Johannes Stahl (Mitte) mit den Gastgebern Johannes Steinhilber (links) und Joachim Kumm Foto: Monika Schwarz

Johannes Stahl hat mit den Besuchern des Klimastammtischs in Dornstetten über das Thema „Klimaschutz mit Maß und Mitte“ diskutiert.

Johannes Stahl, freiberuflicher Klimapsychologe in München und ehemaliger Dornstetter, kam auf Einladung des Klimaschutzpaten Joachim Kumm und von Johannes Steinhilber, Vertreter des „Grünen Gockels“ der Kirchengemeinde, zu diesem Stammtisch.

 

Das Interesse der vielen Besucher am Thema war groß. Stahl stellte gleich zu Beginn klar, dass ihm der Austausch an diesem Abend wichtig sei. „Reine Vortragsformate mag ich nämlich überhaupt nicht.“ Gemeinsam mit seinen Zuhörern entwickelte er deshalb Antworten auf zahlreiche Fragen rund um das Thema Klimaschutz.

Den Fokus legte Stahl auf die Frage nach den Auswirkungen der Klimakrise auf die Menschen, auf die Art und Weise, wie über das Klima überhaupt heute gesprochen wird, und auf die Frage, welche Klimaschutzmaßnahmen, gemessen am Aufwand, die größte Wirkung entfalten.

Stahl: Lösungen können hier produziert werden

Die Bevölkerung hierzulande habe sich an einen energieintensiven Lebensstil gewohnt, betonte er. Beim Klimaschutz gehe es deshalb in erster Linie darum, bei Aufrechterhaltung dieses Lebensstils möglichst wenig Schaden zu verursachen. Bei ihm selbst gehe es stets auch um Sicherheit für die Familie und um Gerechtigkeit. Das eigene Handeln und die eigene Sicherheit dürfe auch nie zu Lasten anderer gehen.

Stahl zeigte sich überzeugt, dass Lösungen für morgen – gerade auch im Klimaschutz – aufgrund der deutschen Ingenieurskunst hier vor Ort produziert werden können.

Den Zuhörern gab er Gelegenheit, sich Gedanken zu machen und zudem zu überlegen, was an der gesamten Diskussion auch nervt. Angesprochen wurde dabei unter anderem die Notwendigkeit, den erforderlichen „Verzicht“, ohne den der Klimaschutz nicht funktionieren kann, den Menschen auch schmackhaft zu machen.

Passen Klimaschutz und Wachstum zusammen?

Neben technischen Lösungen brauche es auch Visionen, die vermittelten, dass ein einfaches Leben auch schön sein kann, befand eine Zuhörerin. Eine andere war der Meinung, dass allein schon der Umzug in kleinere Wohnungen helfen könnte, Energiekosten zu senken. Negativ bewerteten einige Zuhörer den Fingerzeig auf China bei Klimaschutzthemen, der nicht weiterhelfe. Zudem werde das Thema in China längst forciert. Von der Politik, die nach wie vor bagatellisiere, werde die Tragweite des Themas offenbar nicht erkannt.

Andererseits würden aber auch die Erfolge im Klimaschutz zu wenig kommuniziert und Maßnahmen teilweise zu unkoordiniert umgesetzt.

Die Frage, ob „Klimaschutz mit Maß und Mitte“ überhaupt mit dem Ziel des Wirtschaftswachstums vereinbar ist, wurde ebenfalls aufgeworfen. Das Maß des Klimaschutzes könne am Ende nur die Wissenschaft festlegen, nicht die Politik, befand ein weiterer Gast.

Jeder kann CO2 einsparen

Für Stahl stehen Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit, Gerechtigkeit, Umsetzbarkeit und Langfristigkeit der Maßnahmen beim Fokus auf „Maß und Mitte“ im Vordergrund. Projekte wie der Tauschring in Dornstetten oder das Repaircafé seien gute Ansätze, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Jeder sei in der Lage, CO2 einzusparen und sollte das im Rahmen seiner Möglichkeiten auch tun, so Stahls Appell. Dies etwa durch eine pflanzenbasierte Ernährung, durch Flugverzicht, den Einkauf von Ökostrom oder durch gedämmten Wohnraum und PV-Anlagen.

Das Argument, Deutschland und Europa alleine könnten nicht viel bewirken, wollte er nicht gelten lassen. „Schreiten wir voran, dann machen das die anderen auch nach“, lautet seine Überzeugung. Deutschland habe mehrfach bewiesen, dass das Land allein schon aufgrund der Ingenieurskunst in der Lage sei, Lösungen zu präsentieren.