Nach fast zehn Jahren hört Jörg König als Hausmeister des Kurhauses auf. Er erinnert sich.
Fast ein Jahrzehnt war Jörg König Hausmeister im Bad Herrenalber Kurhaus. Eine Tätigkeit, die keine Fünf-Tage-Woche und keinen regelmäßigen Feierabend kennt. Aber dafür jede Menge Abwechslung. Seit vergangenem Monat ist König in Rente – sozusagen. Seine langjährigen Kolleginnen, Ildiko Breckner und Helene Lick, dürfen ihn immer noch was fragen. Ansonsten „ist er raus“, wie es der 64-Jährige formuliert. Und das mit wenig Wehmut: Mit der Verwaltung gab es am Ende „leichte Ungereimtheiten“.
Ideale Voraussetzungen Als der gebürtige Gaistäler 2015 seine Arbeit begann, brachte er optimale Voraussetzungen mit: die Elektrikerlehre, die Kenntnisse und Fertigkeiten auch im Blech- und Sanitärhandwerk. Das Kurhaus kannte er quasi in- und auswendig, denn bereits beim großen Umbau Anfang der 1980er-Jahre war er für seine damalige Elektrofirma bauleitender Monteur gewesen. Wen wundert es also, dass Königs Lieblingsplatz am Mischpult hinter der Bühne war, während er die Empfangstheke mit Kasse nicht so schätzte. Da war Smalltalk gefragt! Lieber hat er Schächte gereinigt und die Terrassenflächen mit dem Dampfstrahler abgestrahlt!
Früher Stadtrat
„Dädsch mer net…?“ König – der übrigens auch mal Stadtrat gewesen ist – war noch nicht lange Kurhaus-Hausmeister, da starteten die Vorbereitungen für die Gartenschau 2017. Aus der 70-Prozent-Stelle wurde schnell eine 120-Prozent-Stelle, erinnert er sich. Von Februar bis August 2017 habe er keinen Sonn- und keinen Feiertag frei gehabt. „Dem Tim Rohrer, dem Projektleiter“, grinst er, „hab ich mein Auto tagsüber geliehen. Ihn damit herumzufahren, dazu fehlte mir die Zeit.“ Hannah Nofer lobt: König habe sie beim Sommernachtstheater mit Botenfahrten und Einsatz von Fahrzeugen und Material sehr unterstützt.
Bei einem freundlichen „Dädsch mer net…?“ konnte er selten „Nein“ sagen. Wenn bei der Gartenschau die Köche in der Kurhausküche ihren Abfall zusammengepackt hatten – dann hat König ihn für sie weggefahren: „Einer muss es ja machen!“
Silvestergala Ein Mammutprojekt war stets die Silvestergala. Ohne Breckner und Lick wäre das schon gar nicht gegangen: „Jeder von uns dreien konnte alles.“ Zwei Tage zuvor die komplette Vorbereitung, an Silvester um 16 Uhr vor Ort bis am Neujahrsmorgen um 5 Uhr. „…und um 9 Uhr wieder parat fürs Neujahrskonzert. Da waren die Corona-Silvester zuhause schön ruhig“, schmunzelt der Hausmeister im Fast-Ruhestand.
Bürgermeisterwahl So gar nicht erholsam, erinnert er sich, war die Vorstellung der Bürgermeisterkandidaten 2019. Das Kurhaus aus allen Nähten platzend, die Kandidaten nicht nur zahlreich, auch teilweise provokant. Ein weniger seriöser Zeitgenosse, der „mit seiner Partei beweisen wollte, dass einfach jeder Bürgermeister werden kann“, fiel fast hinter der Bühne die Treppe hinunter. Der Kandidat hatte wohl vorher etwas zu viel über den Durst getrunken. Und bekam eine Ansage.
Nicht einschüchtern lassen
Kretschmann und das Klo Überhaupt – König ist keiner, der sich schnell einschüchtern lässt. Auch nicht von den Sicherheitskräften um Ministerpräsident Winfried Kretschmann, als der für ein Grußwort zur Tagung der Landessynode kam: „Bestimmte Wege im Kurhaus sollten vor seiner Ankunft nicht mehr betreten werden“, sei er angewiesen worden, so König. Doch: „Ich hab dem gleich erklärt, dass ich hier drin gehe, wo ich will!“ Sturkopf hin oder her – er durfte dann dort gehen. Nicht nur „weil man hinter der Bühne meist per Du ist“ – außer mit dem Ministerpräsidenten. Und ganz nebenbei hat König an dem Nachmittag zusammen mit seiner Kollegin noch die Toiletten im Untergeschoss geputzt.
Aus Eigeninitiative und Notwendigkeit: „Ich bei den Herren, sie bei den Damen. Was hätten sonst die Leute gedacht, wenn sie mich da im Damenklo vorgefunden hätten?!“
Zirkushochzeit Auch in seinen letzten Wochen hat König noch einmal Denkwürdiges erlebt: eine Zirkushochzeit mit 270 geladenen Gästen. Weil gut 30 Kinder dabei gewesen seien, „hab ich gedacht, spätestens 2 Uhr nachts ist Schluss. Aber von wegen: Die Band hat da aufgehört. Aber die kleinen Kinder wurden an der Hallenseite auf Stühlen schlafen gelegt. Und als der DJ um 4 Uhr das letzte Lied spielen wollte, hat die Braut protestiert. Sie habe bis 6 Uhr gebucht.“ Überhaupt – die Zahl 270 sei ihm eher wie eine Durchschnittszahl der anwesenden Gäste vorgekommen. Morgens um 5.30 Uhr sei er raus, so König. Aber um 9 Uhr musste er bereits wieder aufschließen wegen des Frühstücks der Hochzeiter auf der Südterrasse. „Währenddessen hab ich den Hallenboden mit der Flex geputzt“, kommentiert der Hausmeister trocken, „denn da war Himbeertorte auf dem Parkett, richtig tief – das verträgt es gar nicht.“