Schwere Zeiten hat die Ukrainerin Oksana Nastenko hinter sich. Davon erzählt sie im Gespräch bei ihrem neuen Arbeitgeber WH Elektronik in Albstadt.
Oksana Nastenko floh vor zwei Jahren vor dem Krieg in ihrer Heimat, der Ukraine. Im März 2022 kam sie „nur mit der Mutter und zwei Katzen“ nach Deutschland, wie sie in einer Mitteilung der Agentur für Arbeit in Balingen berichtet. Für sie demnach eine Flucht ins Ungewisse, und anfangs eine sehr harte Zeit für die heute 35-Jährige: „Ich konnte kein Wort Deutsch, konnte die Leute nicht verstehen, ja nicht einmal mit dem Bus irgendwo hinfahren“, wird sie zitiert.
Gelungene Jobturbo-Integration
Das sei heute ganz anders. Ein Jahr lang hatte sie auf einen Platz in einem Sprachkurs warten müssen. Inzwischen spricht sie so gut Deutsch, dass sie gleich nach dem Sprachkurs eine Arbeit suchte.
Sie war damit eine Kandidatin für das Jobturbo-Programm, in dem Geflüchtete unterstützt werden, um nach dem Sprachkurs schnell eine Arbeit zu finden. „Es ist die besondere Stärke des Jobturbos, dass wir ganz eng mit den Geflüchteten zusammenarbeiten“, betont Ilona Luja, eine der im Jobcenter Zollernalbkreis speziell für dieses Programm zuständigen Vermittlungsfachkräfte. Sie erinnert sich: „Es gibt schon einige gelungene Jobturbo-Integrationen. Frau Nastenko konnte es demnach gar nicht schnell genug gehen. Sie war von Anfang an sehr motiviert und zielstrebig. Ich schlug ihr die Stelle bei WH Elektronik vor, und sie ergriff diese Chance mit beiden Händen. Ich habe sie und auch ihren Arbeitgeber intensiv persönlich und telefonisch begleitet.“
Intensive Begleitung
Zunächst lernten sich Arbeitgeber und Geflüchtete in einem Praktikum kennen. Die Ukrainerin beeindruckte mit Entschlossenheit und Fleiß auch Jochen Hillenbrand, den Geschäftsführer, der das Familienunternehmen in zweiter Generation am Standort Albstadt leitet.
Gerne eine Chance gegeben
„Frau Nastenko hat sich hier sehr gut eingefügt. Natürlich gab es am Anfang die eine oder andere sprachliche Hürde, aber sie kümmert sich inzwischen selbstständig um Kundentelefonate, stimmt Lieferfristen und Preise mit Lieferanten und Kunden ab“.
Die kaufmännische Angestellte ist vorwiegend im Einkauf tätig und hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten. Die Beschäftigung wird im ersten halben Jahr noch teilweise finanziell durch das Jobcenter unterstützt, aber die Förderung spielte für Hillenbrand eine untergeordnete Rolle. „Ich brauche Leute, und ich habe Frau Nastenko gerne diese Chance gegeben“, sagt Hillenbrand.
Die Firma hat an ihrem Produktionsstandort in Oelsnitz im Erzgebirge schon länger einige ukrainische Geflüchtete beschäftigt. Das funktioniert dort – teilweise sogar ohne Sprachkenntnisse – reibungslos.
Sprache ist ihr besonders wichtig
Sprache ist Oksana Nastenko besonders wichtig. Deshalb nutze sie jede Gelegenheit, dazuzulernen, wechselte sogar den Wohnort nach Albstadt, weil sie dort mehr Möglichkeiten hatte, deutsch zu sprechen, heißt es in der Mitteilung. Sie habe eine sehr hilfsbereite Vermieterin, wie sie dankbar erzählt, habe deutsche Freunde gefunden, nutze jeden Einkauf zum Üben.
Und auch am Arbeitsplatz spricht sie nur deutsch. Ihre Botschaft: „Man darf keine Angst haben zu sprechen.“