Jochen Malmsheimer verzückte das Publikum mit seiner auf maximales Tempo ausgerichteten kulissenfreien Bühnenperformance in der Alten Seminarturnhalle Nagold. Foto: Sabine Stadler

Der Kabarettist Jochen Malmsheimer las sich im Turbotempo durch sein Programm „Dogensuppe Herzogin – ein Austopf mit Einlage“. Dem Publikum in der Nagolder Seminarturnhalle gefiel’s.

Mit seinem aus dem Jahr 2016 stammenden Programm trat Jochen Malmsheimer in der vollbesetzten Nagolder Seminarturnhalle auf. In Manier eines Predigers hielt er sowohl stehend als auch sitzend seine Textvorlage in Händen, aus denen er im Turbo-Tempo vortragend den Eindruck erweckte, den letzten Zug zurück in seine westfälische Heimat auf alle Fälle noch ergattern zu müssen.

Nicht zum ersten Mal stand der aus zahlreichen Fernsehauftritten bekannte Kabarettist Jochen Malmsheimer auf der Bühne der Semihalle. Dieses Mal begab er sich mit seinem Programm auf eine traumerfüllte Busreise Richtung Venedig, die er in gewohnt humorvoller und scharfsinniger Weise seit mehr als 20 Jahren in seinen Soloprogrammen seiner Fangemeinde offenbart.

Generation „Glotz auf die Hand“

Ausgangspunkt war eine Busreise mit einer Gruppe ins zwölf Stunden entfernte Venedig. Auf der verbal mit Spitzfindigkeiten und in schillernder Vielfalt zelebrierten wortreichen Busfahrt beobachtete er nicht nur die Mitfahrenden, darunter auch sogenannte „Heranwichsende“ der Generation „Glotz auf die Hand“.

Jochen Malmsheimer ergoss in Nagold eine Gedanken-, Wort- und Satzflut kaskadenartig über sein Publikum. Dabei benutzt er die Sprache äußerst lebendig und mit einem spürbar großen Vergnügen. Äußerlich bleibt er dabei er selber, schlüpft in keine Rolle, überzeugt aber durch eindeutige Gestik und begleitender Mimik. Malmsheimer wirbelt vieles durcheinander und schafft irgendwie eine veränderte Ordnung mit überraschenden Einblicken. Präzise in den Einblicken, auf beeindruckende Weise beschreibend und in seiner Wortgewalt umwerfend.

Es bleibt kaum Zeit zum Lachen

600 Kilometer vor Venedig widmete er sich am vergangenen Samstag in Nagold den 1810 erfundenen Konservendosen, für die es erst 45 Jahre später Öffner gab, leitete über zu Tupperdosen und –partys und ließ seine Zuhörer wissen, dass nur die Allerwenigsten als Arschloch zur Welt kommen. Zeit zum Lachen blieb oft nur wenig, um bei den temporeichen Wortentladungen auch nichts zu verpassen. Einem Lachanfall fiel Malmsheimer jedoch selbst zum Opfer, als er die Stelle in seinem Manuskript erreichte, vor der er bereits eineinhalb Seiten vorher „Schiss“ hatte, da sie noch nie geklappt habe. So auch in Nagold.

Neben Long John Silver, Marco Polo, Shakespearre und Sherlock Holmes, gesellten sich verballhornte Indianer namens Winne-One, Winne-Two und Winne-Three, aber auch alle Helden aus Kinder- und Jugendtagen dazu – auf spezielle Weise verwandelt und dem Zauber seines Traumes unterworfen. Mit wechselnder Stimmlage und in unterschiedlicher Lautstärke erteilte er in seinen rasanten und wortgewaltigen Dialogen den jeweiligen Figuren und Phantasiegeschöpfen auf seiner Busfahrt nach Venedig das Wort. Dass geistige Unterversorgung zu Idiotentum führe, ließ er darüber hinaus sein Publikum wissen. Der Kabarettist erklärte, dass Bildung nicht nur klug, sondern auch sexy mache.

Zum Schluss empfahl er den Gästen der Seminarturnhalle nach Hause zu gehen und ein Buch zu lesen oder den Kindern vorzulesen, beispielsweise aus „Die Kinder von Bullerbü“. Verabschiedet hat sich Jochen Malmsheimer nach Zugabe mit dem irischen Reisesegen „Auf dass der Wind in eurem Rücken nie euer eigener sei…“. Das Publikum applaudierte verzückt, begeistert, aber sicherlich auch noch über den Abend angeregt nachdenkend.