Ein mittelalterlicher Bote, dargestellt im Jahre 1455. Foto: Archiv Harter

Vor 475 Jahren befand sich der Dichter Jörg Wickram auf winterlicher Reise und lobte seinen Aufenthalt in Schiltach.

Als Ratsdiener in Colmar musste der Elsässer Jörg Wickram auch Botendienste leisten, so 1550 nach Horb, „eine Stadt liegt drauß‘ im Schwabenland, an einem Wasser, der Necker g‘nannt“. Die Rückreise trat er zu Fuß kurz vor Weihnachten an. So war das Wetter „reifend, windig, kalt“.

 

Wickram, der sich „Dichter und Bürger zu Colmar“ nannte, beschrieb sie in Versen: „Der Weg gänzlich verschneiet was, dass ich sah kein‘ Fußtritt, noch Bahn, fing auch gar fest zu schneien an.“ Ihm und seinen Gefährten schlug ein Wind entgegen, „uns so erblend‘, Weg, Straß noch Landschaft keiner kennt“.

Rast an einem Kirchlein

Irgendwo über Nacht geblieben, ging’s morgens weiter, „wiewohl es nun so grausam schneit, dieweil der Wind noch heftig weiht“. Endlich sahen sie ein zerfallenes Kirchlein, wo sie Rast machten: „Ich trug mit mir eine Fläsch voll Wein, teilt‘ sie unter die Gefährten mein. Der ander‘ hat ein wenig Brot, das aßen wir und gingen fort.“

Sie fanden „eine Bahn, gemacht von Ochsen, die da schleiften Holz“. Es war „die Brandsteig, n‘ab gen Schiltach hin, wohin stand unser Mut und Sinn“.

Sie hatten es geschafft: Vom Brandsteig oberhalb Schenkenzell, wo es eine alte Kapelle gab, ging ein alter Weg über den Wallenbrunn und Egenbach nach Schiltach, den schon die Römer angelegt hatten: Zum Anstieg von der Kinzigtalstraße auf die Höhe, wo es im ersten Jahrhundert eine Station mit Tempeln gab.

Auch das „Kirchlein“ ist bekannt: Es lag in jener Römeranlage, war 1505 erbaut und dem Heiligen Kreuz geweiht worden, als es dort Erscheinungen und Wallfahrten gegeben hatte. Mit der Reformation 1535 wurde es geschlossen und verfiel, wie Wickram es antraf. Auch dass Ochsen zum Holzschleifen eingesetzt wurden, stimmt, da sie im Vergleich zu Pferden zwar langsamer, aber kräftiger und robuster waren, vor allem in steilem Gelände.

Finden eines Wirts

In Schiltach fanden sie einen Wirt „treu, mild und gut, der macht uns über d‘Maß gut Gschirr, allen Leids taten vergessen wir“. Todmüde ließ Wickram sich die Bettstatt zeigen: „Alsbald ich nun kam in meine Ruh, meine Augen eilends gingen zu.“ Beim Aufwachen, freute er sich nochmals, als er „befand, dass ich zu Schiltach lag in einem Bett“.

Dann vermerkte er noch, dass „einem fremden müden Gast“ nichts „Lieblicheres“ passieren könne, „denn ein freundlicher Wirt und ein gutes Nachtlager“. Es war ein „Wirtelob“, das Schiltach in seiner Funktion für den damaligen Verkehr auszeichnete: Mit Wohltaten wie Rast, Essen, Trinken und Übernachten für Mensch und Tier.