Mit Serhou Guirassy hat der VfB seinen Torjäger verloren – seine Rolle wird nun auf mehrere Schultern verteilt. Doch bislang ist in der Stuttgarter Offensive noch keine Stammformation gefunden.
Entscheidend ist die Kategorie Tore – und da stand am Ende eines aufregenden Bundesligaspiels unterm Strich Stuttgart drei und Mainz drei. Dennoch hat der VfB gegen den FSV 05 zwei Punkte liegenlassen, das zeigt der tiefere Blick in die Statistik: Hier liegt der Vizemeister in fast allen Duellen vorne, sei es den gewonnenen Zweikämpfen, dem Ballbesitz, der Passquote, den erfolgreichen Dribblings, Eckbällen oder gewonnenen Luftduellen.
Am deutlichsten ist der Unterschied aber in der Kategorie Torschüsse. Hier lag der VfB im Vergleich zu den Rheinhessen bei Abpfiff mit 28:11 vorne. Was belegt: Die Hoeneß-Elf, die hinten teils bedenklich wackelte, hat offensiv eine Menge liegen lassen.
In der Vorsaison war das mit dem Toreschießen ja meist klar geregelt: Im Schnitt alle 15 Minuten war der zu Borussia Dortmund abgewanderte Serhou Guirassy in eine Torraumszene verwickelt; der Guineer erzielte so 28 Treffer in 28 Bundesligapartien – und Deniz Undav legte mit 18 Toren und neun Vorlagen noch einiges oben drauf. Nun aber werden die Karten in der VfB-Offensive neu gemischt – und dabei sind die Neben-und Hauptrollen bislang nicht klar verteilt.
„Er hat seine besten Minuten seit Beginn der Saison gespielt“, lobte der Stuttgarter Chefcoach Sebastian Hoeneß den Angreifer Deniz Undav, der wie die Kollegen Enzo Millot, Ermedin Demirovic und der von Atalanta Bergamo ausgeliehene El Bilal Touré aktuell Teil eines Jobsharing-Modells ist.
„Es war keine Entscheidung gegen ihn. Vielmehr war die Frische ein Thema“, erklärte Hoeneß den Umstand, dass Ermedin Demirovic in der Startelf fehlte. Denn der Toptransfer aus Augsburg hatte im Pokal in Münster unterstützt von Nick Woltemade angefangen. Also kam diesmal neben Undav, der sich beim VfB die Bestnote verdiente, in der Offensive mit Enzo Millot eine weitere frische Kraft.
„Enzo hat ein Tor geschossen – und auch sonst zunächst gut gespielt“, sagte Hoeneß mit Blick auf die ersten 30 Minuten der Mainz-Partie. Doch danach gab es wie bereits in Freiburg einen Riss im Spiel, was auch mit den Offensivkräften zu tun hat, die allesamt nachließen.
Dies war etwa bei Jamie Leweling auf Rechtsaußen der Fall, der nach 15 Minute noch mit einem pfundigen Treffer zum 2:0 ins kurze Eck geglänzt hatte. Doch am deutlichsten war der Leistungsabfall bei Chris Führich zu beobachten, der noch nach seiner Form sucht. Folglich wurde der deutsche Nationalspieler durch sein Schweizer Pendant Fabian Rieder ersetzt – und muss einen Zahn zulegen, damit ihm Letzterer nicht den Rang abläuft.
Guter Einstand von Touré
Bleiben die beiden Afrikaner Touré und Silas im Offensiv-Portfolio des VfB, aus dem Hoeneß in den nächsten Wochen eine schlagkräftige A-Formation zusammenpuzzeln darf. „Sein Auftritt war absolut in Ordnung. Es waren erste Impulse zu sehen – er hinterlässt einen positiven Eindruck“, sagte Hoeneß über Touré, der für sein Heimatland Mali auf sieben Tore in 19 Länderspielen kommt – und der sich beim VfB die Rückennummer 10 geschnappt hat. Ob Silas eine Alternative bleibt, ist unklar: Inzwischen soll Roter Stern Belgrad, Gegner des VfB in der Champions League, an dem schnellen Flügelmann interessiert sein.