Johannes Romer dirigiert seit 40 Jahren die Musiker in Locherhof. Im Verein ist die Verbundenheit groß. Foto: Herzog

Das ist schon außergewöhnlich: Johannes Romer führt seit 40 Jahren im Musikverein Locherhof den Taktstock. Im Verein ist die Verbundenheit groß, wie wir im Gespräch erfahren.

Das Adventskonzert des Musikvereins Locherhof am Samstag, 29. November, in der Turnhalle Locherhof ist für Johannes Romer etwas Besonderes. Seit 40 Jahren schwingt er als Dirigent den Taktstock und lebt mit Leidenschaft für die Blasmusik. Wir haben bei ihm nachgefragt.

 

Sie dirigieren den Musikverein Locherhof seit 40 Jahren. Wie schafft man so eine lange Zeit?

Da spielen sicher viele Faktoren eine Rolle. So etwas schafft man nicht alleine. Das ist ein Jubiläum, bei dem der ganze Verein feiert. Es sind jetzt noch 13 Musiker seit meinem Antritt dabei, das unterstreicht die Verbundenheit im Verein.

Es hängt aber auch mit meiner Biografie zusammen. Da ich im Verein meine Frau Christina kennengelernt habe, gab es keinen Anlass, nicht hier zu bleiben oder sich anderweitig zu orientieren.

Außerdem ist für mich der Mensch wichtiger als die Musik. So versuche ich, meine Musiker zu behandeln, insbesondere, wenn jemand falsch spielt. Da braucht es Geduld, die zu meinen Stärken zählt.

Wie viele Jahre werden noch hinzukommen?

Ehrlich gesagt, stelle ich mir jedes Jahr die Frage neu. Ich habe mir da kein Ziel gesetzt und lasse es auf mich zukommen. Aber so lange es gut funktioniert, macht das Bleiben Sinn. Ich hoffe, dass ich den Zeitpunkt erkenne, wenn es nicht mehr harmoniert. Es wird für meinen Nachfolger natürlich schwerer, je länger ich bleibe. Ein Dirigentenwechsel ist oftmals auch damit verbunden, dass Spieler aufhören.

Wie kam es dazu, dass Sie schon in so jungen Jahren Dirigent geworden sind?

Ich habe im Musikverein Locherhof 1977 mit der Klarinette angefangen. 1984 gab es in der Volkshochschule Schramberg einen Dirigentenkurs mit Hans Schmalz, den wir zu dritt vom Musikverein aus besuchten. Als dann 1985 mein Vorgänger Siegfried Weisser aufgehört hat, habe ich den Dirigentenstab übernommen. Ich sollte nur eine Übergangslösung sein, daraus sind jetzt 40 Jahre geworden, die ich nicht missen will.

Wenn Sie zurückblicken, welche Ereignisse sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Da gibt es viele. Beispielsweise meine Hochzeit 1992, die wir mit dem Musikverein gefeiert haben. Dann vor allem die Auswärtskonzerte, bei denen man das Publikum nicht kennt. Wenn den Besuchern das Konzert gefallen hat, das bleibt. Besonders gerne erinnere ich mich an „One Night on Broadway“ in Aichhalden vor 15 Jahren.

Hat es nie den Moment gegeben, wo Sie aufhören und etwas Neues beginnen wollten?

Während meines Klarinettenstudiums in den späten 80er-Jahren glaubte ich, dass für meine Karriere ein Wechsel nötig ist und ich eine Stadtkapelle dirigieren sollte. In dem Moment, als ich ins Lehramt wechselte und in die Schule als Musiklehrer ging, habe ich dann gemerkt, dass ich das nicht brauche.

Wie hat sich das Liedgut im Verein in vier Jahrzehnte geändert? Und wer bestimmt, was gespielt wird?

Das hat sich insofern geändert, dass die Polka sehr populär geworden ist. Da gibt es inzwischen richtige „Schlager“, die für viel Stimmung auf den Festen sorgen, wie der Böhmische Traum. Mittlerweile gibt es auf dem Musikmarkt viele schöne neue Märsche und Polkas von Komponisten, die gut schreiben. Moderne Sachen wie Rock und Pop hat es immer schon gegeben.

Das Repertoire für das Sommer- und Konzertprogramm wird bei uns im Verein seit etwa fünf Jahren so zusammengestellt: Ich stelle die Stücke in einer App zur Abstimmung. Das funktioniert sehr gut. Auch die Musiker dürfen Vorschläge unterbreiten. Allerdings behalte ich mir ein Vetorecht vor, wenn die Stücke aus meiner Sicht zu schwer sind.

Ist es heute schwieriger oder einfacher als vor 40 Jahren, ein Orchester zu leiten?

Es gibt immer Spieler, die schwer zu motivieren sind. Aber auch solche, die super mitziehen. Das war schon immer ein Spagat und wird so bleiben.

Es war immer auch schwierig, Nachwuchs auszubilden und im Orchester zu integrieren. Viele gehen leider nach der Schule weg zum Studieren, es bleiben aber zum Glück auch manche hier.