Die Lahrer Stadtverwaltung setzt zunehmend Künstliche Intelligenz ein, um Arbeitsabläufe zu beschleunigen und den Bürgerservice zu modernisieren.
Die Nachricht sorgte vor wenigen Wochen für Aufsehen: Bei Amazon fallen rund zehn Prozent der Jobs in der Verwaltung weg, Tausende Mitarbeiter müssen deshalb gehen. Man könne durch Künstliche Intelligenz (KI) Verwaltungsabläufe automatisieren, deshalb würden viele Bürojobs nicht mehr gebraucht, teilte der Konzern dazu mit.
Auch die Stadt Lahr nutzt KI, will deren Einsatz sogar ausbauen. Müssen deshalb nun auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung befürchten, dass sie überflüssig werden? Nein, heißt es dazu aus dem Rathaus. Durch den Einsatz von KI habe man bisher keine Personalstelle eingespart, auch künftig solle sie keine Mitarbeiter ersetzen. Sie sei ein Werkzeug, der Entscheidungsträger bleibe aber ein Mensch.
KI soll demnach bei der Stadtverwaltung „Arbeitsprozesse unterstützen, Routinetätigkeiten erleichtern und zeitliche Spielräume für fachlich anspruchsvolle Kernaufgaben schaffen“. Rechtliche Bewertungen, Ermessensentscheidungen oder verbindliche Verwaltungsakte sollen dagegen Aufgabe der Mitarbeiter bleiben. Zumal KI-Systeme nicht fehlerfrei seien und weder über ein Verantwortungsbewusstsein noch über die Fähigkeit zu ethischer Abwägung verfügten.
Entlastung, nicht Ersetzung, darum soll es demnach beim Einsatz von KI in der Lahrer Stadtverwaltung gehen. Denkende Computersysteme sollen kein Jobkiller sein, sondern könnten stattdessen helfen, den Mangel an Fachkräften abzufedern, heißt es aus dem Rathaus. Denn der demografische Wandel stelle auch die Stadt Lahr vor Herausforderungen.
In vielen Bereichen werde es künftig schwieriger, frei werdende Stellen nachzubesetzen. Vor diesem Hintergrund könne Künstliche Intelligenz dazu beitragen, „den bestehenden Qualitäts- und Servicestandard aufrechtzuerhalten“. Als konkretes Beispiel nennt die Verwaltung das KI-gestützte Übersetzungstool, das auf der städtischen Website bereits im Einsatz ist. Es ermögliche Bürgern, Infos in verschiedenen Sprachen abzurufen.
Darüber hinaus arbeitet die Stadt an einem KI-basierten Chatbot, also an einem Computerprogramm, das menschliche Konversationen simuliert, um Aufgaben zu automatisieren und Fragen über Text- oder Sprachnachrichten zu beantworten. Der Chatbot, der im ersten Halbjahr 2026 zur Verfügung stehen wird, soll Inhalte der städtischen Website sowie Informationen aus dem Ratsinformationssystem einbeziehen.
„Bürger können dadurch künftig schneller Antworten auf ihre Fragen erhalten – unabhängig von Öffnungszeiten. Ziel ist es, Informationen niedrigschwellig, transparent und rund um die Uhr bereitzustellen“, so die Stadt.
Neben dem Bürgerservice stehe die interne Unterstützung der Mitarbeiter im Fokus. Man befinde sich derzeit in den letzten Schritten zur Einführung einer datenschutzkonformen, internen KI-Lösung für die Verwaltung, „als sichere und kontextbezogene Alternative zu freien KI-Tools“, teilt die Verwaltung mit.
KI soll laut Stadt dort eingesetzt werden, wo sie Prozesse unterstützt und einen echten Mehrwert schafft. Es gehe darum, Arbeitsabläufe zu beschleunigen und zu vereinfachen – mit dem positiven Effekt, dass den Mitarbeitern mehr Zeit für anspruchsvolle fachliche Aufgaben bleibt.
KI spart den Mitarbeitern Zeit, die sie dann für andere Aufgaben haben
Was hat der Bürger vom Einsatz von KI bei der städtischen Verwaltung? „Wenn Arbeitsprozesse beschleunigt und unterstützt werden, können Anfragen schneller bearbeitet und Verfahren zügiger abgeschlossen werden“, verdeutlicht die Stadt.
Darüber hinaus ermöglichten KI-gestützte Anwendungen – wie etwa digitale Assistenzsysteme oder intelligente Informationsangebote – einen verbesserten Zugang zu Verwaltungsleistungen. Langfristig trage der Einsatz von KI dazu bei, die Verwaltung serviceorientierter, moderner und leistungsfähiger aufzustellen.
Als Beispiele nennt die Stadt die Prüfung von Antragsunterlagen für Personalausweise oder Aufenthaltsgenehmigungen, die künftig die KI übernehmen könnte. Hierzu würden schon Pilotprojekte in anderen Bundesländern laufen. Klar sei aber, dass es auch in diesem Bereich ohne menschliche Kontrolle nicht gehen werde: „Eine vollständig automatisierte Abarbeitung von Anträgen durch KI ist nicht in Sicht und auch aus ethischen Gründen nicht vertretbar.“
Man prüfe außerdem, ob KI bei internen Dokumentationen und Protokollierungen eingesetzt werde. „KI-gestützte Systeme könnten etwa Besprechungsprotokolle strukturieren, Inhalte zusammenfassen oder zentrale Punkte automatisiert herausarbeiten“, so die Stadt. Darüber hinaus seien weitere Einsatzfelder denkbar, etwa die Auswertung großer Datenmengen zur besseren Entscheidungsgrundlage.
„Die Koordination und strategische Weiterentwicklung des Themas Künstliche Intelligenz ist als zentraler Aufgabenbereich innerhalb der Verwaltung verankert“, betont die Stadt. Insgesamt stehe man noch am Anfang der KI-Entwicklung – momentan schaffe man die organisatorischen und rechtlichen Grundlagen für den verantwortungsvollen Einsatz.
KI in der Lahrer Wirtschaft
Auch in der Lahrer Wirtschaft ist Künstliche Intelligenz angekommen. Bei der Jahresumfrage 2025 der Almi (Arbeitsgemeinschaft Lahrer Mittelständischer Industrieunternehmen) teilten 15 von 21 befragten Firmen mit, dass sie KI bei einzelnen Projekten nutzten. Von drei Unternehmen hieß es, dass sie noch nicht mit KI arbeiten, es aber vohaben. Nur drei Firmen sagten, dass der Einsatz von KI bei ihnen nicht geplant sei.