Jonas Latz (Mitte) wurde von MFO-Direktor Gerhard Huisken (links) und Gert-Martin Greuel von der Oberwolfach Stiftung mit dem John Todd-Award ausgezeichnet. Foto: Müller

Der junge Wissenschaftler Jonas Latz wurde mit dem John Todd-Award des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach ausgezeichnet.

Bereits sechs Mathematiker wurden von der Oberwolfach Stiftung und dem Mathematischen Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) mit dem John Todd-Award ausgezeichnet. Seit Donnerstag gehört nun auch Jonas Latz zu diesem exklusiven Kreis: Er ist der siebte Wissenschaftler, dem diese besondere Ehrung zuteil wird. Im Rahmen einer Feierstunde erhielt er im MFO den mit 1000 Euro dotierten Preis.

 

Etwa alle drei Jahre würdigt die Stiftung einen Nachwuchswissenschaftler, dessen Promotion nicht länger als zehn Jahre zurückliegt. Über die Vergabe entscheidet die wissenschaftliche Kommission der Gesellschaft für Mathematische Forschung.

Schon in seiner Schulzeit in Saarbrücken war Latz das MFO ein Begriff. „Mein Mathelehrer war ein großer Fan der Einrichtung“, erzählt er bei der Preisverleihung. Unter Mathematikern genießt das MFO einen exzellenten Ruf – umso größer sei die Verwunderung seiner Kollegen darüber, dass ein Institut mit solcher Strahlkraft in einer kleinen Schwarzwaldgemeinde angesiedelt ist, berichtet Latz, der an der Universität Manchester lehrt.

Arbeit schlägt Brücke von Theorie zu Praxis

Als „einen Mathematiker, der die Grundlagen der modernen computergestützten Wissenschaft prägt“, würdigte ihn Laudator Klaus-Robert Müller, Lehrstuhlinhaber für Maschinelles Lernen an der TU Berlin. Latz’ Arbeit zeichne sich durch „Tiefe und Breite“ aus und schlage eine Brücke zwischen theoretischer Strenge und praktischer Anwendung. Zudem engagiere er sich dafür, Mathematik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen – etwa, indem er unterrepräsentierte Gruppen durch internationale Kooperationen unterstützt oder „Science Slams“ organisiert.

„Latz ist weit mehr als ein brillanter Mathematiker: Er ist ein kreativer Problemlöser und ein begnadeter Kommunikator“, betonte Müller. Seine Forschung mache die mathematischen Grundlagen der datengetriebenen Welt robuster und verständlicher.

Konkret arbeitet Jonas Latz im Überschneidungsbereich von numerischer Analysis, angewandter Wahrscheinlichkeitstheorie und maschinellem Lernen. „Er entwickelt Methoden, um mathematische Modelle und reale Messdaten so zu verknüpfen, dass daraus verlässliche Informationen gewonnen werden können“, erläutert das MFO in einer Pressemitteilung.

Viele Anwendungen – etwa in der medizinischen Bildgebung, der Geophysik oder der Materialwissenschaft – beruhen auf der Auswertung großer Datenmengen, die stets Unsicherheiten enthalten. Dennoch sollen aus diesen Messdaten belastbare Rückschlüsse und Vorhersagen möglich sein. Latz zeigt in einer Arbeit zu bayesianischen inversen Problemen, unter welchen Bedingungen sich Parameter und Funktionen auch aus fehlerbehafteten Daten rekonstruieren lassen. Seine Forschung zu stochastischen Gradientenverfahren trägt außerdem dazu bei, Unsicherheiten in Datenmengen präziser zu bestimmen und datenbasierte Algorithmen zu verbessern.

Auswertung großer Datenmengen ist zentral

In seinem wissenschaftlichen Umfeld wird Jonas Latz für seine unerschrockene, kreative Herangehensweise an komplexe Fragestellungen geschätzt. Er gilt als Brückenbauer zwischen theoretischer Genauigkeit und praktischer Anwendbarkeit und strebt selbst bei komplizierten Problemen nach klaren, strukturell einfachen Lösungen.

Hintergrund

Der Preis ist nach dem britischen Mathematiker John Todd benannt, der sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs für den Erhalt des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach einsetzte. Seine Lebensgefährtin, Rosemary Lonergan, spendete dem Institut im Jahr 2005 einen Betrag in Höhe von 50 000 Euro. Dieses Geld wird zu einem großen Teil zur Finanzierung des John Todd-Awards verwendet.