Zwölf Unternehmen gaben am vergangenen Freitag Einblick in ihre Produktionshallen und informierten über ihre Ausbildungsmöglichkeiten.
Viele Schüler der Haupt- und Realschule, der Realschule und des Gymnasiums nutzten, teils zusammen mit ihren Eltern, beim Ausbildungstag „JobXperience“ die Gelegenheit, sich zu informieren. Das war eine Premiere auf Kastell - und sie ist offenbar auch gut angekommen.
Mit dem Nostalgiebus konnten die Schüler zu den Betrieben fahren, die ihr Werk zur Besichtigung öffneten. Zentraler Treffpunkt war bei Power Hydraulik. Auf dem Hof waren Info- und Verpflegungsstände aufgebaut.
„Es ist schwierig, Auszubildende zu bekommen“, meinte Matthias Hütter. Er ist bei Power Hydraulik für die Qualitätssicherung zuständig, vorher war er aber 15 Jahre lang für die Ausbildung im Unternehmen verantwortlich. Man müsse neue Wege gehen und die sozialen Medien dabei miteinbeziehen, meinte er.
Einblicke in die Betriebe
Wenn die Jugendlichen zudem Einblick in die Betriebe bekämen, dann, ist Hütter überzeugt, „bekommen wir Leute“. Mit ihm im Stand war Ben Genkinger, der bei Power Hydraulik ein duales Studium absolviert. Im Oktober sei er fertig damit: Einen Job in der Firma hat er bereits sicher.
Die Ausbildungsmesse KAZ des Handels- und Gewerbevereins sowie der Stadt, ist für Hütter kein Ersatz. So sieht es auch Ruth Lebold, die Ausbildungsverantwortliche bei VBM Medizintechnik. Die KAZ sei gut, aber hier könnten die jungen Besucher in den Betrieb schauen.
Was sie beobachten konnte: Die Bewerberzahlen für einen Ausbildungsplatz werden weniger. „Wir müssen daher präsent sein“, betonte sie. Zumal VBM die Ausbildungsquote erhöhen wolle, wie Frank Hägele, einer der Geschäftsführer, mitteilte. Auch Jörn Kelch, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung, hält es für wichtig, dass sich die Betriebe vom Handwerk bis zur Industrie zeigen.
Azubis gestalten das Programm
Bei VBM gestalteten die Auszubildenden das Programm. Im Foyer wurden die Schüler gleich freundlich von zwei Auszubildenden empfangen. Eine von ihnen, Anna-Lisa Maier, studiert Technical Management an der dualen Hochschule in Villingen Schwenningen. „Ich finde es spannend, wenn man viele verschiedene Eindrücke bekommt“ - von Betriebswirtschaftslehre, Finanzbuchhaltung bis Recht, und das kombiniert mit Technik, erklärte sie.
Helen Plocher lernt Industriekauffrau. Auch ihre Ausbildung ist abwechslungsreich. Bei VBM durchläuft sie alle Abteilungen. Wenn aber dann diverse Prüfungen anstehen, könne es „schon etwas stressig und anstrengend werden“, räumten die beiden jungen Frauen ein.
Praktischer Einsatz bei der Sozialstation
Tina Nagel, Geschäftsführerin der Sozialstation auf Kastell, ließ sich von den Auszubildenden am Oberndorfer Krankenhaus, Aileen Binder und Lorena Caspar, gerade den Blutdruck messen. Beide absolvieren derzeit ihren Praxiseinsatz bei der Sozialstation. „Wir wollen Menschen helfen“, ist ihre Motivation bei der Jobwahl.
„Wir sind Kooperationspartner für die Ausbildung in der generalistischen Pflege“, informierte Tina Nagel. Ihre Intention bei der Gemeinschaftsaktion „JobXperience“: „Wir wollen eine Lanze für die Pflegeberufe brechen.“ Im Pflegebereich ist der Nachwuchsmangel bekanntlich chronisch. Die Blutdruckmessung ist beendet: „Sehr gut“, konstatierten die beiden angehenden Pflegerinnen.
Froh über Nachwchs
Aber auch die Firma Bau-Steeb ist froh über Nachwuchs: „Wir freuen uns über neue Gesichter“, sagte Sarah Steeb, die als Umwelt- und Bauingenieurin vor kurzem in die elterliche Firma eingetreten ist. Sie hofft, dass die Berufsbilder in der Baubranche wieder attraktiver werden. „Ich finde die Nachbarschaftsaktion auf Kastell richtig cool, alle ziehen mit“, begrüßte sie die Premiere von „JobXperience“.
Die Firma Dreher Automation ist im angrenzenden interkommunalen Gewerbegebiet InPark A81 angesiedelt. Ein hydraulischer Roboter war der Blickfang am Informationsstand – ein Ausbildungsprojekt des Industrieunternehmens. Damit werden die Grundprinzipien der Hydraulik veranschaulicht. „Viele wissen nicht, was wir machen“, sagte Jochen Deibler.
Bewerberzahl geht zurück
Das Jobangebot des Unternehmens ist allerdings sehr vielfältig, es reicht von Elektrotechnikern, Mechatronikern, Technischen Produktdesignern, Fachkraft für Lagerlogistik bis zum Industriemechaniker. Dazu kommen diverse duale Studiengänge. Hilfreich für die Jobwahl ist vorher ein Praktikum, das Dreher außerdem anbietet. Viele seien noch unentschlossen, so Deibler. Die Ausbildungsquote bei Dreher ist gut: Derzeit werden elf Auszubildende beschäftigt. Die Bewerbungen gingen aber eher etwas zurück.
An der Jobmesse beteiligten sich außerdem die Firmen Autohaus Roth, Edelstahlservice, Hauser Elektrotechnik, Herrmann IDB, Hoh, Kipp Group und „wafi“. Die Initiatorinnen von „JobXperience“ sind Carina Bertram (VBM), Tina Nagel (Sozialstation Sulz) und Carina Katz (Power-Hydraulik).