Carolin Weitzel, Bürgermeisterin von Erftstadt, mit vier der Horber Helfer. Foto: Johanniter

Zur Unterstützung bei der Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Wesfalen wurden auch die Horber Johanniter alarmiert. Die Horber Einheit ist ein Teil des organisationseigenen "Betreuungsplatz 200 Baden-Württemberg" (BTP200) der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Horb - Die Fahrzeuge sind speziell für Betreuungs- und Logistikaufgaben ausgerüstet. Vor Ort können die Helferinnen und Helfer die Unterbringung, Verpflegung und soziale Betreuung von bis zu 200 Betroffenen sicherstellen.

Die Horber Johanniter verfügen über Ausrüstung für 70 zu Betreuende. Zusammen mit den Einheiten aus Ravensburg, Aalen, Karlsruhe und Mannheim bekam der BTP200 am Freitag um 17 Uhr den Einsatzbefehl.

Die Horber rückten um 18.30 Uhr mit sechs Helfern und zwei Fahrzeugen aus. Nach einer langen Nachtfahrt und Zwischenstopp in Mannheim, wo sich die Einheit zusammenfand, kam man um 4 Uhr in Köln an.

16 Feuerwehr- und 12 Johanniterfahrzeuge

Der erste Einsatzbefehl war die Unterstützung der Kölner Feuerwehr mit deren Wasserschadeneinheit aus Köln-Ostheim. Mit 16 Feuerwehr- und 12 Johanniterfahrzeugen rückte man nach Erftstadt aus. Die Stadt Erftstadt wurde besonders heftig von der Hochwasser-Katastrophe in NRW getroffen. Im Bereitstellungsraum auf der B265 wurde die Sicherung der Einsatzverpflegung beauftragt.

Später kam dann ein neuer Einsatzbefehl, die Betreuung der evakuierten Bürger aus Erftstadt-Bessem. "Wir hatten nicht unbedingt damit gerechnet, im Zentrum der schlimmsten Zerstörungen tätig zu werden. Aber umso größer war die Wichtigkeit des Einsatzes und unsere Motivation", so Gerold Imhof, Ortsbeauftragter der Johanniter in Horb.

Zunächst wurde erst mal für 1000 Euro aus organisationseigenen Mitteln das Nötigste für die Versorgung eingekauft. Im Ville-Gymnasium in Erfstadt war mit der Unterstützung der Johanniter dann ein riesiger Betreuungsplatz für die vom Hochwasser betroffenen Menschen entstanden. Aufgabe war die Sicherstellung der Verpflegung und Versorgung der Betroffenen.

Berge von Kleidern, Schuhen, Hygieneartikeln, Haushaltsgegenstände und Nahrungsmittelspenden wurden abgegeben. Die Einsatzkräfte hatten die ganz Nacht durchgearbeitet, um alles zu sortieren. Die Horber Johanniter richteten eine Kleiderkammer ein. Auch ein kleiner Supermarkt wurde eingerichtet, in dem sich die betroffenen Bürger kostenlos bedienen durften.

In Spitzenzeiten 170 Menschen in Notunterkunft versorgt

Zu Spitzenzeiten waren bis zu 170 Menschen in der Schule, die das Angebot der Johanniter genutzt haben. Dinge die fehlen, wie zum Beispiel lebenswichtige Medikamente, die bei der Flucht vor den Wassermassen nicht mitgenommen werden konnten, werden von den Helfer*innen kurzerhand organisiert.Die Lage vor Ort war immer noch dynamisch und die Stimmung wirkte durch das dauernd zu hörende Martinshorn und halbstündlich startende Hubschrauber bedrohlich.

Eine wichtige Aufgabe war auch die psychische Betreuung. Da viele der Betroffene traumatisiert sind, war psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) dringend notwendig. Alle in der Notunterkunft hatten Hab und Gut verloren. Hinzu kam die Ungewissheit, überhaupt wieder in das Heimatdorf Bessem zurück zu können.

In Bessem war durch Unterspülung durch den Fluss Erft ein riesiges Loch entstanden. Da der ganze Ort auf eher weichem und kiesigem Boden gebaut wurde, erweitert sich dieses Loch immer wieder, der ganze Ort droht zu versinken. Hinzu kommt, dass die Erft teilweise verschwunden ist und man fieberhaft nach deren unterirdischem Lauf sucht. "Die Betroffenen wirken zunächst gefasst, das ist aber das rheinische Gemüt, immer positiv denken und zusammen halten. Aber spätestens beim dritten Satz der Unterhaltung wird es sehr emotional", so Imhof.

Dramatische Schilderungen

Die 72-jährige Erika M. konnte nur ihren Rollator und ihren in die Tage gekommen Twingo retten, der ihr half, den Fluten zu entkommen, jetzt ist er kaputt. Sie könnte zu ihrer Tochter 200 Kilometer weiter gehen, das will sie aber nicht. Ihr war wichtig, noch mal ins Haus zu können, um persönliche Dinge zu retten.

Dramatisch waren die Schilderungen, wie die Menschen um ihr Leben kämpften. Die Fluten kamen extrem schnell, innerhalb von nur drei Minuten waren Keller überflutet. Parterrebewohner hatten kaum Zeit sich zu retten. Eine 69-jährige Portugisin berichtete, dass innerhalb 15 Minuten die Wohnung unter Wasser stand. "Sie war erst aus der Reha gekommen, weil ein Raser sie auf einem Zebrastreifen überfahren hatte und dann kam auch noch diese Katastrophe", berichten die Johanniter. Am meisten Sorge macht sie sich darum, überhaupt wieder eine Wohnung zu bekommen. Da sie schon sehr lange in Bessem wohnte, sei die Miete sehr günstig gewesen. Die aktuellen Mietpreise – selbst für ein kleines Appartement – könnw sie mit ihrer Rente nicht bezahlen.

Keine Sachspenden

Bei der Bürgerversammlung der Bessemer Bewohner mit der Bürgermeisterin von Erftstadt, Carolin Weitzel kam es zu einem spontanen Beifall der Betroffenen für die Johanniter. "Das war extrem bewegend, keiner konnte mehr die Tränen zurückhalten. Die Menschen hatten ums Leben gekämpft und alles verloren, da war unser Einsatz doch nur selbstverständlich", sagt Imhof. "Wir werden in Gedanken bei den Menschen sein und sie nie vergessen, emotional hat sich das alles eingebrannt."

Die Bürgermeisterin von Erftstadt bedankte sich bei den Horber Johannitern noch persönlich, bevor der Einsatz beendet wurde und örtliche Einheiten übernahmen. Wohlbehalten kamen die Helfer am Montagmorgen wieder in Horb an.

Auch die Johanniter bitten darum, keine Sachspenden mehr zu sammeln, da die Lager mehr als voll sind. Die Johanniter-Unfall-Hilfe und "Aktion Deutschland Hilft" rufen zu Spenden auf: Stichwort: "Hochwasserkatastrophe" IBAN: DE94 3702 0500 0433 0433 00 (Bank für Sozialwirtschaft).

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