Für Begeisterung im Saal sorgten die „Skiflieger“, die die Tücken des Skisports humorvoll präsentierten. Foto: Sabine Zoller

100 Jahre Skizunft Bad Herrenalb: Ein Jahrhundert voller Bewegung, Gemeinschaft und Ehrenamt – das feierte der traditionsreiche Verein gebührend im Kurhaus Bad Herrenalb.

Das Kurhaus platzte aus allen Nähten, das Publikum war begeistert: Mit einer fulminanten Jubiläumsfeier beging die Skizunft Bad Herrenalb ihr 100-jähriges Bestehen. Ein bunter Abend, der Nostalgie mit modernem Vereinsleben verband und die beeindruckende Geschichte des größten Sportvereins der Stadt würdigte.

 

Die Stimmung im festlich geschmückten Kurhaus war von der ersten Minute an greifbar. Alte Skier, historische Schlitten und verstaubte Haselnussstecken – die Exponate erinnerten an die Anfänge, als der „Erste Schneeschuhverein Herrenalb“ in der Weimarer Republik das Licht der Welt erblickte. Der Abend, charmant und kurzweilig moderiert von Wilfried Weiß, der den Verein seit drei Jahrzehnten als Vorstand führt, war eine Liebeserklärung an das Ehrenamt.

Von den Wurzeln bis in die Zukunft

Der offizielle Startschuss fiel humorvoll mit einem eigens für das Jubiläum einstudierten Sketch, der das Publikum direkt in die Gründungszeit der Weimarer Republik zurückführte, in der Schneehöhen von über einem Meter keine Seltenheit waren

Mit viel Euphorie wurde die Atmosphäre von vor 100 Jahren lebendig, als man mit gebogenen Brettern und Haselnussstecken die Hänge eroberte. Dieser Auftakt bot einen authentischen Einblick in die Entstehung des einstigen „Ersten Schneeschuhvereins Herrenalb“, was anschließend vom Jubiläumschor in Kooperation mit dem Männergesangverein Bad Herrenalb mit dem „Zunftmarsch“, komponiert vom einstigen Hüttendichter August Bechtle, musikalisch abgerundet wurde.

Wie aus den euphorischen Anfängen ein Breitensportverein wurde, das liegt an den Gegebenheiten, denen sich die Skizunft stets angepasst hat. Vorstand Wilfried Weiß gab einen kompakten Rückblick auf die Entwicklung vom kleinen Schneeschuhverein zum Breitensport-Giganten mit mehr als 900 Mitgliedern. Er erinnerte an die Meilensteine, die den Verein prägen: den Bau der ersten Sprungschanze 1936, den Skilift im Gaistal, die Hahnenfalzhütte (60 Jahre), den Hüttenbrunnen (55 Jahre) und das vor 50 Jahren eingeweihte Skiheim auf der Talwiese. „Was unsere Vorfahren geleistet haben, ist kolossal“, so Weiß, der in seiner Rede auf die beeindruckende Leistungen im Ehrenamt verweist.

Anerkennung aus Politik und Sport

Auch die Festredner sparten nicht mit Lob. Als stellvertretende Bürgermeisterin würdigte Susanne Schaeff den Verein als „Juwel“ für die Stadt: „Sie halten die Einwohnerschaft von Herrenalb fit. Dass rund ein Achtel der Bevölkerung Mitglied ist, zeigt den Stellenwert Ihrer Arbeit.“

Auszeichnungen des Württembergischen Landessportbundes und der Württembergischen Sportjugend (von links): Karin Weik, Monika Amann, Georg Holdermann, Sabine Hädinger, Anne Kull und Wilhelm Schuurmann Foto: Sabine Zoller

Wilhelm Schuurmann, Vizepräsident des Sportkreises Calw, unterstrich die Bedeutung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „In einer Zeit, in der Medien immer mehr in den Vordergrund rücken, ist es wichtig, dass Vereine das Miteinander fördern. Hier wird der Grundstein für das Leben in der Gesellschaft gelegt.“

Schuurmann zeichnete zudem engagierte Mitglieder aus: Sabine Hädinger, Georg Holdermann und Anne Kull erhielten das Ehrenzeichen in Gold der Württembergischen Sportjugend (WSJ), Monika Amann und Karin Knirsch das Ehrenzeichen in Silber des Württembergischen Landessportbundes (WLSB).

Jochen Müller, Präsident des Schwäbischen Skiverbands, erinnerte sich schmunzelnd an seine eigene Kindheit und den Sieg, der ihm beim Abfahrtslauf im Gaistal einst den Titel als Kreismeister bescherte. Er betonte die bildungs- und erziehungsrelevante Arbeit des Vereins und richtete einen Appell an die Gemeinschaft: „Wir brauchen Sie! Auch wenn es nur noch ein paar Schneetage im Jahr gibt.“

Ehrungen des Schwäbischen Skiverband (von links): Jochen Müller, Andreas Daub, Sebastian Weiß, Andreas Weiß, Max Daub und Wilfried Weiß Foto: Sabine Zoller

Für ihre Verdienste im Skisport zeichnete er Max Daub sowie Andreas und Sebastian Weiß mit der Bronzenadel aus. Andreas Daub erhielt in Anerkennung für seine Arbeit als zweiter Vorsitzender des Vereins die Silberne Ehrennadel des Skiverbands.

Ein Abend voller Höhepunkte

Nach dem offiziellen Teil der Festreden bot der Abend Unterhaltung pur: Die „Turbo Kids“ begeisterten mit sportlichen Einlagen, während die älteren Mitglieder bei ihrem Auftritt unter dem Motto „Cool auf dem Step“ bewiesen, dass Bewegung keine Altersgrenze kennt. Zwei eigens produzierte Filmbeiträge gaben einen historischen Rückblick auf die Entwicklung des Vereins und unter dem Titel „Sport bewegt“ bot ein weiterer Beitrag einen aktuellen Einblick in das heutige Vereinsleben und zeigte eindrucksvoll, wie sich die Skizunft modernen Gegebenheiten angepasst hat.

Den krönenden Abschluss bildeten die „Skiflieger“, die die Tücken des Skisports so authentisch präsentierten, dass kein Auge trocken blieb und das Kurhaus vor Applaus bebte. Nach einer weiteren Einlage von Stuhlartist Lukas Aue und einem Auftritt des Jubiläumschors wurde der Festabend offiziell beendet. Die Feierlaune war jedoch ungebrochen, so dass der Abend an der Après-Ski-Bar stimmungsvoll ausklang. Die Skizunft hat mit diesem Jubiläumsauftakt einmal mehr bewiesen, dass sie weit mehr als ein Sportverein ist: Sie ist ein lebendiges Stück Herrenalb. Und wer das Engagement der Mitglieder erlebt hat, weiß: Das große Fest auf der Schweizer Wiese im Juni wird ein weiteres Highlight, auf das sich die ganze Stadt freuen darf.