Jonathan Vetter hat den Bogen raus. Foto: Thomas Holzapfel

Gold mit der Mannschaft bei den deutschen Finals, Silber im Mixed und Bronze bei den deutschen Einzelmeisterschaften: Den Medaillensatz hat Jonathan Vetter in diesem Jahr schon komplett. Das große Ziel ist nun Olympia in Paris. Dafür trainiert er hart – auch auf der Anlage seines Heimatvereins SF Gechingen.

Der Faszination des Bogenschießens ist Jonathan Vetter relativ schnell verfallen, als er im Rahmen einer Schul-AG mit der doch eher außergewöhnlichen Sportart konfrontiert wurde. „Das müsste in der dritten Klasse gewesen sein“, sagt der 22-jährige Deufringer, der bei den SF Gechingen groß geworden ist. Seitdem ist einiges passiert: Nationale und internationale Erfolge gab es reihenweise im Jugend- und Juniorenbereich, er schießt für die SGi Ditzingen in der Bundesliga und hat vor allem eines fest im Visier: Olympia 2024 in Paris.

 

Phase des Durchatmens

In diesen Tagen befindet sich Jonathan Vetter quasi in der Phase des Durchatmens. Anstrengend waren die letzten Wochen mit den deutschen Finals auf dem Düsseldorfer Medienhafen, wo er im Recurve-Team-Wettbewerb mit seinen Mannschaftskollegen der SGi Ditzingen ganz oben auf dem Treppchen landete und im Mixed mit Michelle Kroppen (SV Guts Muths Jena) Silber ergatterte. Nunmehr wurde am vergangenen Wochenende bei den deutschen Einzelmeisterschaften in Wiesbaden der Medaillensatz komplettiert: Bronze gab es nach einem knappen 6:5-Erfolg gegen Jakob Hetz vom BCS Reuth. „Das war ein gelungener Saisonabschluss“, sagt Jonathan Vetter, nachdem es in den vergangenen Wochen doch auch eine sportliche Rückschläge zu verkraften galt.

Rückschläge, die er gewissermaßen ins Kalkül gezogen hatte. „Ich habe Ende 2022 die eine oder andere mutige Entscheidung getroffen, um näher ans Optimum zu kommen“, erläutert der Maschinenbaustudent, „aber ein richtiges Optimum gibt es beim Bogenschießen sowieso nicht, da gibt es immer Verbesserungspotenzial.“ Der Ex-Gechinger verdeutlicht: „Da geht es eher um Feinheiten, zum Beispiel wie ich die Finger besser an der Sehne platziere oder wo ich genau den Bogen greife.“ Und Jonathan Vetter ist mittlerweile zufrieden: „Die Änderungen habe ich nun verinnerlicht.“

2024 geht es in die Vollen

Optimale Voraussetzungen also für die doch etwas ruhigere Winterphase, in der hauptsächlich die Hallen-Bundesliga-Auftritte mit der SGi Welzheim im Fokus stehen, bevor es im kommenden Jahr – dann wieder unter freiem Himmel – in die Vollen geht. Sieben Schützen mit dem Recurvebogen, dem derzeit einzigen zugelassenen Bogen bei Olympischen Spielen, gehören aktuell dem Nationalkader an. Jonathan Vetter ist einer davon. „Im Frühjahr wird dann ausgesiebt. Zwei Wochen lang ist Trainingslager und Wettkampf angesagt“, blickt der frühere Gechinger voraus und meint: „Erst einmal gilt es unter die ersten Vier zu kommen. Davon dürfen dann voraussichtlich drei zu Olympia.“ Wenn er das sagt, strahlt der 22-jährige durchaus eine Portion Zuversicht aus. „Ein Selbstläufer ist das aber nicht“, bekräftigt er.

Natürlich, so sagt Jonathan Vetter, wäre Olympia etwas ganz Besonderes, worauf es hinzuarbeiten gilt. „Man muss aber auch dort aus 70 Metern möglichst die Zehn schießen“, lässt er die Kirche im Dorf stehen. Ein entscheidender Faktor könnte bei „Olympia in der Nähe“ das Umfeld sein: „Der Druck ist vielleicht ein bisschen größer, wenn vor Ort die Familie zuschaut.“

Aber derartige Herausforderungen ist er gewohnt, wurden zuletzt auch bei der Freiluft-EM in München gemeistert, als er mit dem deutschen Team in seinem ersten Jahr bei den Erwachsenen Sechster wurde. Als seine größten Erfolge ordnet Jonathan Vetter bis dato den dritten Platz bei der Junioren-WM und ebenso Rang drei im Team-Weltcup mit den deutschen Herren ein.

Einst ein guter Triathlet

In jungen Jahren war Jonathan Vetter auch ein guter Triathlet, doch er entschied sich für den Sport, der eine größere Faszination auf ihn ausübt. „Auf der einen Seite muss man hochkonzentriert zu Werke gehen, darf aber beim Freiluft-Bogenschießen auch die äußeren Rahmenbedingungen wie beispielsweise die Windverhältnisse nicht außer Acht lassen“, sagt Jonathan Vetter und unterstreicht: „Es ist oft ein schmaler Grat zwischen bewusstem und unbewusstem Handeln. Manchmal trifft man erst recht gut, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt.“ Also alles Kopfsache? Ist das dann überhaupt Sport? „An einem Trainingstag stehe ich fünf Stunden und mehr auf dem Platz, danach wird noch an der Fitness gearbeitet“, erläutert der Kaderschütze, der als Stipendiat von der Sport-Region Stuttgart finanzielle Unterstützung erfährt. Er zeigt auf: „Ich trainiere an sechs Tagen in der Woche. Bei meinem Heimatverein in Gechingen, in Welzheim oder auch im Leistungszentrum in Pforzheim. Und so nebenher muss ich auch noch studieren.“ Die Tage sind durchgetaktet, der Aufwand enorm. Doch es könnte sich lohnen, irgendwo zwischen Kimme und Korn blitzt schließlich Olympia durch.