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Joy Fleming ist gestorben Ihre Lieder können Brücken sein

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Ganz große Kunst: die deutsche Bluessängerin Joy Fleming Foto: Getty Images Europe

Mannheim - „Her, her mol her, was ich Dir jetzt sag e will!“ Wer nicht einschätzen kann, warum die Kurpfälzer Sängerin Joy Fleming über Jahrzehnte hinweg ein Publikum zu begeistern wusste, der klicke sich bei Youtube einfach mal in ihren „Neckarbrückenblues“ von 1972: „Des is ä kleeni Gschicht vun geschtern morge.“

Da steht eine junge hübsche, sehr selbstbewusste Schwarzhaarige mit dunkler Lederweste über rotem Shirt auf der Bühne und singt. Aber sie singt nicht nett und süß oder klar und rein, so wie andere jener Tage. Sondern einen erdigen, breiten Blues. Und sie singt in Mannheimer Dialekt. „Do is de Briefträger zu ma kumme und hot gsacht, / Klenie kumm mol her, ich hab da was zu sage.“ Klavier und Schlagzeug hämmern den musikalischen Grund, und die damals 28-jährige Fleming lässt darüber außer Rand und Band ihre herrliche Altstimme in Höhen und Tiefen röhren: „Oh, deun Karl is schun widder iwwer de Brick, / iwwer die Brick is er widder niwwer zu der onnere.“

So wurde man allerdings damals in Deutschland keine Plattenmillionärin. So sang man auch nicht als Liebling von Dieter Thomas Heck in der ZDF-„Hitparade“. So sang vielmehr eine junge Frau, die einst mit 16 Jahren nach der Ausbildung als Verkäuferin keine Lust mehr hatte aufs Warenhaus, sondern lieber nachts in Mannheimer Kneipen nach dem deutschen Blues suchte. Amerikanische Soldaten waren Flemings erstes Publikum – und sie waren laut Zeugen völlig überrascht, weil das alles so unglaublich nach Heimat klang, im doppelten Sinne. Ein Auftritt im „Talentschuppen" des Südwestfunks bracht 1968 den Karrierschub. „Oh, hab ich zu dem Briefträger gsacht: / Her mol, des is moin Karl sei Sach. / Oh, ich weeß, der kummt a widder zurück. / Der kummt schun widder, wann er Hunger hot.“ Was soll man da noch einwenden? Hier waren Stimme und Herz offenbar auf dem rechten Fleck.

Ungewohnte Töne aus Deutschland

Wahrscheinlich hätte die Fleming in den Siebzigern wirklich große Schlagerkarriere machen können. Aber das reizte sie nicht. Sie wollte mit guten Musikern auftreten, ihre Band haben, einfach ehrliche, zackige, handfeste Musik machen, und im Zweifel reichten ihr die glänzenden Augen jener, die trotzdem oder gerade deswegen den Weg in ihren Klub gefunden hatten.

Und so hätte es noch lange weitergehen können – wenn sie nicht plötzlich im Jahr 1975 von der ARD auserkoren worden wäre, die Bundesrepublik beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm zu vertreten – auch hier lohnen die Klicks bei Youtube. „Ein Lied kann eine Brücke sein“ war ein musikalischer Donnerschlag, die Fleming fetzte und groovte durch einen maximal-undeutschen Soulblues mit großem Orchester-Arrangement und völlig enthemmten Backgroundsängern. Das ging zwar erst mal weit über den Horizont der Juroren (man zählte damals das Jahr 1 nach dem Abba-Sieg), Deutschland kam nur auf Platz 17. Aber Joy Flemings Titel steckt bis heute im Ohr. Und mehr noch: Unter den internationalen ESC-Fans hat er seit Jahren Kult-Status; man muss nur „Joy’s Bridge“ sagen, und viele kriegen auf den Partys gleich weiche Hüften und schnippen den Takt: „oooh Baby!“

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