemeinde lebe, sagt Weihbischof Schneider. Er freue sich, das Patrozinium mit der Gemeinde feiern zu können. 275 Jahre hätten hier Menschen den Glauben gelebt, Freude, aber auch Trauer erlebt. Er fragte sich aber auch, wie die Kirche in den nächsten 275 Jahren angesichts des schnellen Wandels der Zeit aussehen werde. Schneider ist sich jedoch sicher, dass man mit Gelassenheit in die Zukunft schauen könne. Diese Zuversicht schöpft er, wie er in seiner Predigt ausführte, aus der Adventszeit, die durch das Warten auf Kommendes geprägt sei.

Dank an Max-Richard Freiherr von Rassler

Schneiders Dank galt nicht zuletzt Max-Richard Freiherr von Rassler, der sich bis heute um die Kirchengemeinde kümmere. Einer seiner Vorfahren, Johann Josef Rupert von Rassler, Freiherr von und zu Gamerschwang, Herr zu Weitenburg, Börstingen, Sulzau, Obernau, Bittelbronn und Domenek, war es gewesen, der die Gründung einer eigenen Pfarrei in Börstingen vor 275 Jahren ermöglichte.

Die Geschichte der Pfarrkirche Börstingen hat Oskar Deyringer in gedruckter Form im Jahr 2003 herausgebracht. Aus seiner Chronik geht hervor, dass in Börstingen bereits 1360 eine Kapelle erwähnt wird. Als die Herren von Wehingen 1442 das Dorf Börstingen kauften, entstand bald danach eine Ortskaplanei, mit der aber, wie Oskar Deyringer in seiner Chronik zur Kirchengemeinde Sankt Ottilia schreibt, noch keine Seelsorge verbunden war. Der Geistliche sei vielmehr der Kaplan der Herrschaft gewesen. Bis zur Einweihung einer eigenen Kapelle im Jahr 1481 habe es im Börstinger Schloss einen Andachtsraum gegeben.

In der Börstinger Kirche ist am Sonntag das Patrozinium der Hl. Ottilia gefeiert worden. Foto: Steinmetz

Wunsch nach eigener Pfarrei

Der Wunsch nach einer eigenen Pfarrei entstand mit der wachsenden Einwohnerzahl. Zudem erschwerte es das häufige Hochwasser des Neckars, nach Bierlingen zu kommen. So beantragte die Gemeinde Börstingen beim Generalvikariat in Konstanz, die Kaplanei Börstingen in eine Pfarrei umzuwandeln. Der Antrag wurde am 17. Dezember 1750 angenommen. Als Ablösesumme musste Börstingen, so Deyringer, 350 Gulden an die Pfarrei Bierlingen zahlen.

Die Ortsansicht von Börstingen ist ein Teil des Deckengemäldes von Wilhelm Klink in der Börstinger Kirche. Foto: Steinmetz

Die Einrichtung der neuen Pfarrstelle wäre ohne das Zutun des Ortsherren nicht möglich gewesen. Johann Josef Rupert von Rassler übernahm die Ausstattung, stiftete für die Kirche die Paramente, den Taufstein und den „Gottesacker“. Die damalige Pfarrei sei, so Deyringer in seiner Chronik, mit Äckern, Wiesen, Wald und sogar einem Weinberg reich versorgt worden. Der damalige Weitenburger Schlossherr verpflichtete aber nicht nur sich selbst, sondern auch seine Erben und Nachfolger zur Donation der Pfarrei. Im Gegenzug sollten für ihn wöchentlich zwei heilige Messen gelesen werden.

Historisches zur Kirche

Bedeutende Daten
Die Kirche ist erstmals 1764 baulich verändert worden. 1833 wurde angebaut, um mehr Raum zu gewinnen. Es folgten weitere Renovierungen, so 1874 und 1914. 1933 wurde das Kirchendach umgedeckt, und 1938 bekam die Kirche eine neue Orgel. Während der Renovierung in den 1960er-Jahren wurden die Gottesdienste im „Lamm“-Saal abgehalten. 1992 musste allerdings schon wieder renoviert werden. Viele Börstinger hätten dabei mitgeholfen, erwähnt Deyringer. Mit der Donation erhielt im Jahr 1750 die Gutsherrschaft der Weitenburg das Patronatsrecht, das bis 1835 im Alleinbesitz blieb. Inzwischen übt der Patronatsherr das Nominationsrecht noch zu zwei Dritteln aus, alle anderen Rechte und Pflichten sind abgelöst.Benannt wurde die Pfarrei nach der heiligen Jungfrau und Äbtissin Ottilia. Sie lebte um die Mitte des 7. Jahrhunderts im Elsaß. Der Vater war ein roher, noch heidnisch geprägter Herzog, der seine blind geborene Tochter töten lassen wollte. Die Mutter hatte das allerdings verhindert. Bei der Taufe konnte, so die Legende, das Kind wieder sehen. Deshalb sucht man bei Augenleiden auch heute noch Zuflucht bei der heiligen Ottilia.

Deckengemälde
Während des Gottesdienstes hat sicher so mancher Besucher auch einen Blick auf Decke geworfen. Das Deckengemälde stammt von Wilhelm Klink, Maler und Bildhauer aus Horb. Behütet von Gott, Maria, dem Jesuskind sowie den Börstinger Schutzpatroninnen St. Ottilia, St. Agatha und St. Afra hat Klink am unteren Rand das Dorf Börstingen mit der Kirche und der Weitenburg im Hintergrund gemalt. Die Farbskizze dazu hängt im Dorfmuseum gleich neben der Kirche. Dort waren die Gottesdienstbesucher nach der Messe zu Kaffee und Hefezopf eingeladen.